Arthritis-Therapie: 150–300 Minuten Bewegung pro Woche empfohlen

Studien belegen Effekte von Bewegung, Achtsamkeit und Psychotherapie, während Göttingen und das Waldviertel ergänzende Angebote ausbauen.

Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Krebs, Demenz oder Rückenschmerzen suchen zunehmend nach Angeboten, die über die klassische medizinische Behandlung hinausgehen. Kunst, Bewegung und psychologische Begleitung gewinnen als ergänzende Bausteine an Bedeutung – das zeigen mehrere Initiativen und Studien, die in den letzten Monaten Aufmerksamkeit erhalten haben.

Kunsttherapie für Krebspatienten in Göttingen

An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) können Patientinnen und Patienten des UniversitätsKrebszentrums Göttingen im Rahmen des Angebots „farbRaum“ regelmäßig kreativ tätig werden.

Die Termine finden jeweils am 1. und 3. Donnerstag und Freitag im Monat von 14:00 bis 18:00 Uhr statt, unter anderem am 17. und 18. September 2026, in der Schule der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Raum 301, Robert-Koch-Straße 40 in Göttingen. Das Angebot ist kostenfrei, erfordert keine Anmeldung und keine Vorkenntnisse; finanziert wird es über Spenden.

Ergänzt wird das kreative Angebot durch Bewegungsprogramme: Seit Juli 2026 bietet das UniversitätsKrebszentrum Göttingen gemeinsam mit der TWG Göttingen mittwochs Funktionstraining im Wasser im Badeparadies Eiswiese an, wofür eine ärztliche Verordnung nötig ist. Bereits seit Sommer 2024 besteht zudem eine Kooperation mit dem ASC Göttingen für Rehabilitationssport, offen für Betroffene aller Tumorerkrankungen.

Kreativangebote für Menschen mit Demenz im Waldviertel

Auch im Bereich Demenz setzen Institutionen auf künstlerische Zugänge. Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG OIS Center, LBI-GMR) startete im Waldviertel in Niederösterreich die zweite Workshop-Serie ihres Projekts „Ankerpunkte“, das sich an Menschen mit und ohne Demenz richtet.

Die Formate reichen von Musik im Gasthaus Hörndl in Neupölla über Zeichnen und Gestalten im Pfarrhaus Sallingberg bis zu Bewegung und Tanz im Sportrestaurant Hinger in Waldenstein. Die Angebote sind kostenlos und erfordern keine Vorkenntnisse.

Nach Schätzungen leben in Österreich rund 170.000 Menschen mit Demenz. Ergänzend veranstaltete die Ludwig Boltzmann Gesellschaft im September 2026 in der ehemaligen Postsparkasse in Wien die Veranstaltung „Vom Erinnern und Vergessen“.

Evidenz für Bewegung, Achtsamkeit und Psychotherapie

Dass nicht-medikamentöse Ansätze wissenschaftlich zunehmend untermauert werden, zeigen mehrere aktuellere Auswertungen. Ein Review von Prof. Rosalba Hernandez von der University of Illinois Urbana-Champaign, der 18 randomisierte kontrollierte Studien einbezog, kommt zu dem Schluss, dass Achtsamkeits-, Dankbarkeits- und Optimismusprogramme über sechs bis zwölf Wochen Blutdruck und Entzündungswerte verbessern können.

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In einem zwölfwöchigen digitalen Programm mit spirituellen Elementen sank der systolische Oberarm-Blutdruck um 7,6 mmHg. Am zuverlässigsten wirkten die Effekte laut der Auswertung bei acht bis zwölf Wochen täglichem Üben in Kombination mit wöchentlicher Begleitung – ein Ersatz für medizinische Behandlung sei dies jedoch nicht.

Auch bei entzündlicher Arthritis und Osteoarthritis rückt Bewegung stärker in den Fokus: Die European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) veröffentlichte 2025 ein Update mit elf Empfehlungen, angelehnt an die WHO-Vorgaben von 2020, wonach 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive aerobe Bewegung pro Woche sowie mindestens zweimal wöchentliches Krafttraining sinnvoll sind.

Erstmals fließen dabei auch digitale Tools wie Wearables in die Empfehlungen ein. Eine Meta-Analyse in Osteoarthritis and Cartilage, die zehn Studien mit over 1.700 Personen mit Kniearthrose auswertete, legt nahe, dass ein früher Beginn der Bewegungstherapie innerhalb eines Jahres nach Beschwerdebeginn langfristig zu weniger Schmerzen und besserer Gelenkfunktion führt.

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Für schwerere psychiatrische Erkrankungen liefert die MPP-S-Studie, veröffentlicht in The Lancet Psychiatry und geleitet von Prof. Dr. Dorothea von Haebler (IPU Berlin), Prof. Dr. Christiane Montag (Charité Berlin) und Dr. Günter Lempa (München), Hinweise auf den Nutzen psychodynamischer Psychotherapie: In einer randomisierten Studie mit 130 ambulant behandelten Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie oder schizoaffektiver Störung zeigte die Gruppe mit zusätzlicher Psychotherapie eine statistisch signifikant stärkere Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus und der Negativsymptome, nachweisbar noch nach zwei und drei Jahren.

Fazit

Die Beispiele aus Göttingen und dem Waldviertel zeigen, wie kreative und bewegungsorientierte Angebote zunehmend fester Bestandteil der Versorgung chronisch kranker Menschen werden.

Begleitend liefert die Forschung – von Bewegungsleitlinien bei Arthritis bis zu psychodynamischer Psychotherapie bei Schizophrenie – zunehmend Belege dafür, dass solche ergänzenden Ansätze messbare Effekte auf Lebensqualität, Funktionsniveau und teils sogar körperliche Parameter wie Blutdruck haben können.