Branchenexperten und Organisationen fordern eine durchgängige Digitalisierung administrativer Abläufe sowie den Einsatz digital souveräner Kommunikationswerkzeuge, um Medienbrüche in Workflows der öffentlichen Hand abzubauen.
Wie aus Berichten von Mitte Oktober 2026 hervorgeht, gewinnen nationale Cloud-Infrastrukturen und quelloffene Alternativen angesichts von Datenschutzanforderungen und Abhängigkeiten von internationalen Anbietern im Verwaltungssektor massiv an Bedeutung.
Kooperationen für sichere Cloud-Infrastrukturen in Behörden
Auf der Smart Country Convention in Berlin vereinbarten secunet und ServiceNow eine strategische Partnerschaft. Geplant ist der Betrieb der ServiceNow AI Platform als souveräne Partner-Cloud in deutschen Rechenzentren, die auch für die Verarbeitung von Informationen der Einstufung „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ (VS-NfD) ausgelegt ist. Das Angebot richtet sich an Behörden, Streitkräfte sowie hochregulierte Unternehmen und soll voraussichtlich im Jahr 2027 verfügbar sein.
Zeitgleich starteten Fides, secunet und Giesecke+Devrient die Governance-Plattform Fides Sovereign Governance. Die Lösung deckt Bereiche wie Entity Management, Gremienportale, Beschlussfassungen, Dokumentenmanagement sowie KI-Assistenz ab. Sie wird vollständig in Deutschland auf der secunet-Cloud betrieben und entspricht Vorgaben wie NIS2, DORA sowie der DSGVO. Als erster Referenzkunde ersetzt das Technologieunternehmen Giesecke+Devrient damit ein zuvor genutztes US-System.
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Open-Source-Strategien und Einsparungen in der Verwaltung
Dass der Umstieg auf souveräne Systeme auch wirtschaftlich greifbar ist, verdeutlicht ein Bericht der European Open Science Cloud (EOSC). Demnach spart das Bundesland Schleswig-Holstein durch seine Migration mehr als 15 Millionen Euro an wiederkehrenden Lizenzkosten ein, bei einer Einmalinvestition von 9 Millionen Euro.
Das Großprojekt umfasst 100 öffentliche Stellen, rund 62.000 Beschäftigte und über 40.000 Mailboxen. Zudem belegt der Bericht die Reaktionsfähigkeit quelloffener Werkzeuge: Die schwedische Behörde Elsäkerhetsverket führte nach der Insolvenz des Videodienstleisters StarLeaf im Jahr 2022 innerhalb von 48 Stunden ohne Ausfallzeiten Lösungen auf Basis von Rocket.Chat und Jitsi ein.
Dass die Haltung zu digitaler Unabhängigkeit kein Nischenthema mehr ist, zeigt eine Erhebung der Linux Foundation: Darin bewerteten 94 Prozent der befragten Organisationen in der Europäischen Union digitale Souveränität als wichtig, 61 Prozent sogar als entscheidend.
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Risiken von Abhängigkeiten und behördliche Kurskorrekturen
Die Praxis offenbart jedoch auch Reibungsflächen bei der Ausgestaltung digitaler Arbeitsplätze. So betreibt die Europäische Kommission die Matrix-basierte, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Plattform Element Pro in eigenen Rechenzentren als internes Ausweichsystem für Textnachrichten, Audio- und Videokonferenzen, Dateitransfers sowie Projekträume.
Microsoft Teams verbleibt zwar die primäre Plattform, doch der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund von Bedenken bezüglich möglicher Abschaltungen US-basierter Cloud-Dienste, stieß intern jedoch auch auf Mitarbeiterkritik.
In den Niederlanden stoppte die Steuer- und Zollverwaltung den Rollout der Microsoft-365-Public-Cloud, nachdem rund 5.000 Bedienstete dorthin migriert worden waren.
Anlass war ein Prüfbericht zu Informations- und Kommunikationstechnik, der Mängel bei Datensicherheit, Datenverarbeitung, Zukunftssicherheit sowie das Fehlen einer Ausstiegsstrategie und einer doppelten Schlüsselverschlüsselung beanstandete.
Der Plan des niederländischen Staatssekretärs Eerenberg sieht vor, für 2027 auf On-Premises-Systeme bei Mail und Kalender zu setzen, gefolgt von europäischen Open-Source-Lösungen für Speicher und Kollaboration in den Jahren 2027 und 2028.

