Die Cloud-Computing-Sparte von Amazon verzeichnet einen beispiellosen Ansturm auf ihre Rechenzentren. Wegen der enormen Nachfrage nach Rechenressourcen für Künstliche Intelligenz ist die Kapazität von Amazon Web Services (AWS) für das Jahr 2026 bereits vollständig verkauft. Zudem seien die Kapazitäten bis 2027 weitgehend ausgebucht und erhebliche Teile bereits bis 2028 vergeben, wie Amazon-Vorstandschef Andy Jassy mitteilte.
Jassy äußerte sich am 23.10.2026 in einem Videopodcast des Wagniskapitalunternehmens Andreessen Horowitz im Gespräch mit Ben Horowitz und Erik Torenberg. Die Nachfrage seitens spezialisierter KI-Labors und Unternehmen übersteige den Ausbau der eigenen Infrastruktur derzeit deutlich. Der Konzernchef sprach in diesem Zusammenhang von einem unersättlichen Bedarf an KI-Infrastruktur. AWS gilt weltweit als Marktführer bei Cloud-Diensten.
Trotz der massiven Auslastung bleibe ein gewisser Anteil der Kapazitäten für On-Demand-Dienste sowie die Plattformen Bedrock und EC2 reserviert. Jassy beschrieb die aktuelle Struktur der KI-Nachfrage bildhaft als Hantel: Auf der einen Seite gebe es ein extrem starkes Interesse bei KI-Forschungslabors und bei spezifischen Unternehmensaufgaben, während der breite Mittelmarkt bislang kaum erschlossen sei.
Zudem sei die sogenannte KI-Inferenz für eine flächendeckende Nutzung noch eine Größenordnung zu teuer und müsse künftig rund zehnmal günstiger werden.
Wer sich mit dem Einsatz moderner KI-Systeme befasst, muss neben der technischen Infrastruktur auch die rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle Pflichten und Fristen der aktuellen EU-Gesetzgebung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Eigene Halbleiter und weltweiter Infrastrukturausbau
Laut früheren Angaben hatte Amazon für 2026 Investitionsausgaben (Capex) von rund 220 Mrd. US-Dollar vorgesehen. Angesichts der Auftragslage erklärte Jassy nun, das Unternehmen könne deutlich mehr investieren und höhere Ausgaben seien gerechtfertigt. Sollte sich die Nachfrage unerwartet abschwächen, ließen sich die Ausgaben für Server und Netzwerkhardware kurzfristiger anpassen als die langfristigen Bauprojekte für Datencenter.
Einen wichtigen Pfeiler der Strategie bilden hauseigene Halbleiter. Die Übernahme von Annapurna Labs vor etwa einem Jahrzehnt bezeichnete Jassy als möglicherweise beste Akquisition in der Geschichte von Amazon. Das Unternehmen entwickelte unter anderem die Server-CPU Graviton sowie die KI-Spezialchips der Trainium-Reihe.
Diese Trainium-Prozessoren bieten laut Jassy ein 30–40% besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als vergleichbare Modelle auf dem Markt. Für Trainium bestehen bereits künftige Umsatzverpflichtungen von über 225 Mrd. US-Dollar, darunter Vereinbarungen mit Branchengrößen wie Anthropic und OpenAI.
Die rasante Entwicklung bei KI-Systemen stellt Unternehmen nicht nur vor technologische, sondern auch vor neue regulatorische Herausforderungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und welche konkreten Dokumentationspflichten jetzt auf Sie zukommen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Parallel dazu treibt Amazon den physischen Ausbau der Standorte voran. Gemeinsam mit der SK Group entsteht im südkoreanischen Ulsan ein neues KI-Rechenzentrum mit einer Leistung von 100 Megawatt (MW), dessen Betrieb stufenweise ab der zweiten Jahreshälfte 2027 anlaufen soll.
Am Kapitalmarkt richten sich die Blicke nun auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal, die für den 29.10. angesetzt ist. Auf der Prognoseplattform Kalshi bezifferten Händler die Wahrscheinlichkeit, dass die Trainium-Chips bei der Ergebnisvorlage thematisiert werden, auf 96%.
Für die Erwähnung der Plattform Bedrock sahen die Akteure eine Wahrscheinlichkeit von 95%, während ein möglicher Stellenabbau lediglich mit 15% Wahrscheinlichkeit gehandelt wurde.

