Ein neuer Branchenbericht zeigt: Die Bedrohung für Nutzer von mobilem Banking wächst rasant. Sowohl Komplexität als auch Häufigkeit der Angriffe auf Finanz-Apps nehmen drastisch zu. Besonders Android-Nutzer stehen im Fokus der Kriminellen – die Zahl schädlicher Transaktionen stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich.
34 Malware-Familien im Umlauf
Sicherheitsexperten identifizieren aktuell 34 aktive Malware-Familien, die es auf über 1.200 Finanzinstitute in rund 90 Ländern abgesehen haben. Der Anstieg der durch Android-Malware ausgelösten Transaktionen: plus 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den USA spitzt sich die Lage besonders zu – dort stieg die Zahl gezielt angegriffener Banking-Apps innerhalb kurzer Zeit von 109 auf 162.
Ein Großteil der Angriffe geht auf die Malware-Familien TsarBot, CopyBara und Hook zurück, die zusammen mehr als 60 Prozent der identifizierten Ziele abdecken. Fast die Hälfte dieser Schadprogramme verfügt mittlerweile über Ransomware-Fähigkeiten – sie können Daten verschlüsseln und Lösegeld fordern.
Angreifer umgehen moderne Sicherheitsvorkehrungen
Die Täter setzen auf hochmoderne Methoden. Der Trojaner „GodFather“ nutzt eine On-Device-Virtualisierung, um legitime Apps in einer bösartigen Sandbox auszuführen. So erfasst er Eingaben und Zugangsdaten direkt, während herkömmliche Schutzmechanismen wie Overlay-Erkennungen ins Leere laufen. Eine aktuelle Angriffswelle zielt insbesondere auf Banken in der Türkei.
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Parallel entwickelt sich Device-Code-Phishing zur industriellen Bedrohung. Diese Methode missbraucht die OAuth-Geräteautorisierung und erlaubt es Kriminellen, Zugriffstoken zu stehlen – selbst moderne Sicherheitsfaktoren wie Passkeys oder Multi-Faktor-Authentisierung (MFA) werden so ausgehebelt. Allein gegen Infrastrukturen eines großen US-Softwarekonzerns registrierten Experten innerhalb von vier Wochen rund sieben Millionen solcher Angriffe.
Phishing bleibt der häufigste Einstiegsweg
Cisco Talos berichtet für das zweite Quartal: Mehr als 50 Prozent aller untersuchten Sicherheitsvorfälle begannen mit Phishing. Im ersten Quartal lag dieser Anteil noch bei rund einem Drittel. Klassische E-Mails sind dabei nur die Spitze des Eisbergs – neue Varianten gewinnen an Bedeutung:
- Vishing (Voice Phishing): KI-gestützte Stimmklone machen betrügerische Anrufe täuschend echt. Die Aktivitäten stiegen laut Branchenstatistiken um über 440 Prozent.
- Messenger-Betrug: Über WhatsApp locken gefälschte Abstimmungen oder QR-Codes zur Preisgabe von Kontodaten. Ende Juli führte ein solcher Fall in Norddeutschland zu vierstelligen Schäden bei Kontaktpersonen eines Opfers.
- Gefälschte Zahlungsbestätigungen: Seit Ende Juli kursieren täuschend echte PayPal-Mails über Beträge von rund 900 Euro, die Nutzer auf Phishing-Seiten locken.
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Industrie und Behörden reagieren
Die globalen Verluste durch mobilen Betrug werden auf über eine Billion US-Dollar pro Jahr geschätzt. Dienstleister ziehen nun nach: Das Konsortium aus Digimune und AnyTech365 startete Anfang August die White-Label-Plattform „AntiScam Mobile“ gegen Phishing, SIM-Swap und Identitätsdiebstahl. Auch Sicherheitssoftware-Anbieter erweitern ihre Portfolios um Transaktionsüberwachung und Schutz vor Betrugsanrufen.
Samsung und Xiaomi haben umfangreiche Sicherheitsupdates für zahlreiche Geräte veröffentlicht. Experten raten: Updates zeitnah installieren, offizielle Apps statt Browser-Links nutzen und misstrauisch gegenüber unaufgeforderten Kontaktaufnahmen via SMS oder Telefon sein. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnt zudem vor zunehmendem Identitätsdiebstahl durch Datenlecks und empfiehlt die konsequente Nutzung der Zwei-Faktor-Authentisierung.

