Ingolstadt – Ein deutscher Technologieverbund hat die vollständige Automatisierung der Kabelbaum-Produktion demonstriert. Damit könnte die Autoindustrie einen ihrer letzten manuellen Fertigungsschritte überwinden.
Das Next2OEM-Konsortium präsentierte diese Woche in Audis Stammwerk Ingolstadt einen durchdigitalisierten Prozess für Herstellung und Einbau der Fahrzeug-Verkabelung. Das Projekt markiert den Abschluss einer dreijährigen Forschungsinitiative, die mit Millionen-Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums und der EU unterstützt wurde.
Das Ende der „letzten manuellen Meile“
Der Kabelbaum galt bislang als Automatisierungs-Bremse in modernen Fabriken. Während Roboter Karosserien schweißen und lackieren, werden die komplexen Kabelbündel für Elektronik und Elektromobilität noch zu über 90 Prozent von Hand gefertigt.
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Die Ingolstädter Demonstration widerlegt diese Annahme. Das Konsortium zeigte einen vollständigen Demonstrator, der den gesamten Prozess automatisiert: von der Kabelbaum-Herstellung über den Vor-Einbau in eine Mittelkonsole bis zur finalen Installation im Fahrzeug.
Kern der Lösung ist ein durchgängiger digitaler Datenfluss. Statt statischer 2D-Zeichnungen nutzt das System eine graphenbasierte Datenbank des Partners Semantic PDM. Diese ermöglicht es Robotern, komplexe Verlegungsanweisungen direkt zu interpretieren – und damit erstmals flexible Kabel präzise zu handhaben.
Zehn Partner entlang der Wertschöpfungskette
Der Durchbruch ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen Allianz. Unter Führung von Audi arbeiteten zehn Partner aus der gesamten automobilen Wertschöpfungskette zusammen.
Der Kabelbaum-Spezialist Kromberg & Schubert entwickelte ein für Roboter optimiertes Design. Der Schweizer Automatisierungspionier Komax lieferte Systeme für das Umflechten und Testen der Kabel.
Eine Schlüsselinnovation kommt von den Steckverbinder-Herstellern TE Connectivity und KOSTAL Kontakt Systeme. Sie entwickelten eine neue Generation von Steckern mit standardisierten Aufnahmeflächen, die robotergerechtes Greifen und Einstecken ermöglichen.
Für den Materialfluss sorgten fahrerlose Transportsysteme von Bär Automation. Die komplexe Roboterprogrammierung übernahm Software von ArtiMinds Robotics.
Strategische Bedeutung für Europas Autoindustrie
Der Erfolg kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Abhängigkeit von manueller Fertigung erwies sich in den vergangenen Jahren als strategische Schwachstelle. Als geopolitische Konflikte die Kabelbaum-Produktion in Osteuropa unterbrachen, standen Montagelinien in ganz Europa still.
Die Automatisierung könnte Teile der Lieferkette zurück in Hochlohnländer wie Deutschland holen. Sie reduziert die Abhängigkeit von großen, kostengünstigen Werkteams und ermöglicht flexiblere Produktionsplanung.
Besonders relevant ist das für die Elektromobilität. E-Autos benötigen schwerere und komplexere Kabelbäume. Automatisierte Handhabungssysteme entlasten Arbeiter, die bisher schwere Kabelbündel manuell verlegen mussten.
Vom Prototyp zur Serienfertigung
Der Ingolstädter Demonstrator bleibt kein Laborexperiment. Audi bestätigt, dass die Projekterkenntnisse direkt in die Produktionsplanung zukünftiger Fahrzeugprogramme einfließen werden.
Die Standardisierungsbemühungen des Konsortiums dürften nachhaltige Wirkung entfalten. Durch die Etablierung von „Design-for-Automation“-Standards für Stecker und Kabelverlegung ebnet das Projekt den Weg für eine breite Industrie-Einführung.
Mit dem Projektabschluss beginnt nun die Phase der Skalierung. Der Beweis ist erbracht: Die Automatisierung der flexiblen Kabelinstallation ist möglich. Jetzt beginnt der Wettlauf um die Implementierung in den globalen Produktionshallen.
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