Batteriebrände in Recyclingbetrieben: Zahl fast verdreifacht, Schäden bis 395 Millionen Euro

Eine Branchenstudie dokumentiert mehr Batteriebrände und Schäden; Verbände verlangen einen Herstellerfonds und strengere gesetzliche Vorgaben.

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In der deutschen Entsorgungswirtschaft hat sich die Zahl der durch Batterien verursachten Brände in den vergangenen Jahren fast verdreifacht. Dies geht aus der Gemeinschaftsstudie „Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft“ hervor, die von den Branchenverbänden ASA, BDE, bvse, CMA und VKU initiiert und von den Instituten IfAÖ, Umwelttechnik und Ingenieure sowie Prognos erarbeitet wurde.

Die Untersuchung analysiert die Entwicklung von 181 Anlagen im Zeitraum von 2021 bis 2025 und verdeutlicht das wachsende Risiko für Entsorgungs- und Recyclingbetriebe durch unsachgemäß entsorgte Energiespeicher.

Deutliche Zunahme bei Bränden und Schäden

Laut den Erhebungen der Verbände kletterte die Gesamtzahl der Brände in den erfassten Betrieben von 729 im Jahr 2021 auf 2028 im Jahr 2025, was einem Zuwachs um 1299 Fälle entspricht.

Der Anteil der Anlagen, in denen Brandvorfälle registriert wurden, erhöhte sich von rund einem Drittel auf 62 Prozent. Damit ist mittlerweile mehr als jeder zweite Betrieb betroffen. Bei den sogenannten Hotspots wurden im Jahr 2025 fast 3000 Fälle verzeichnet, was einer Verdopplung gleichkommt.

Lithium-Ionen-Batterien stellen dabei den maßgeblichen Risikofaktor dar. Ihr Anteil an den bekannten Brandursachen wuchs von rund 63 Prozent im Jahr 2021 auf 73 Prozent im Jahr 2025. Bei gesicherter Ursachenlage sind demnach 67 bis 73 Prozent der Brände auf Akkus und Lithium-Ionen-Batterien zurückzuführen.

In 90 Prozent der übrigen Fälle vermuten die Betreiber ebenfalls Batterien als Auslöser, wenngleich das spezifische Produkt in 71 Prozent der Vorfälle unbekannt blieb. Für den Zeitraum bis 2030 rechnen Experten in einer ersten Größenordnung mit einem weiteren Zuwachs der Brandereignisse um 20 bis 40 Prozent.

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Die finanziellen Folgen sind erheblich: Für die Jahre 2021 bis 2025 belaufen sich die erfassten Brandschäden auf 254 bis 395 Millionen Euro, wobei Umwelt- und Personenschäden nicht eingerechnet sind. Bezogen auf die 181 untersuchten Betriebe bewegen sich die Schadenssummen zwischen 250 und knapp 400 Millionen Euro. Davon entfallen 200 bis 320 Millionen Euro direkt auf batteriebedingte Schäden.

Rund 80 Prozent aller Schäden traten in Betrieben auf, in denen Batterien die häufigste Brandursache bildeten. Obwohl 87 Prozent der Anlagen feuerversichert sind – 13 Prozent verfügen über keinen entsprechenden Schutz –, bezeichnen bereits zwei Drittel der Versicherungsmakler die Abfallwirtschaft als Problembranche.

Risiken im Sammel- und Aufbereitungsprozess

Deutschland zählt insgesamt über 13.000 Abfallentsorgungs- und Behandlungsanlagen, wovon rund 4.000 in den Bereichen Sortierung und Aufbereitung tätig sind. Fast die Hälfte der Anlagen, genau 48 Prozent, lokalisiert die Brandentstehung im Bereich vor dem ersten Aufbereitungsaggregat, also bei der Anlieferung, in Lagern, Müllbunkern oder bereits im Sammelfahrzeug.

Fest verbaute Akkus sind für Entsorger häufig nicht erkennbar; beim Verpressen oder Zerkleinern des Materials entstehen Kurzschlüsse. Ein konkretes Schadensbeispiel lieferte Michael Schneider von Remondis Lünen: Im Juni 2023 entzündete eine singende Grußkarte eine Berliner Papierentsorgungsanlage, die bis heute nicht wieder aufgebaut werden konnte.

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Nach Angaben des Bundesumweltministeriums, das das jährliche Marktvolumen der Branche auf rund 80 Milliarden Euro beziffert, wurden zwischen 2020 und 2023 über 130.000 Tonnen Altbatterien nicht über die regulären Sammelsysteme erfasst. Da die Sammelquote stagniert, gelangen erhebliche Mengen an Akkus in den herkömmlichen Rest- oder Wertstoffmüll.

Verbände fordern Beteiligung der Hersteller

Angesichts dieser Entwicklung verlangen die Entsorgungsverbände verbindliche Gegenmaßnahmen und schärfere gesetzliche Rahmenbedingungen. VKU-Vizepräsident Uwe Feige forderte die Einführung eines herstellerfinanzierten Fonds sowie ein gesetzliches Verbot von Einweg-E-Zigaretten. Andreas Bruckschen vom BDE drängte auf einen konkreten Zeitplan für eine finanzielle Beteiligung der Hersteller.

Auch der bvse mahnte eine bessere Erfassung von Altbatterien, gezielte Verbraucheraufklärung, einen Präventionsfonds sowie gegebenenfalls die Einführung eines Pfandsystems an. Christian Hündgen vom bvse NRW betonte diesbezüglich, ein Festhalten am Status quo sei keine tragfähige Option mehr.

Gemeinsam plädieren die Verbände für einen herstellerfinanzierten Präventions- und Ausgleichsfonds. Ein Batteriepfand war im Jahr 2024 von der Bundesregierung abgelehnt worden. Vor diesem Hintergrund kritisierten die Branchenvertreter auch die jüngste Abschlusserklärung des Runden Tisches im Bundesumweltministerium als unzureichend.