Im Zentrum steht der Vorwurf, der Konzern schränke durch seine Geschäftspraktiken den Wettbewerb bei Browsern ein. Auslöser ist eine Beschwerde der Browser Choice Alliance (BCA), die Microsoft vorwirft, seine marktbeherrschende Stellung bei Betriebssystemen und Bürosoftware zu missbrauchen, um den hauseigenen Edge-Browser zu bevorzugen.
Der Vorwurf: Systematische Lenkung zu Edge
Die BCA behauptet, Microsoft nutze die weite Verbreitung von Windows und Microsoft 365, um sowohl Unternehmens- als auch Privatkunden gezielt zu Edge zu führen. Besonders brisant: Die laufende Umstellung auf Windows 11. Da der Support für Windows 10 im Oktober 2025 ausläuft, sind zahlreiche Organisationen derzeit beim Systemwechsel – eine Gelegenheit, die Microsoft laut BCA nutzt, um Edge weiter zu verankern.
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Die Allianz sieht darin auch Gefahren für den aufkommenden KI-Wettbewerb. Eine Browser-Dominanz könne Microsoft einen unfairen Vorteil im Bereich der künstlichen Intelligenz verschaffen.
Italien prüft Microsoft-365-Preise
Parallel dazu erhöht sich der regulatorische Druck auf Microsoft in ganz Europa. Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat am heutigen Freitag ein formelles Verfahren zu den Preispraktiken von Microsoft 365 eingeleitet. Die Italiener prüfen, ob das Unternehmen irreführendes Marketing oder unfaire Methoden einsetzt, um Preiserhöhungen im Zusammenhang mit KI-Tools wie Copilot und Designer durchzusetzen.
Konkret untersuchen die Behörden Berichte, wonach Verbraucher automatisch auf teurere Abonnementmodelle umgestellt wurden – ohne ausreichende Information oder die klare Möglichkeit, dies abzulehnen.
EU-Kommission: Azure und AWS als Gatekeeper?
In Brüssel hat die Europäische Kommission am Donnerstag eine vorläufige Einschätzung veröffentlicht: Demnach sollen Microsofts Azure und Amazons AWS als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act (DMA) eingestuft werden. Der Schritt folgt auf eine Untersuchung, die im November 2025 eingeleitet wurde.
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Die europäischen Regulierer stellten fest, dass Azure und AWS gemeinsam mehr als 60 Prozent des regionalen Cloud-Marktes kontrollieren. Sollte die Gatekeeper-Einstufung noch 2026 finalisiert werden, müssten beide Unternehmen strengere Auflagen erfüllen – etwa bei Datenportabilität, Interoperabilität und dem Abbau von Wechselgebühren, die Kunden an bestimmte Ökosysteme binden.
Produktintegration und regionale Unterschiede
Die regulatorischen Prüfungen fallen in eine Zeit rasanter KI-Integration bei Microsoft. Zwischen Mitte Juni und Mitte Juli 2026 soll Copilot auf Windows-11-Geschäftskonten per Office-Update neu installiert werden. Nutzer in der Europäischen Union sind von dieser speziellen Aktion ausgenommen – eine Entscheidung, die offenbar den laufenden Compliance-Anforderungen regionaler Wettbewerbsgesetze geschuldet ist.
Am Donnerstag erweiterte Microsoft zudem die Fähigkeiten seiner Produktivitätssuite: Copilot in Excel erhielt Finanzdaten-Connectoren und wiederverwendbare Skills. Während der Konzern seine Software weiter aufrüstet, richten Analysten und Regulierer den Blick zunehmend auf die Frage, ob die Bündelung dieser KI-Funktionen mit Kernsoftware die Wahlfreiheit der Verbraucher einschränkt und den Wettbewerb unabhängiger Anbieter behindert.

