Eine am 20. August 2026 im Fachjournal Frontiers in Medicine (Vol. 13, DOI: 10.3389/fmed.2026.1852954) publizierte multizentrische Untersuchung liefert neue Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Ashwagandha. Die wissenschaftliche Arbeit untersuchte die 24-wöchige tägliche Verabreichung eines standardisierten Wurzelextrakts und stellte fest, dass dieser gut vertragen wurde und keine behandlungsbedingten Schäden an Leber oder Nieren verursachte.
Klinische Großstudie belegt 24-Wochen-Verträglichkeit
Die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie unter Leitung von Dr. Arvind Chopra vom Centre for Rheumatic Diseases im indischen Pune umfasste 1.200 gesunde, COVISHIELD-geimpfte Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren.
An der Durchführung an sieben Zentren in Indien waren 45 Forscherinnen und Forscher aus neun Institutionen beteiligt, darunter die CCRAS, die AIIA sowie das National Institute of Ayurveda Jaipur. Das Vorhaben war unter der Kennung CTRI/2021/06/034496 registriert.
Die Teilnehmenden der Verumgruppe nahmen täglich 500 mg eines standardisierten wässrigen Ashwagandha-Wurzelextrakts ein, was vier Gramm Rohwurzelpulver entspricht, während die Kontrollgruppe ein Placebo erhielt. Insgesamt 1.032 Personen – entsprechend 86 Prozent der Kohorte – führten die Studie bis zum Ende durch.
Die Laboranalysen zeigten, dass Leberenzyme, Bilirubin, Kreatinin sowie Blutharnstoff über den gesamten Zeitraum innerhalb der Referenzbereiche blieben. Es traten weder schwerwiegende unerwünschte Ereignisse noch studienbedingte Abbrüche infolge von Nebenwirkungen auf.
Die gemessene virusneutralisierende Aktivität lag in beiden Untersuchungsgruppen bei über 85 Prozent, womit sich kein signifikanter Unterschied ergab. Auch das indische Ayush-Ministerium hob die Resultate zur Verträglichkeit des Wurzelextrakts über die Dauer von 24 Wochen hervor.
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Behördliche Warnhinweise und potenzielle Risiken
Trotz der positiven Studiendaten raten Aufsichtsbehörden weiterhin zur Wachsamkeit. In einem Sicherheitsupdate vom 7. Juli 2026 dokumentierte die australische Therapeutic Goods Administration (TGA) insgesamt elf Verdachtsfälle von Leberschäden im Zusammenhang mit Ashwagandha, wovon vier seit einer ersten behördlichen Warnung im Jahr 2024 registriert wurden.
Die TGA stuft das Risiko zwar als sehr selten, jedoch als potenziell vorhanden ein. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten das Mittel absetzen und ärztlichen Rat suchen, falls Beschwerden wie eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, Übelkeit, Erbrechen, anhaltende Müdigkeit, Bauchschmerzen oder Appetitverlust auftreten. Personen mit bestehenden Lebererkrankungen sollten Produkte mit der Pflanze meiden.
Eine ähnliche Empfehlung spricht auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aus: Neben Hinweisen auf Leberschäden und Magen-Darm-Beschwerden weist die Institution auf mögliche Wechselwirkungen hin und rät Menschen mit Lebervorerkrankungen vom Konsum ab.
Qualitätsfragen, Dosierung und Wechselwirkungen
Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die wissenschaftliche Evidenz für viele beworbene Effekte von Ashwagandha nicht eindeutig sei. Eine systematische Übersichtsarbeit zu 27 Substanzen in 52 Studien ergab, dass die meisten Mittel das Gesamttestosteron nicht zuverlässig steigern können.
Zwar existieren einzelne kleinere randomisierte Studien zu Ashwagandha mit leicht erhöhten Testosteronwerten, die Datenbasis gilt wegen kleiner Fallzahlen, kurzer Laufzeiten und uneinheitlicher Präparate jedoch als begrenzt.
Zugleich betonen Experten das Risiko unerwünschter Arzneimittelinteraktionen: Eine Kombination mit Antidepressiva gilt als riskant, da sich Nebenwirkungen verstärken können, während eine Überdosierung die Leber übermäßig belasten kann. Dokumentiert sind zudem Einzelfälle einer vorübergehenden Schilddrüsenüberfunktion nach Einnahme entsprechender Präparate.
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Hinzu kommen erhebliche Qualitätsunterschiede am Markt. Eine Angabe von fünf Prozent Ashwagandha-Extrakt lasse ohne konkrete Analytliste keinen verlässlichen Rückschluss auf die Zusammensetzung zu, da es sich um Wurzelextrakt, Mischungen aus Wurzel und Blatt oder trägerstoffhaltige Pulver handeln könne.
Zudem weist Blattmaterial oft höhere Konzentrationen von Withaferin A auf. Ein deklarierter Gehalt von 5,0 Prozent Gesamtwidanoliden auf Trockenbasis entspricht bei 6,0 Prozent Feuchtigkeit rund 4,7 Prozent in gelieferter Form, was bei einer Dosierung von 300 mg etwa 14,1 mg aktive Substanz bedeutet.
Während Kurzzeitstudien bei vielen Probanden eine grundsätzliche Verträglichkeit nahelegen, treten vereinzelt Magenbeschwerden, weicher Stuhl, Übelkeit und Schläfrigkeit auf, womit eine umfassende Langzeitsicherheit weiterhin eingehender Überprüfung bedarf.

