Die Branche für autonomes Fahren definiert ihre Strategien neu. Während Tesla und Mercedes auf verbesserte Assistenzsysteme für Privatfahrzeuge setzen, treiben Waymo und XPENG mit Milliardeninvestitionen die Entwicklung fahrerloser Robotaxis voran.
Tesla stellt auf Abo-Modell um und startet Cybercab-Produktion
Tesla ändert sein Geschäftsmodell in Schlüsselmärkten. In Australien und Neuseeland wird die „Full Self-Driving“-Funktion ab dem 1. April 2026 nicht mehr als einmaliger Kauf angeboten. Statt rund 6.000 Euro für eine lebenslange Lizenz zahlen Kunden künftig 90 Euro monatlich. Der Schritt soll die Einstiegshürde senken und stabile Miet-Einnahmen generieren.
Parallel rollt in der Gigafactory Texas das erste „Cybercab“ vom Band. Das Robotaxi ohne Lenkrad ist ein konkreter Schritt in Richtung einer autonomen Flotte. Die Serienproduktion soll im Frühjahr anlaufen.
Mercedes-Benz setzt auf „Level 2++“ statt Level 3
Mercedes-Benz passt seine US-Strategie an. Für die überarbeitete S-Klasse 2026 verzichtet der Stuttgarter Autobauer dort auf das hochautomatisierte Level-3-System „Drive Pilot“. Stattdessen konzentriert man sich auf ein erweitertes Assistenzsystem: „MB.Drive Assist Pro“, intern als „Level 2++“ bezeichnet.
Der Grund? Die hohen Hardwarekosten und der begrenzte Einsatzbereich von Level 3 – nur auf bestimmten Autobahnen bei unter 65 km/h – erschwerten den Markterfolg. Das neue System soll dagegen auch in Städten funktionieren, verlangt aber ständige Aufmerksamkeit des Fahrers. Eine pragmatische Antwort auf Kundenwünsche nach breiter nutzbarer Technik.
XPENG demonstriert KI-Fähigkeiten für UN-Gremium
Der chinesische Hersteller XPENG positioniert sich als Technologieführer. Vor Vertretern einer UN-Arbeitsgruppe für automatisiertes Fahren demonstrierte das Unternehmen in Shanghai seine KI-gesteuerten Systeme. Im Fokus stand die neue „VLA 2.0“-Architektur, die komplexe Stadtszenarien meistern soll.
XPENG testet bereits Level-4-Funktionen am kommenden Flaggschiff-SUV „GX“. Ausgestattet mit hauseigenen „Turing“-KI-Chips, soll das Fahrzeug noch 2026 für Robotaxi-Versuche eingesetzt werden. Ein klarer Schritt, um mit reinen Mobilitätsdienstleistern zu konkurrieren.
Während Hersteller wie XPENG und Waymo KI für fahrerlose Dienste vorantreiben, gelten in der EU seit 2024 neue Regeln für KI-Systeme – mit Pflichten zu Kennzeichnung, Risikoklassifizierung und Dokumentation. Wer autonome Funktionen entwickelt oder betreibt, sollte jetzt wissen, welche Anforderungen gelten und welche Fristen drohen. Ein kompakter Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, was Unternehmen jetzt tun müssen. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen
Waymo sichert sich 16 Milliarden Euro für weltweite Expansion
Waymo geht in die Offensive. Das Alphabet-Tochterunternehmen sammelte Anfang Februar eine Rekordsumme von rund 16 Milliarden Euro ein. Bei einer Bewertung von etwa 120 Milliarden Euro plant der Robotaxi-Pionier eine aggressive Expansion.
Bis Ende 2026 will Waymo in über 20 neuen Städten starten, darunter erstmals international in Tokio und London. Das Unternehmen setzt auf seine Sicherheitsbilanz – weniger unfallbedingte Verletzungen als menschliche Fahrer – um seinen kommerziellen, fahrerlosen Dienst zu skalieren. Ein Kontrast zur vorsichtigen Strategie anderer Hersteller.
Analyse: Zwei Wege führen in die autonome Zukunft
Die Entwicklungen zeigen eine klare Trennung in der Branche. Auf der einen Seite stehen Unternehmen wie Waymo und XPENG. Sie investieren Milliarden in dedizierte Hardware für fahrerlose Mobilität der Stufe 4.
Auf der anderen Seite konvergieren Autohersteller wie Mercedes-Benz und Tesla bei erweiterten Level-2-Systemen. Diese verbessern das private Fahrerlebnis, umgehen aber die Haftungs- und Zulassungsfragen der Vollautonomie.
Eine aktuelle Barclays-Studie „Das Jahrzehnt der Roboter“ prognostiziert zwar einen trillionenschweren Boom autonomer Fahrzeuge bis 2035. Die aktuellen Strategiewechsel zeigen jedoch: Der Weg dorthin wird pragmatischer. Die Industrie setzt auf Technologien, die Verbrauchern heute einen spürbaren Nutzen bringen – nicht auf theoretisch überlegene, aber praktisch eingeschränkte Systeme.
Der Erfolg von Teslas Abo-Modell und Waymos internationaler Expansion werden 2026 wichtige Indikatoren für die Akzeptanz der Technologie sein.





