Batterygate vor Gericht: Apple drohen 1,1 Mrd. Euro Strafe

Vorwurf der Beweisrückhaltung: Apple droht im britischen Batterygate-Verfahren eine Zahlung von bis zu 1,1 Milliarden Euro.

Am heutigen Sonntag beginnt vor dem Competition Appeal Tribunal (CAT) in London die entscheidende Phase eines Rechtsstreits, der Apple teuer zu stehen kommen könnte. Der Vorwurf: Der iPhone-Hersteller soll Beweise zur gezielten Leistungsdrosselung älterer Modelle zurückgehalten haben.

Der Fall „Batterygate“ kommt erneut auf den Tisch

Die Sammelklage, angeführt vom Verbraucherschützer Justin Gutmann, betrifft mehrere ältere iPhone-Generationen – darunter das iPhone 6s, 6s Plus, SE, 7 und 7 Plus. Der Kernvorwurf: Apple habe Software-Updates so manipuliert, dass die Geräte langsamer liefen, um unerwartete Abschaltungen wegen alternder Akkus zu verhindern. Die entscheidende Frage heute: Hat der Konzern interne Dokumente zu dieser Praxis zurückgehalten?

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Die Klägerseite fordert die Herausgabe dieser Unterlagen. Sollte der Fall erfolgreich sein, droht Apple eine Zahlung von bis zu 956 Millionen Pfund – umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro. Das Geld wäre für etwa 21 Millionen betroffene britische Nutzer gedacht, jeder würde rund 40 Pfund (etwa 47 Euro) erhalten.

Apple hat die Vorwürfe stets bestritten. Allerdings einigte sich der Konzern bereits 2020 in den USA in einem ähnlichen Fall auf einen Vergleich über 500 Millionen Dollar – ohne dabei ein Fehlverhalten einzuräumen.

Neue Sicherheitslücke: Wenn der Chip zur Falle wird

Während sich die Justiz mit alten Akku-Problemen beschäftigt, schlagen Sicherheitsforscher neue Alarm. Am vergangenen Freitag veröffentlichte das Team von Paradigm Shift einen Exploit namens „usbliter8″, der eine Hardware-Schwachstelle in den Chips A12 und A13 Bionic ausnutzt.

Betroffen sind unter anderem das iPhone XS, XR, 11 sowie das iPhone SE der zweiten Generation. Auch mehrere iPad-Modelle und der HomePod mini sind verwundbar. Das Problem sitzt tief im BootROM – genauer in einem USB-Controller eines Drittanbieters. Weil es sich um einen Hardware-Fehler handelt, lässt er sich nicht per Software-Update beheben.

Entwarnung gibt es immerhin bei der Angriffsmethode: Ein Hacker müsste physischen Zugriff auf das Gerät haben und es in den DFU-Modus (Device Firmware Update) versetzen. Remote-Angriffe sind nicht möglich.

Analysten von Gartner warnen dennoch: Bis 2027 werden schätzungsweise 75 Prozent aller Unternehmen mit Sicherheitsrisiken durch nicht patchbare Altgeräte kämpfen. Die US-Behörde NIST stuft solche Geräte als ungeeignet für die Verarbeitung sensibler Daten ein.

Apples juristischer Albtraum wird immer größer

Der „Batterygate“-Prozess ist nur ein Mosaikstein in einer ganzen Serie rechtlicher Auseinandersetzungen, die Apple derzeit in Großbritannien und international belasten.

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Erst kürzlich ließ das CAT eine separate Sammelklage über zwei Milliarden Pfund der Verbraucherorganisation Which? zu. Darin wird Apple vorgeworfen, seine Marktmacht missbraucht zu haben, indem es iOS-Nutzer faktisch zur Nutzung des hauseigenen iCloud-Dienstes für Backups zwang. Betroffen sind rund 40 Millionen britische Nutzer im Zeitraum vom 8. November 2018 bis zum 8. Juni 2026.

Bereits im Mai einigte sich Apple in den USA auf einen 250-Millionen-Dollar-Vergleich wegen irreführender Werbung für die „Apple Intelligence“-Funktionen. Kunden, die zwischen Mitte 2024 und Anfang 2025 ein iPhone 15 Pro oder iPhone 16 gekauft hatten, argumentierten, die versprochenen KI-Fähigkeiten seien nicht rechtzeitig geliefert worden.

Und auch der Kartellrechtsstreit mit X Corp. und xAI schwelt weiter. Zwar wurde ein separater Prozess um Geschäftsgeheimnisse zwischen xAI und OpenAI am 15. Juni abgewiesen, doch das Hauptverfahren zur Integration von ChatGPT in Apples Betriebssystem läuft noch.