Eine gemeinschaftliche Untersuchung des University College London (UCL) und des Moorfields Eye Hospital hat Hinweise darauf geliefert, dass spezifische Veränderungen im menschlichen Auge als Indikatoren für Vorhofflimmern (AFib) dienen könnten.
Wie aus einer in der Fachzeitschrift PLOS Digital Health veröffentlichten Studie hervorgeht, lassen sich bestimmte strukturelle Auffälligkeiten der Netzhaut bereits nachweisen, bevor die Herzerkrankung klinisch diagnostiziert wird.
Strukturelle Veränderungen der Makula als Frühwarnzeichen
Den Forschungsergebnissen zufolge weisen Menschen mit Vorhofflimmern eine messbar dünnere Nervenschicht der Makula auf. Konkret identifizierten die Wissenschaftler die Ganglienzell- und die innere plexiforme Schicht als maßgebliche Bereiche für diese Beobachtung. Diese Ausdünnung sei bereits in einem Stadium nachweisbar, das zeitlich vor der offiziellen Diagnose der Herzrhythmusstörung liege.
Für die Untersuchung griffen die Forscher auf zwei umfangreiche Datenquellen zurück. Zum einen wurde das sogenannte AlzEye-Dataset analysiert, welches Daten von 50.651 Patienten des Moorfields Eye Hospital umfasst.
Zum anderen dienten Informationen der UK Biobank als Vergleichsgrundlage, in der über 39.000 Teilnehmer beim ersten Scan noch keine Anzeichen von Vorhofflimmern aufwiesen. Die Auswertungen ergaben, dass zwischen einem entsprechenden Augenscan und der späteren Diagnose von Vorhofflimmern im Mittel ein Zeitraum von 3,95 Jahren lag.
Statistischer Zusammenhang und diagnostisches Potenzial
Die statistische Auswertung der Daten verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Schichtdicke und dem Erkrankungsrisiko. Jede Verringerung der Schichtdicke um eine Standardabweichung korrelierte mit einem um 27 % höheren Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern.
Diese Berechnung wurde um verschiedene Einflussfaktoren bereinigt, darunter Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit sowie gesundheitliche Vorbelastungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und Alkoholkonsum.
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Technisch basiert die Erkennung dieser Merkmale auf der optischen Kohärenztomographie (OCT). Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, das bereits standardmäßig in vielen Augenkliniken eingesetzt wird. Damit bestünde theoretisch die Möglichkeit, bestehende Infrastrukturen für eine frühzeitige Risikoerkennung zu nutzen.
Die beteiligten Autoren betonten jedoch, dass vor einem möglichen Einsatz in der Breitendiagnostik oder als Screening-Verfahren weitere klinische Studien notwendig seien.
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Medizinische Relevanz von Vorhofflimmern
Die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung von Vorhofflimmern wird durch Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC unterstrichen. Demnach erhöht diese Form der Herzrhythmusstörung das Risiko für einen Schlaganfall um etwa das Fünffache. In den Vereinigten Staaten führt die Erkrankung jährlich zu schätzungsweise 158.000 Todesfällen.
Für die Zukunft wird ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen erwartet: Prognosen der CDC zufolge könnten bis zum Jahr 2050 rund 12,1 Millionen Menschen in den USA von Vorhofflimmern betroffen sein. Eine frühzeitige Identifizierung von Risikopatienten über ophthalmologische Untersuchungen könnte daher eine wichtige Rolle in der künftigen Präventivmedizin spielen.

