Ein neuer Strategieplan sieht vor, 1,2 Billionen Euro jährlich für Zukunftstechnologien wie saubere Energien, Verteidigung und Künstliche Intelligenz freizusetzen. Dafür müssen die nationalen Hürden im Bankensektor fallen.
Milliarden durch weniger Bürokratie
Der am heutigen Freitag veröffentlichte Bericht der Kommission zielt darauf ab, den zersplitterten europäischen Bankenmarkt zu einen. Im Kern geht es um die Abschaffung nationaler Barrieren, die grenzüberschreitende Bankgeschäfte bisher erschweren. „Die Harmonisierung der Aufsicht und die Erleichterung von Kapitaltransfers zwischen Mutterbanken und ihren Töchtern sind der Schlüssel“, heißt es in dem Papier.
Allein die Streichung bestimmter Eigenkapitalanforderungen (Pillar 2) könnte rund 230 Milliarden Euro an liquiden Mitteln freisetzen. Auch die Überprüfung der Einlagensicherung und weniger nationale Spielräume bei der Kapitalverwaltung stehen auf der Agenda. Das Ziel: Banken sollen im gesamten Binnenmarkt effizienter arbeiten können.
Wettlauf mit den USA
Ein zentraler Treiber der Reform ist die wachsende Sorge um die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Geldhäuser. Vor allem US-Großbanken haben in den vergangenen Jahren massiv an Boden gewonnen. Nach dem Start des „Wettbewerbsfähigkeits-Kompasses“ 2025 will Brüssel nun die „gesetzgeberische Aufblähung“ eindampfen.
Konkret plant die Kommission:
– Vereinfachte Kapitalregeln für kleinere Banken
– Eine Überprüfung der Basel-III-Umsetzung mit Blick auf europäische Besonderheiten
– Eine Neubewertung der Bonus-Obergrenze für Banker
– Eine Anpassung des Mandats der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)
Branchenexperten sehen darin einen grundlegenden Kurswechsel hin zu schlankeren Regeln, die die Kreditvergabe europäischer Institute ankurbeln sollen.
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Politische Unterstützung – mit Abstrichen
Die Bundesregierung begrüßte die Initiative noch am Freitag und forderte die Kommission auf, das Gesetzespaket zügig vorzulegen. „Wir brauchen mehr Größe und Schlagkraft im europäischen Bankensektor“, hieß es aus Regierungskreisen.
Auch der irische Bankenverband (BPFI) zeigte sich erfreut über den Fokus auf weniger nationale Überregulierung. Allerdings mahnte er, die Reform müsse die Besonderheiten kleinerer Märkte berücksichtigen – etwa bei der Immobilienfinanzierung und der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen.
Die Sozialdemokraten im Europaparlament hingegen sehen den Bericht zwar als richtige Diagnose, fordern aber ein ambitionierteres europäisches Einlagensicherungssystem. „Ohne eine vollständige Bankenunion bleibt die Reform Stückwerk“, so ein Sprecher.
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Zeitplan und nächste Schritte
Die jüngsten Spannungen um grenzüberschreitende Bankenfusionen im Juni 2026 haben den Handlungsdruck noch erhöht. Die EU-Kommission will das formelle Gesetzespaket auf Basis dieser Vorschläge im ersten Quartal 2027 vorlegen.
Die Europäische Zentralbank soll während des Übergangs eine zentrale Rolle bei der Überwachung großer Bankengruppen behalten – um die Finanzstabilität zu sichern, während der neue Rechtsrahmen Gestalt annimmt.

