Die Augmented World Expo (AWE) in Long Beach zeigt, wohin die Reise bei smarter Hardware geht – weg vom Smartphone, hin zur Brille.
Vom 16. bis 18. Juni präsentieren führende Unternehmen auf der Messe ihre neuesten Entwicklungen. Im Mittelpunkt stehen eigenständige Ambient-Computer und neue Standards für räumliches Browsen. Künstliche Intelligenz und Eye-Tracking sollen das mobile Computing endgültig hinter sich lassen.
Hardware-Innovationen für die Ambient-Intelligence-Ära
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Raven Resonance hat mit dem Raven Prism einen ersten echten Ambient-Computer im Brillenformat vorgestellt. Das Gerät läuft eigenständig auf Linux-Basis und nutzt ein Vollfarb-LCoS-Wellenleiter-Display. Gesteuert wird es per Blickrichtung und Sprachbefehle.
Ein besonderes Highlight: Die Raven Wing-Akkus sind heiß wechselbar und sollen eine Nutzung über den ganzen Tag ermöglichen – ein entscheidender Faktor für den Alltagseinsatz. Das Unternehmen betont zudem hardwaregestützte Datenschutzfunktionen. Der kommerzielle Start ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Ganzin Technology zog am 15. Juni mit Neuerungen im Aurora-Ökosystem nach. Gemeinsam mit Jorjin Technologies präsentierte das Unternehmen das Referenzdesign J9 AI Glasses. Herzstück ist die Aurora IIE-Plattform, eine extrem stromsparende Eye-Tracking-Lösung mit dem EPU2-ASIC. Sie arbeitet mit 120 Hertz und verbraucht deutlich weniger Energie als herkömmliche NPU-basierte Systeme.
Mit dem Gaze2AI 2.0-Framework stellte Ganzin zudem eine neue Software vor, die Infrarot-Beleuchtung von ams OSRAM nutzt, um Sprach- und Blicksteuerung präzise zu kombinieren.
Neue Infrastruktur für das räumliche Internet
Der Trend zum Spatial Computing erfordert auch neue Software-Standards. RP1 und das Metaverse Standards Forum haben am 15. Juni Sneeze vorgestellt – eine Open-Source-Browser-Engine speziell für das Metaverse. Die Engine steht unter der Apache-2.0-Lizenz und führt ein Scene Object Model (SOM) ein. Dieses ermöglicht die Verwaltung von 3D-Szenen aus mehreren Quellen gleichzeitig.
Sneeze bietet proximity-basierte Diensterkennung und Echtzeit-Kopräsenz-Funktionen. Nutzer können so in gemeinsamen digitalen Umgebungen interagieren. Zur Sicherheit setzt die Engine auf WASM-Sandboxing pro Dienst. RP1 arbeitet bereits am ersten nativen Metaverse-Browser auf Basis dieser Technologie.
Marktausblick und technische Hürden
Die Entwicklungen auf der AWE fallen in eine Phase massiven Wachstums. Marktforscher erwarten, dass der globale Markt für Ambient Intelligence bis 2030 auf umgerechnet rund 126,9 Milliarden Euro wächst – das entspricht einer jährlichen Steigerung von 27,3 Prozent. Treiber sind intelligente Gebäudetechnik, Gesundheitssysteme und Affective Computing.
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Doch die Branche kämpft mit technischen Herausforderungen. Besonders die Speicherbeständigkeit und Energieeffizienz bereiten Kopfzerbrechen. Aktuelle MRAM-Speicher in Wearables schaffen zwischen 10⁶ und 10⁸ Schreibzyklen. Für datenintensive Anwendungen wären jedoch bis zu 10¹⁵ Zyklen nötig. Ingenieure arbeiten an optimierten Zellstrukturen und spannungsgesteuerter magnetischer Anisotropie, um die Degradation durch thermische und mechanische Belastung zu reduzieren.
Im Gesundheitssektor forschen Teams unter anderem des Beijing Institute of Technology und des Imperial College London an selbstversorgenden intelligenten Wearables. Weltweit werden jährlich über zwei Milliarden Wearables ausgeliefert. Der Fokus liegt auf Energy Harvesting – also thermoelektrischen und photovoltaischen Systemen –, um KI-Berechnungen direkt am Gerät mit Mikrowatt-Budgets zu ermöglichen. Allein der Markt für implantierbare medizinische Geräte soll bis 2030 auf über 150 Milliarden Euro wachsen.
Die Dynamik der Branche zeigt sich auch in Personalentscheidungen: Plaud.ai – das Unternehmen meldet einen Umsatz-Run-Rate von umgerechnet rund 250 Millionen Euro und über 1,5 Millionen Nutzer seit 2023 – sucht in San Francisco nach neuer Design-Führung. Gesucht werden Köpfe, die die nächsten Formfaktoren und Interaktionsmodelle für die Ära der KI-Wearables definieren.

