Atem-Biometrie: Forscher entwickeln fälschungssichere Alternative zu Passwörtern

Forscher entwickeln fälschungssichere Identifikation durch Atemmuster. Passkeys boomen, während Unternehmen auf biometrische Systeme setzen.

Die Ära des Passworts neigt sich dem Ende zu – und der nächste große Schritt könnte so natürlich sein wie das Atmen selbst. Forscher arbeiten an einem Verfahren, das Menschen anhand ihres einzigartigen Atemmusters identifiziert. Diese Atem-Biometrie verspricht eine nahezu fälschungssichere Alternative zu herkömmlichen Passwörtern und selbst zu gängigen Zwei-Faktor-Verfahren.

Warum der Atem unverwechselbar ist

Das Besondere an dieser Technologie: Jeder Mensch hat ein physiologisch einzigartiges Atemmuster, das sich nicht verändern oder manipulieren lässt. Anders als Fingerabdrücke oder Gesichtsscans, die kopiert werden können, bietet die Atem-Biometrie eine nicht reproduzierbare Signatur. Die ersten Tests zeigen hohe Erkennungsraten – ein entscheidender Vorteil in einer Zeit, in der Identitätsdiebstahl rasant zunimmt.

Der Zeitpunkt für diesen Durchbruch könnte nicht besser sein. Die Industrie bewegt sich massiv in Richtung passwortloser Systeme: Weltweit existieren bereits fünf Milliarden aktive Passkeys – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Tech-Giganten wie Google, Amazon und Microsoft haben Passkeys inzwischen als Standard-Authentifizierungsmethode etabliert.

Biometrie im Praxistest: 100.000 Mitarbeiter

Doch die Entwicklung bleibt nicht im Labor. Ein weltweit führender Einzelhändler mit Milliardenumsätzen setzt jetzt auf biometrische Authentifizierung für über 100.000 Mitarbeiter an 1.000 Standorten. Das Unternehmen nutzt spezielle, datenschutzorientierte Verfahren, um den Zugang zu Systemen zu sichern.

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Der Druck auf Unternehmen ist enorm: Daten des Verbands der Certified Fraud Examiners zufolge gehen Organisationen jährlich rund fünf Prozent ihres Umsatzes durch Betrug am Arbeitsplatz verloren. Die Analysten von Gartner prognostizieren zudem, dass bis 2028 jeder vierte Bewerber mit gefälschter Identität erkannt wird.

Neue Angriffswellen auf alte Systeme

Die Dringlichkeit neuer Sicherheitslösungen zeigt sich in den aktuellen Bedrohungen. Erst Anfang Juli wurden Nutzer der Passwort-Manager LastPass und Bitwarden Ziel einer raffinierten Phishing-Kampagne. Die Angreifer verschickten gefälschte Newsletter und imitierten DocuSign-Benachrichtigungen, um Master-Passwörter zu stehlen.

Parallel dazu beobachten Sicherheitsexperten einen besorgniserregenden Trend: „Vishing“ – sprachbasiertes Phishing mit KI-Stimmenklonen – umgeht zunehmend traditionelle Sicherheitsfilter. Erst in den vergangenen Tagen meldete die KI-Plattform Hugging Face einen Einbruch in ihre Produktionsinfrastruktur. Ein autonomes KI-System hatte Schwachstellen in Datenverarbeitungspipelines ausgenutzt und interne Zugangsdaten kompromittiert.

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Milliardenmarkt für Identitätssicherheit

Der Markt für Identitäts- und Zugriffsmanagement boomt entsprechend. Branchenanalysten erwarten ein Wachstum von rund 26 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 42 Milliarden Euro bis 2030. Kein Wunder: Jede manuelle Passwortrücksetzung kostet Unternehmen laut Forrester Research zwischen 90 und 115 Euro.

Der 2026 veröffentlichte Verizon Data Breach Investigations Report zeigt jedoch, dass der Missbrauch von Zugangsdaten mit 39 Prozent aller untersuchten Sicherheitsvorfälle weiterhin die Hauptangriffsfläche bleibt. Zwar sind gestohlene Passwörter als Einstiegspunkt auf 13 Prozent gesunken, doch die Ausnutzung von Sicherheitslücken ist mit 31 Prozent auf dem Vormarsch.

Neben der Atem-Biometrie arbeiten Entwickler an weiteren KI-gestützten Sicherheitslösungen. Dazu gehören automatisierte Penetration-Testing-Systeme, die komplexe Angriffsketten auf OAuth- und JWT-Implementierungen erkennen. Forscher der University of Louisville und der University of North Texas haben zudem forensische Werkzeuge entwickelt, um manipulierte Code-Bestandteile in KI-Assistenten aufzuspüren – ein weiterer Schritt in eine Zukunft ohne klassische Passwörter.