Gleich mehrere Technologiekonzerne, darunter Google, Zoom und ZoomInfo, haben am Montag neue Plattformen vorgestellt, die komplexe Geschäftsprozesse automatisieren sollen. Statt passiver Assistenz versprechen die Systeme autonome Agenten, die eigenständig Arbeitsabläufe über verschiedene Software-Umgebungen hinweg ausführen.
Google und Zoom setzen auf autonome Helfer
Mit Gemini Enterprise bietet Google ab sofort eine Plattform für Unternehmen, um KI-Agenten in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Personalwesen und Finanzen zu entwickeln. Das System arbeitet mit Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce und SAP zusammen. Zu den ersten Kunden zählen Figma, Klarna, die Macquarie Bank und Virgin Voyages. Der Preis liegt bei umgerechnet rund 28 Euro pro Nutzer und Monat.
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Parallel dazu hat Google seine Kern-Suchmaschine vollständig auf das Modell Gemini 3.5 Flash umgestellt. Die Neuerung bringt „Informationsagenten“ für Hintergrundaufgaben und KI-zusammengefasste Suchergebnisse mit sich. Für Verbraucher ist zudem der Gemini Spark Agent verfügbar – erstmals vorgestellt auf der Google I/O 2026. Er kostet im AI Ultra Plan rund 93 Euro monatlich. Erste Tests zeigen: Der Agent kann selbstständig Kontaktdaten und Budgetinformationen finden, um personalisierte Korrespondenz zu verfassen. Bei komplexen Planungsaufgaben gibt es allerdings noch Schwächen.
Auch Zoom zieht nach: Mit ZoomMate launchte der Videokonferenz-Dienst eine Schnittstelle, die Gesprächskontext aus Meetings mit Suchfunktionen und Workflow-Ausführungen in Drittanbieter-Apps wie Jira, ServiceNow und Slack verbindet. Verfügbar ist das Tool zunächst in Nordamerika für umgerechnet rund 18 Euro pro Nutzer und Monat. Ergänzend brachte Zoom eine AI Productivity Suite auf den Markt, die Präsentationen, Dokumente und Tabellen automatisch aus Meeting-Daten generiert.
ZoomInfo und Spezialanbieter für Go-to-Market
Im Bereich der Vertriebsdaten hat ZoomInfo mit GTM.AI eine sogenannte „headless“ Kontextschicht vorgestellt. Über eine API und das Model Context Protocol (MCP) verbindet sie KI-Assistenten wie Claude, ChatGPT und Microsoft Copilot mit verifizierten B2B-Daten. Das zugrundeliegende GTM Context Graph enthält Daten zu 100 Millionen Unternehmen und 500 Millionen Kontakten.
Weitere Spezialanbieter zogen nach:
- Gainsight präsentierte am Dienstag einen KI-nativen Service für Software-Verlängerungen. Das Modell setzt auf „Renewal Pods“, die KI-Agenten mit menschlichen Managern kombinieren, um Kundenbindungen zu sichern.
- Optimove veröffentlichte seine KI-Plattform, die Marketing-Tools mit externen Modellen wie Claude und ChatGPT verbindet. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Laut Gartner investieren Chief Marketing Officers bereits 15,3 Prozent ihrer Budgets in KI – obwohl nur 30 Prozent eine ausgereifte KI-Bereitschaft melden.
- airfocus by Lucid brachte ein neues „Product OS“ auf den Markt, das einen Insights Agent zur Analyse von Kundenfeedback und einen MCP-Server zur Anbindung verschiedener Sprachmodelle enthält.
Sicherheit und Infrastruktur im Fokus
Mit den autonomen Agenten wächst auch der Bedarf an Kontrollmechanismen. Merge API hat den Agent Handler for Employees vorgestellt – eine Art IT-Pforte, die Datenverlust-Prävention (DLP) und Protokollierungsfunktionen für von Mitarbeitern eingesetzte KI-Agenten bereitstellt. Besonders relevant ist das für regulierte Branchen wie Gesundheitswesen und Finanzen.
Im Infrastrukturbereich kündigte Itential die allgemeine Verfügbarkeit von FlowAI an. Die Plattform erlaubt Unternehmen, sogenannte „FlowAgents“ für den Betrieb ihrer IT-Infrastruktur zu bauen. Der Netzbetreiber Lumen setzt die Technologie bereits für produktionsreife Agenten ein.
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Milliarden-Investments und Rekordzahlen
Die Dynamik im Bereich der agentischen KI zeigt sich auch in der Finanzierung. Cognition AI sicherte sich im Mai 2026 eine Serie-D-Finanzierung in Höhe von einer Milliarde Euro – bei einer Bewertung von rund 24 Milliarden Euro. Das Unternehmen meldet, dass sein Programmier-Agent Devin inzwischen 89 Prozent des eigenen internen Codes schreibt. Der annualisierte Umsatz liegt bei rund 460 Millionen Euro. Zu den Kunden zählen Goldman Sachs, Microsoft und Cisco.
Im Gesundheitssektor erweiterte Tempus AI seine Agenten-Plattform Lens. Das System, das von 19 der 20 größten Pharmaunternehmen genutzt wird, bietet nun spezialisierte KI-Agenten für die Onkologie-Wirkstoffentwicklung und die Durchführung kundenspezifischer Forschungsaufträge.

