Australien-Ausfall: 15 Jahre alter Server blockierte 45% aller Anrufe

Weltweit kämpfen Behörden und Firmen mit Cyberattacken und veralteter Technik. Ein 15 Jahre alter Server legte Australiens Telekomnetz lahm.

Eine Serie von Systemausfällen und Cyberangriffen hat in den vergangenen Tagen zahlreiche öffentliche Dienstleistungen und Telekommunikationsnetze beeinträchtigt. Von den USA über Australien bis nach Brasilien kämpfen Behörden und Unternehmen mit den Folgen.

Mississippi: Führerscheinstellen wieder im Regelbetrieb

Der Mississippi Driver Service Bureau hat am heutigen Samstag den landesweiten Vollbetrieb wieder aufgenommen. Damit endet eine Woche voller Störungen bei der Ausstellung und Verlängerung von Führerscheinen. Zwar hatten Techniker die zugrundeliegenden Systemprobleme bereits am 15. Juli behoben, doch erst jetzt sind alle physischen Dienststellen wieder durchgängig erreichbar. Die Behörde ruft betroffene Bürger auf, versäumte Termine nachzuholen.

Ransomware-Attacken treffen Kommunen in den USA

In Pennsylvania kämpft der Delaware County noch immer mit den Nachwirkungen eines schweren Cyberangriffs. Der Vorfall, der erstmals am 26. Juni entdeckt wurde, legte Telefonleitungen, Internetzugang und Finanzsoftware komplett lahm. Zwar seien die Kernsysteme bis zum 16. Juli weitgehend wiederhergestellt gewesen, doch bestimmte Funktionen – darunter das Nachlassgericht und die Bibliothekssuchsysteme – blieben bis Ende der Woche beeinträchtigt. Besonders brisant: Bereits 2020 hatten die Behörden nach einem ähnlichen Angriff ein Lösegeld von 500.000 Dollar gezahlt.

Auch andere Gemeinden melden Vorfälle. In Milford, New Hampshire, legte ein Cyberangriff am 15. Juli den Zugang der Stadtverwaltung zu staatlichen Systemen lahm und stoppte die Wasserabrechnung. Bereits im Mai hatte ein Anwohner vor einer ungeschützten Speicherplattform gewarnt. Der Pennington County in South Dakota und der Greene County in Georgia meldeten zeitgleich am 9. Juli Angriffe, die zu vorübergehenden Serverabschaltungen führten. In beiden Fällen beteuern die Behörden, es gebe keine Hinweise auf einen Datenabfluss.

Anzeige

Die zunehmenden Ransomware-Angriffe auf Kommunen und Unternehmen zeigen, wie verwundbar digitale Infrastrukturen sind. Dieses kostenlose E-Book enthüllt, wie Sie Sicherheitslücken schließen und Ihre Firma proaktiv vor Cyberattacken schützen. IT-Sicherheit stärken und Bedrohungen abwenden

Australien: 15 Jahre alter Server legt Netz lahm

Eine nationale Untersuchung hat die Ursache für den massiven Telekomausfall in Australien am 8. Juli ans Licht gebracht: Schuld war ein 15 Jahre altes Serverbauteil. Der Netzwerkzeitprotokoll-Server SSU 2000 setzte während einer Routinewartung sein internes Datum auf das Jahr 2006 zurück – ein Synchronisationsfehler, der rund 45 Prozent aller Anrufe und Datenverbindungen blockierte.

Die Folgen waren dramatisch: 604 Notrufe der Nummer Triple Zero (das australische Pendant zur 112) konnten nicht durchgestellt werden, Bahnnetze und Zahlungssysteme fielen aus. Wie die Anhörung ergab, hatte der Hersteller Microchip Technology Telstra bereits im November 2020 gewarnt, dass der 30.000-Dollar-Server ein Software-Update benötige, um genau diesen Fehler zu verhindern. Telstra-Chefin Vicki Brady entschuldigte sich öffentlich. Zwar sei das Problem am Tag des Ausfalls zwischen 7:11 Uhr und 10:30 Uhr isoliert und behoben worden, doch das Unternehmen hatte ein verfügbares Update aus diesem Jahr nicht eingespielt.

Digitale Umstellungen: Bildung und Verkehr unter Druck

In Mississippi sorgt derweil die Einführung einer neuen digitalen Plattform für Bildungsfinanzierung für Unmut. Seit dem 15. Juli läuft ClassWallet, über das 25 Millionen Dollar für Unterrichtsmaterialien verwaltet werden sollen. Die Umstellung verläuft holprig: Lehrkräfte berichten, dass Schulungen bereits ausgebucht seien und bislang nur fünf Anbieter aus Mississippi auf der Plattform zugelassen sind. Bislang wurden rund 760.000 Dollar über das System abgewickelt.

Anzeige

Ob veraltete Hardware oder gezielte Phishing-Versuche – die Risiken für die Betriebssicherheit sind vielfältig und oft psychologisch motiviert. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Anti-Phishing-Paket, wie Sie Ihr Unternehmen in 4 Schritten effektiv gegen moderne Cyberkriminalität absichern. Kostenlosen Leitfaden zur Hacker-Abwehr anfordern

In Brasilien meldet die Verkehrsbehörde Detran-MS im Bundesstaat Mato Grosso do Sul seit dem 16. Juli immer wieder Verbindungsabbrüche. Grund seien Sicherheitsmechanismen, die bei versuchten Cyberangriffen ausgelöst wurden. Die Probleme bestehen in unterschiedlicher Intensität bereits seit dem 8. Juli. Als Reaktion haben die Behörden die Fristen für die Kfz-Steuer und die Fahrzeugzulassung verlängert.