KI-gesteuerte Plattformen verwandeln Kundendaten in automatische Aktionen – und machen traditionelle CRM-Systeme proaktiv.
San Francisco – Die Welt der Kundenbeziehungsverwaltung (CRM) erlebt diese Woche einen fundamentalen Wandel. Mehrere Unternehmen haben Plattformen lanciert, die autonome KI und No-Code-Funktionen direkt in Geschäftsprozesse integrieren. Der Trend für 2026 ist klar: Aus passiven Datensammlern werden aktive, „agentische“ KI-Systeme, die eigenständig Workflows steuern und Entscheidungen treffen. Für Vertrieb, Marketing und Service bedeutet das weniger manuelle Arbeit und mehr Effizienz.
KI als ausführende Schicht, nicht nur als Assistent
Die jüngsten Ankündigungen von Aurasell, Creatio und Aligned markieren einen architektonischen Bruch. Statt nur nächste Schritte vorzuschlagen, sollen diese Plattformen selbst handeln. Sie fungieren als intelligente Ausführungsebene, die traditionelle CRM-Funktionen ergänzt oder sogar ersetzt. Damit schließen sie eine seit langem bestehende Lücke: die Kluft zwischen der Erfassung von Kundendaten und deren effizienter Nutzung.
Am 12. Februar stellte Aurasell sein „KI-natives Go-To-Market Operating System“ (GTM OS) vor. Die Plattform legt sich als intelligente Overlay-Schicht über etablierte CRM-Systeme wie Salesforce oder HubSpot. Unternehmen können so fortschrittliche KI nutzen, ohne ihr Kern-CRM riskant und kostspielig ersetzen zu müssen. Herzstück ist ein „Custom Agent Builder“ – eine No-Code-Oberfläche, mit der Firmen spezialisierte KI-Agenten für Aufgaben wie Lead-Qualifizierung oder Recherche bauen können.
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Autonome Agenten für die Finanzbranche
Ebenfalls am 12. Februar präsentierte Creatio eine Suite autonomer KI-Agenten für Finanzdienstleister. Das Unternehmen, dessen Plattform auf No-Code und KI basiert, geht damit über reine Assistenzfunktionen hinaus. Die neuen Agenten sollen komplette End-to-End-Bankprozesse eigenständig orchestrieren und ausführen.
Im Gegensatz zu Tools, die nur Aktionen vorschlagen, koordinieren diese Agenten komplexe Abläufe, verwalten Übergaben zwischen Systemen und treffen Entscheidungen. Menschliche Kontrolle bleibt dabei stets möglich. Dieser Schritt hin zu echter Autonomie innerhalb eines No-Code-Rahmens zeigt: Die Branche will CRMs, die aktiv Prozesse steuern – und nicht nur Informationen speichern.
Die Lücke im Vertragsprozess schließen
Bereits am 11. Februar adressierte Aligned mit seinem „AI Deal Workspace“ ein spezifisches Problem im Vertrieb: die chaotische Phase zwischen Verkäufer und Käufer, in der Deals oft stocken. Während klassische CRMs als Archiv dienen, setzt Aligned seine KI genau dort an, wo E-Mails, Anhänge und unklare nächste Schritte den Prozess ausbremsen.
Der Workspace fungiert als gemeinsames, kundenseitiges „System of Action“. Verkaufsteams und Kunden können Ziele abstimmen und den Fortschritt des Deals automatisieren. Diese Fokussierung auf KI-gesteuerte Ausführung im Vertragszyklus spiegelt einen breiteren Trend wider: Künstliche Intelligenz löst konkrete, wertschöpfende Probleme, mit denen traditionelle CRMs kämpfen.
Markttrend: Von der Theorie in die Praxis
Diese Launch-Woche ist kein Zufall, sondern die konkrete Umsetzung eines für 2026 prognostizierten Trends. Die Idee der „agentischen KI“ verlässt die Labore. Marktanalysen deuten darauf hin, dass sich KI von einem passiven Werkzeug zu einem aktiven Teilnehmer in Geschäftsprozessen entwickelt. Forschungsinstitute projizieren, dass bis Jahresende 40 Prozent aller Unternehmensanwendungen KI-Agenten integrieren werden.
Der parallele Aufstieg von No-Code- und Low-Code-Plattformen treibt diese Entwicklung voran. Sie demokratisieren die Softwareentwicklung und ermöglichen es fachlichen Anwendern – oft „Business Technologists“ genannt –, Anwendungen zu bauen. In Kombination mit generativer KI reduzieren diese Tools Zeit und Aufwand für komplexe Business-Lösungen erheblich.
Ausblick: Die selbststeuernde Firma
Die Richtung ist vorgezeichnet: Das CRM der nahen Zukunft wird proaktiv sein, nicht reaktiv. Die Ankündigungen zeigen den Abschied von monolithischen Datensilos hin zu flexiblen, intelligenten und handlungsorientierten Plattformen. Unternehmen suchen zunehmend Lösungen, die nicht nur eine „Single Source of Truth“ für Kundendaten bieten, sondern diese Daten auch nutzen, um autonom Effizienz zu steigern, Workflows zu managen und Umsätze zu beschleunigen.
Mit zunehmend fähigen KI-Agenten und mächtigeren No-Code-Plattformen wird die Fähigkeit, ein maßgeschneidertes, KI-gesteuertes CRM zu schaffen, nicht länger Großunternehmen mit riesigen IT-Budgets vorbehalten sein. Diese Demokratisierung der Technologie verspricht erhebliche Produktivitätsgewinne und Wettbewerbsvorteile für Unternehmen jeder Größe – und läutet eine neue Ära des intelligenten, automatisierten Kunden- und Operationsmanagements ein.





