Banken unter Cyberdruck: Deepfake-Betrug verursacht 3,7 Milliarden Dollar

Nacha stellt neue Sicherheitsübungen vor; Studien zeigen hohe Schäden durch Datenlecks, Deepfakes und Angriffe auf Finanzdienstleister.

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Die Finanzwirtschaft reagiert auf eine neue Welle hochprofessioneller Cyberangriffe. KI-gesteuerte Betrugsmaschen und mobile Schadsoftware setzen Banken und Sparkassen zunehmend unter Druck.

Zum Auftakt des Cybersecurity Awareness Month hat die Payments Innovation Alliance des US-Zahlungsnetzwerks Nacha aktualisierte Sicherheitswerkzeuge vorgestellt. Dazu zählen eine spielerische Simulation namens Hacker Hunt sowie ein erweitertes Übungsset für Ransomware-Szenarien, das speziell auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten ist.

Jennifer West, Senior Director bei Nacha, mahnt einen grundlegenden Wandel an: Weg von reaktiven Sicherheitsstrategien, hin zu einem proaktiven Ansatz. Der Grund liegt auf der Hand – generative KI verwischt zunehmend die Grenze zwischen echten und gefälschten Nachrichten. Besonders brisant: Kleinere Organisationen haben laut Forschung ein rund doppelt so hohes Risiko, unzureichende Widerstandsfähigkeit gegenüber Angriffen aufzuweisen.

Milliardenschäden durch Datendiebstahl

Die wirtschaftlichen Folgen von Datenlecks bleiben immens. Nach einer Mitte 2026 veröffentlichten IBM-Studie sank die durchschnittliche globale Schadenssumme eines Datenlecks 2025 auf 4,44 Millionen US-Dollar – ein Rückgang von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch die Finanzbranche trägt ein überproportionales Risiko: Hier lagen die durchschnittlichen Kosten bei 5,56 Millionen Dollar, rund ein Viertel über dem branchenübergreifenden Mittelwert.

In den USA erreichten die Schäden 2025 mit 10,22 Millionen Dollar einen Rekordwert. Treiber sind hohe regulatorische Strafen und langsame Erkennungszeiten.

Immerhin: KI-gestützte Erkennungssysteme verkürzen die Zeit bis zum Aufspüren und Eindämmen von Angriffen. Dennoch setzen inzwischen rund 16 Prozent aller Vorfälle auf KI-Werkzeuge auf Angreiferseite.

Deepfakes: Die neue Betrugsdimension

Künstliche Intelligenz hat den Cyberbetrug auf ein neues Niveau gehoben. Eine im Juli 2026 veröffentlichten Studie des Sicherheitsunternehmens Surfshark dokumentiert weltweite Verluste von mindestens 3,7 Milliarden Dollar durch Deepfake-Betrug. Fast 90 Prozent davon entfielen auf den Zeitraum zwischen Anfang 2025 und Mitte 2026.

Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen: Weniger als fünf Prozent der Opfer von Stimmklon-Betrug erstatten überhaupt Anzeige.

Besonders alarmierend für Geldhäuser: Laut einer KPMG-Umfrage aus dem Jahr 2024, aktualisiert 2026, stufen 62 Prozent der Bankmanager Deepfakes als eine der größten aufkommenden Bedrohungen ein.

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Die Angriffe zielen häufig auf interne Verifizierungsprozesse. Mit synthetischem Video- oder Audiomaterial geben sich Kriminelle als Führungskräfte oder Kunden aus, um Transaktionen in Millionenhöhe durchzuschleusen. Deloitte-Forscher prognostizieren, dass KI-basierter Bankbetrug in den USA bis 2027 auf 40 Milliarden Dollar jährlich anwachsen könnte – wenn der Trend anhält.

Mobile Banking: Trojaner auf dem Vormarsch

Smartphones sind zum Hauptschlachtfeld der Finanzsicherheit geworden. Berichte von Cybersicherheitsfirmen aus dem Frühjahr 2026 zeigen einen Anstieg von 56 Prozent bei Android-Banking-Trojanern im Jahr 2025.

Die Schadsoftware-Familien Mamont und Creduz gelten als Hauptbedrohung. Die Zahl einzigartiger bösartiger Installationspakete schnellte um 271 Prozent nach oben.

Die Programme tarnen sich oft als nützliche Alltags- oder Belohnungs-Apps. So erschleichen sie sich weitreichende Berechtigungen auf den Geräten der Nutzer – und können dann Einmalpasswörter abfangen sowie laufende Banking-Sitzungen kapern.

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Lieferkette als Einfallstor

Nicht nur einzelne Geräte, auch die Finanzinfrastruktur selbst gerät ins Visier. Daten aus dem späten 2025 und frühen 2026 belegen: Der Anteil der Vorfälle, an denen Drittanbieter beteiligt waren, hat sich verdoppelt. Inzwischen gehen 30 Prozent aller Sicherheitsverletzungen in der Branche auf kompromittierte Dienstleister zurück.

Die Bedrohungslage verschärft sich weiter. Check Point Research zählte 2025 mehr als doppelt so viele Cybervorfälle im Finanzsektor wie im Vorjahr – insgesamt 1.858 Fälle. Besonders stark stiegen DDoS-Angriffe, also Überlastungsattacken auf Bankportale und Zahlungsschnittstellen, mit einem Plus von 105 Prozent. Hinter vielen dieser Angriffe stehen ideologisch motivierte Gruppen.

Für deutsche Institute bedeutet das: Die eigene Verteidigung endet längst nicht mehr an der Firewall. Sie muss auch die Softwarelieferanten und die Mobilgeräte der Kunden einschließen.