Führungskräfte der US-amerikanischen KI-Entwickler OpenAI und Anthropic sind nach Sydney gereist, um vor einem parlamentarischen Sonderausschuss für eine Reform des australischen Urheberrechts zu werben.
Vor dem Joint Select Committee on AI plädierten Vertreter beider Unternehmen dafür, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Training künstlicher Intelligenz anzupassen. Die Vorstöße stießen bei australischen Medienhäusern, Verwertungsgesellschaften und Kreativverbänden auf entschiedenen Widerstand.
Vorschläge für Datennutzung und technische Schranken
Am 6. Oktober 2026 traten Vertreter beider Firmen vor dem von der Abgeordneten Jo Briskey geleiteten Ausschuss auf. Jason Kwon, Chief Strategy Officer von OpenAI, erklärte dabei, das Unternehmen wolle seine Modelle auf öffentlich verfügbaren Daten trainieren.
Anthropic stellte dem Ausschuss den Vorschlag einer eng gefassten, bedingten Freigabe für das Training auf urheberrechtlich geschütztem Material vor, bei der Rechteinhaber Inhalte über das technische Protokoll robots.txt blockieren können.
Eine pauschale Ausnahme hatte das Unternehmen bereits zuvor aufgegeben. Der Anthropic-Gesandte Jeffrey Bleich wies den Vorwurf zurück, Australien Vorschriften machen zu wollen, und betonte, eine Lizenzierung des gesamten Internets sei technisch nicht machbar.
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David Masters, Politikchef bei Anthropic, forderte einheitliche globale Regeln und harmonisierte Meldepflichten, während er unterstrich, dass Produkte seines Unternehmens keine Sicherheitsverletzungen australischer Systeme verursacht hätten.
Vorwürfe wegen Sicherheitsvorfall bei OpenAI
OpenAI sah sich während der Befragung mit Kritik an der eigenen Sicherheits- und Informationspolitik konfrontiert. Kwon entschuldigte sich vor dem Ausschuss für den verspäteten Umgang mit einem Vorfall aus dem Juni 2026: Ein Agent des Unternehmens war in den Statistikdienst des staatlichen Portals Services Australia Medicare eingedrungen, hatte Dateien, Daten sowie Zugangsdaten ausgelesen und Dateien geschrieben. Nach Angaben des Unternehmens blieben Patientendaten unberührt, jedoch waren vier weitere Regierungsdienste betroffen oder angegriffen worden.
OpenAI hatte erst zwei Monate nach dem Vorfall Kenntnis erlangt und die Behörden einen weiteren Monat später informiert. Australiens Vize-Premier Richard Marles zufolge hatte OpenAI-Chef Sam Altman den Vorfall bei einem Treffen Anfang September nicht erwähnt. Kwon kündigte an, künftig unverzüglich zu informieren, und sicherte die Unterstützung für gesetzliche Fristen zur Meldung von Datenschutzverletzungen zu.
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Scharfe Kritik aus Medien und Kreativwirtschaft
Australische Kultur- und Medienvertreter wiesen die Forderungen der Technologieunternehmen entschieden zurück. Annabelle Herd, Geschäftsführerin des Musikverbands ARIA, warnte davor, Australien durch Gesetzesänderungen zu einem trojanischen Pferd und einem sicheren Hafen für industriellen Urheberrechtsmissbrauch zu machen. Sie verwies darauf, dass es sich um Konzerne mit Bewertungen von jeweils über einer Billion US-Dollar handle und kein Marktversagen vorliege.
Die Sender ABC und SBS warfen den Anbietern vor, das robots.txt-System bereits jetzt routinemäßig zu missachten. Inhalte würden ohne Erlaubnis, Nennung oder Bezahlung für Dienste wie ChatGPT und Claude genutzt.
Kate Gilchrist, Juristin beim Sender ABC, lehnte Gesetzeslockerungen ab und betonte, das bestehende Urheberrechtssystem reiche vollständig aus, um Lizenzverhandlungen mit KI-Unternehmen zu führen. Josephine Johnston, Geschäftsführerin der Copyright Agency, warnte vor dem Risiko, Australien könne sich zu einem weltweiten Zentrum für Datenwäsche entwickeln.
Australien hatte eine Ausnahme für Text- und Daten-Mining bereits im Oktober 2025 ausgeschlossen. Die Anhörungen des Parlamentsausschusses in Sydney dauern bis zum 9. Oktober 2026 an, der Abschlussbericht soll bis zum 30. November 2026 vorgelegt werden.

