Europäische und nordamerikanische Finanzinstitute schalten in die Offensive: Mit Echtzeit-Datenaustausch und künstlicher Intelligenz wollen sie der wachsenden Bedrohung durch immer raffiniertere Betrugsmethoden Herr werden.
Spaniens Banken gründen gemeinsame Abwehrplattform
Am Montag ging in Spanien ein neues Bündnis an den Start: FrauDfense Check, ein Gemeinschaftsprojekt der drei Großbanken BBVA, Santander und CaixaBank. Die Plattform ermöglicht den sicheren Austausch von Informationen zwischen Geldhäusern, um betrügerische Transaktionen frühzeitig zu erkennen. Zwar von den drei Branchenriesen gegründet, steht der Dienst dem gesamten spanischen Finanzsektor offen.
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Der Einführung ging ein einjähriges Pilotprojekt voraus. Teilnehmende Institute konnten damit bereits Betrugsfälle im Wert von mehreren Millionen Euro verhindern. Die Plattform soll den Banken zudem helfen, die Anforderungen der kommenden EU-Zahlungsdiensteverordnung (PSR) zu erfüllen. Ein cleverer Schachzug – denn die neuen Regeln stellen hohe Hürden an die Betrugsprävention.
US-Behörde ebnet Weg für mehr Zusammenarbeit
Parallel dazu hat das US-Finanzministerium mit seiner Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität (FinCEN) neue Leitlinien veröffentlicht. Die Botschaft ist klar: Banken dürfen künftig noch enger kooperieren. Die Behörde stellte klar, dass Institute beim Austausch von Informationen über verdächtige Betrugsfälle unter den „Safe Harbor“-Bestimmungen des Patriot Act geschützt sind – ein rechtlicher Freibrief für mehr Transparenz untereinander.
Finanzminister Scott Bessent betonte die Notwendigkeit eines raschen Informationsflusses, um betrügerische Transaktionen zu unterbrechen. Die aktualisierte Richtlinie erlaubt explizit den Austausch konkreter Datenpunkte – darunter IP-Adressen, Videoüberwachungsaufnahmen und Echtzeit-Transaktionswarnungen. Der Druck ist enorm: Aktuellen Branchendaten zufolge entfallen geschätzte 71 Prozent aller Betrugsverluste auf nicht autorisierte Transaktionen.
Die KI-Revolution der Betrüger – und der Abwehr
Die Branche stellt sich zudem auf eine neue Generation von Bedrohungen ein. Künstliche Intelligenz, insbesondere generative Modelle, beschleunigt die Entdeckung von Sicherheitslücken in Softwaresystemen rasant. Das Bank Policy Institute (BPI) veröffentlichte am Montag einen Leitfaden für Aufsichtsräte, der bewertet, wie gut Unternehmen gegen KI-gestützte Angriffe gewappnet sind. Besonders im Fokus: sogenannte Frontier-Modelle wie Anthropics Mythos oder OpenAIs GPT 5.5-Cyber, die Schwachstellen in Programmen schneller aufspüren als jede bisherige Technologie.
Einige Institute haben bereits eindrucksvolle Erfolge vorzuweisen. Visa meldete, dass seine Betrugsbekämpfungseinheit seit ihrer Gründung vor zwei Jahren mehr als 2,6 Milliarden Euro (umgerechnet) an betrügerischen Aktivitäten aufgedeckt hat. Allein seit Oktober 2025 kamen 1,6 Milliarden Euro hinzu. Eine Untersuchung eines umfangreichen Umfrage-Betrugsnetzwerks förderte ein koordiniertes System mit rund 1.000 beteiligten Händlern zutage.
In den USA setzt die Bank of America auf Aufklärung: Bis Ende 2026 will das Institut 2.500 persönliche „Scaminars“ durchführen, um Verbraucher über digitale Betrugsmethoden zu informieren. Gleichzeitig überwachen mehr als 50 KI-basierte Erkennungsmodelle die Konten der Kunden.
Internationale Maßnahmen: Verzögerung als Waffe
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Auch Regulierungsbehörden weltweit reagieren. Die indische Zentralbank (RBI) schlug am Montag vor, bei digitalen Zahlungen über umgerechnet etwa 110 Euro eine einstündige Verzögerung einzuführen. Hintergrund ist ein dramatischer Anstieg des Betrugs bei digitalen Transaktionen, der 2025 ein Gesamtvolumen von umgerechnet rund 250 Milliarden Euro erreichte.
Andernorts zeigen kooperative Ansätze bereits messbare Erfolge:
* Neuseeland: Banken, die die „Fraud Intelligence Exchange“-Technologie nutzen, konnten gestohlene Gelder in Höhe von umgerechnet rund 9 Millionen Euro zurückholen.
* Großbritannien: UK Finance meldete Betrugsverluste von fast 1,5 Milliarden Euro für 2025. Die Banken fordern zunehmend strengere Regeln für Technologieplattformen, um Betrug an der Quelle zu unterbinden.
* Australien: Die Commonwealth Bank of Australia führte am Dienstag Gespräche mit der American Bankers Association, um Strategien im Rahmen des australischen Betrugspräventionsrahmens abzustimmen.
Die Schicksale hinter den Zahlen sind oft dramatisch. In der Schweiz verlor ein Zürcher Anleger kürzlich umgerechnet rund 570.000 Euro durch eine sogenannte „Pig Butchering“-Masche – eine perfide Betrugsform, bei der eine gefälschte Vermögensverwaltungs-Website zum Einsatz kam. In Südafrika fror ein Gericht kürzlich mehr als umgerechnet eine Million Euro ein, nachdem ein raffinierter WhatsApp-Banking-Betrug einen Firmenmanager in Middelburg um sein Geld gebracht hatte.

