AWS Agentic Shopping Assistant: KI-Berater in 60 Tagen einsatzbereit

Amazon Web Services bringt eine KI-Plattform für Händler. Erste Tests zeigen deutlich höhere Konversionsraten als klassische Suchen.

Amazon Web Services (AWS) hat am Mittwoch den Agentic Shopping Assistant vorgestellt – eine Plattform, mit der Händler eigene KI-gesteuerte Einkaufsberater entwickeln können. Die Technologie basiert auf dem System, das auch Amazons Sprachassistentin Alexa antreibt.

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Ready-to-Deploy in 60 Tagen

Der neue Dienst ist keine bloße Ankündigung. AWS liefert eine komplette Lösung mit Architektur, Quellcode und Experten-Support. Händler können den Assistenten innerhalb von rund 60 Tagen einsatzbereit machen. Grundlage sind Amazons Cloud-Dienste Bedrock, AgentCore und OpenSearch.

Die Zahlen, die AWS aus dem eigenen Haus nennt, sind beeindruckend: Interaktive Shopping-Sessions erzielen eine 3,5-mal höhere Konversionsrate als klassische Keyword-Suchen. Mehr als 300 Millionen Kunden nutzten im vergangenen Jahr Amazons eigenen KI-Assistenten – und bescherten dem Konzern damit rund 12 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz.

Kate Spade macht den Anfang

Die Modemarke Kate Spade (zum Tapestry-Konzern gehörend) ist der erste externe Händler, der die Technologie einsetzt. Seit April 2024 betreibt sie den „Kate Spade AI Gift Concierge“ – einen Geschenkeberater, der auf dem KI-Modell Haiku 4.5 von Anthropic läuft.

Der Fokus liegt auf einem echten Problem: Rund 53 Prozent der Käufer fühlen sich beim Geschenkekauf gestresst. Der KI-Assistent soll die Auswahl erleichtern und personalisierte Vorschläge liefern. Kein Wunder also, dass Tapestry hier auf Nummer sicher geht.

Visa und OpenAI treiben autonomes Bezahlen voran

Doch AWS ist nicht allein. Am selben Tag kündigte Visa die Integration seines Zahlungsnetzwerks in ChatGPT an. Künftig können KI-Agenten eigenständig Transaktionen durchführen – bei jedem Händler, der Visa akzeptiert. Sicherheitsmechanismen wie Ausgabelimits und Betrugsüberwachung sind integriert. OpenAI liefert die Technologie für die Agenten-Interaktion.

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Bemerkenswert: OpenAI hatte bereits einen ähnlichen Vorstoß namens „Instant Checkout“ gestartet, diesen aber im März 2026 wieder eingestellt. Der neue Anlauf kommt nun mit Visas Netzwerk – ein entscheidender Unterschied.

Weitere Player drängen in den Markt

Die Konkurrenz schläft nicht. Gleich mehrere Unternehmen stellten neue Plattformen für den „agentic commerce“ vor:

  • Athos Commerce präsentierte auf der Shoptalk Europe eine Plattform mit drei spezialisierten KI-Agenten für Beratung, Suche und Social Media.
  • commercetools launchte die Sphere-Plattform und eine neue Kategorie „Autonomous Commerce“ – mit Fokus auf API-first-Lösungen für Preise, Lagerbestände und B2B-Einkauf.
  • Albert Heijn, die niederländische Supermarktkette, rüstete ihre App mit dem KI-Assistenten Steijn aus. Nutzer können nun direkt aus Social-Media-Videos Einkaufslisten erstellen.

Verbraucher sind bereit – zumindest in der Theorie

Die Akzeptanz scheint da zu sein. Die Accenture Consumer Pulse Research 2026 befragte über 25.000 Verbraucher in 16 Ländern. Ergebnis: 63 Prozent wünschen sich KI-Agenten, die ihnen helfen, persönliche Ziele wie Budgets einzuhalten. Und 74 Prozent würden einem KI-Assistenten bei Einkäufen mehr vertrauen als ihrem besten Freund.

Eine Studie von Sopra Steria schätzt, dass agentische KI innerhalb der nächsten zehn Jahre 310 Milliarden Euro an europäischen E-Commerce-Transaktionen abwickeln könnte. Die höchste Bekanntheit haben die Tools demnach in den Niederlanden und Norwegen. 45 Prozent der Befragten würden Elektronik- und Technologiekäufe komplett an KI delegieren.

Die Frage ist nur: Wann kommt der erste deutsche Händler, der den Schritt wagt?