Im ersten Halbjahr 2026 stammten bereits 33 bis 38 Prozent der Umsätze aus diesem Kanal – ein deutlicher Sprung gegenüber den 25 bis 30 Prozent in den Vorperioden.
KI-Suche frisst Traffic
Der Auslöser für den Strategiewechsel ist klar: Seit Googles Einführung von KI-Übersichten („AI Overviews“) im Herbst 2025 brechen die Besucherzahlen vieler Onlineshops ein. Zwischen Oktober 2025 und Mai 2026 sanken die Klickraten auf E-Commerce-Kategorieseiten um durchschnittlich 23 Prozent, wie Daten von Conductor zeigen. Bei hochintensiven Produktsuchen verzeichneten Händler sogar Einbußen von 15 bis 35 Prozent bei den organischen Sitzungen.
Hinzu kommen explodierende Werbekosten: Die Klickpreise bei Google Shopping stiegen bis Mai 2026 um 19 Prozent im Jahresvergleich. Kein Wunder also, dass Marken verstärkt auf eigene Kanäle setzen – allen voran E-Mail.
Neue Sicherheitslücken bedrohen den Kanal
Doch mit der wachsenden Bedeutung steigen auch die Risiken. Am 25. Juni 2026 enthüllte Microsoft eine neue Angriffsmethode namens „Authentication Laundering“. Dabei nutzen Kriminelle legitime Drittanbieter-Dienste, um schädliche Inhalte zu versenden. Die Phishing-Mails passieren dabei sämtliche Sicherheitschecks wie SPF, DKIM und DMARC.
Eine seit April 2026 aktive Kampagne zielt auf Hotels in Europa und Asien ab. Die Angreifer verwendeten legitime Calendly-Konten über SendGrid, um Phishing-Links zu verteilen. Über eine vierstufige Kette gelangten die Opfer schließlich zu einer Cloudflare-gehosteten Domain und einer ZIP-Datei mit einem Schadprogramm.
Bereits Anfang des Jahres hatte Cisco Talos auf ähnliche „Platform-as-a-Proxy“-Missbräuche aufmerksam gemacht – etwa auf GitHub und Jira, wo missbrauchte E-Mail-Konten im Februar 2026 zeitweise 2,89 Prozent des Plattform-Volumens ausmachten.
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Technische Hürden für Absender
Wer heute mehr als 5.000 E-Mails pro Tag versendet, muss strenge Auflagen erfüllen. SPF, DKIM und DMARC sind Pflicht – eine Vorgabe, die Google und Yahoo bereits Anfang 2024 eingeführt haben. Die Messlatte liegt hoch: Eine gute Zustellrate bewegt sich zwischen 90 und 95 Prozent. Alles unter 85 Prozent gilt als Warnsignal.
Die Realität sieht je nach Anbieter unterschiedlich aus. Laut Validity-Daten aus dem Jahr 2025 erreicht Yahoo/AOL im Schnitt 90 Prozent Zustellrate, Gmail kommt auf 87 Prozent. Schlusslicht ist Microsoft mit nur 75 Prozent. Der globale Durchschnitt liegt bei 83,5 Prozent.
Erfolgreiche Versender halten ihre Spam-Beschwerden unter 0,1 Prozent und die sogenannten Hard Bounces unter 1 Prozent. Wer diese Werte reißt, riskiert, im Postfach der Empfänger gar nicht erst anzukommen.
KI erobert die E-Mail-Welt
Die Integration künstlicher Intelligenz in das E-Mail-Management schreitet rasant voran – sowohl bei der Inhaltserstellung als auch bei der Sicherheit. Am 23. Juni 2026 gaben Cloudflare und der Newsletter-Dienst beehiiv eine Partnerschaft bekannt. Mit „AI Crawl Control“ können Autoren künftig steuern, wie KI-Modelle mit ihren Inhalten interagieren.
Die E-Mail-Plattform Superhuman wiederum übernahm GPTZero, um KI-Erkennung direkt in eingehende Nachrichten zu integrieren. Metriken wie „Perplexity“ und „Burstiness“ sollen helfen, KI-generierte Inhalte zu identifizieren.
Auch große Einzelhändler rüsten auf. Gap – mit Marken wie Old Navy und Athleta – arbeitet mit Google Cloud und Zeta Global zusammen. Generative Modelle automatisieren die visuelle Content-Erstellung für eigene Kanäle. Ziel ist eine einheitliche KI-Datenbasis.
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Wettlauf um die besten Partner
Der steigende Wert des E-Mail-Kanals heizt den Wettbewerb zwischen den Dienstleistern an. Seit dem ersten Quartal 2026 wirbt Attentive gezielt Top-Agenturpartner von Konkurrent Klaviyo ab. Das Lockmittel: wiederkehrende Provisionen von 20 bis 25 Prozent – deutlich über den branchenüblichen 15 bis 20 Prozent.
Hinzu kommen Unterstützungspakete für die Migration und Co-Marketing-Gelder. Voraussetzung: Die Agenturen verpflichten sich, innerhalb von zwölf Monaten mindestens fünf Kunden zu wechseln. Klaviyo hat zwar mit rund 160.000 Konten die Nase vorn, Attentive kommt auf geschätzte 5.000 bis 8.000 Accounts – und holt auf.

