Berliner Cyberangriff: 5,8 Terabyte Daten im Darknet veröffentlicht

Nach dem Datenabfluss aus dem Berliner Landesnetz erwartet das BSI mehr personalisierte Phishing-Angriffe und mögliche Desinformationskampagnen.

Nach einem schwerwiegenden Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor einer erheblich verschärften Bedrohungslage. Die Behörde rechnet mit einer Zunahme gezielter Phishing-Versuche und Desinformationskampagnen, die aus dem massiven Abfluss sensibler Daten resultieren könnten. Betroffene sowie Unternehmen werden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

Umfangreiches Datenpaket im Darknet veröffentlicht

Hinter dem Angriff steht die Hackergruppe Rhysida, die nach offiziellen Berichten von Anfang September 2026 ein Datenvolumen von insgesamt 5,8 Terabyte veröffentlichte. Die Publikation im Darknet erfolgte, nachdem das Land Berlin die Zahlung einer Lösegeldforderung in Höhe von 30 Bitcoin verweigert hatte, was zum damaligen Zeitpunkt einem Wert von rund 2 Millionen Euro entsprach.

Das geleakte Material umfasst mehr als 1,4 Millionen Datensätze. Nach Analysen des BSI befinden sich darunter sensible Dokumente aus der Berliner Verwaltung, darunter rund 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie 46.500 Verträge. Besonders kritisch wird die Veröffentlichung von etwa 6.000 Dateien eingestuft, die Login-Daten enthalten. Experten sehen hierin eine Grundlage für künftige Identitätsdiebstähle und Manipulationen.

Erhöhtes Risiko für Phishing und Desinformation

Das BSI mahnt angesichts der veröffentlichten Informationen zu besonderer Vorsicht. Die gestohlenen Daten könnten genutzt werden, um Phishing-Mails hochgradig personalisiert und damit glaubwürdig zu gestalten. Da die Veröffentlichung zeitlich nah an bevorstehenden Wahlen liegt, warnt die Behörde zudem vor gezielten Desinformationskampagnen, die auf den erbeuteten Behördendaten basieren könnten.

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Aktuelle Beobachtungen von Verbraucherschützern unterstreichen die angespannte Lage. Die Organisation Watchlist Internet registrierte zuletzt 344 aktuelle Phishing-Muster. Zu den betroffenen Institutionen und Unternehmen gehören unter anderem FinanzOnline, Raiffeisen, GMX, Netflix sowie Logistikdienstleister wie DHL und Hermes.

Ein konkretes Beispiel für die aktuelle Vorgehensweise ist eine gefälschte E-Mail im Namen der Krankenkasse AOK. Unter dem Vorwand einer fehlgeschlagenen Transaktion werden Empfänger aufgefordert, Kontodaten manuell über einen Link abzugleichen. Die Verbraucherzentrale rät dringend davon ab, auf solche Nachrichten zu reagieren, und empfiehlt die Nutzung offizieller Applikationen der Dienstleister.

Technische Herausforderungen und Marktfolgen

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Neben den direkten Folgen des Datenlecks kämpfen IT-Infrastrukturen mit technischen Problemen und neuen Angriffsmethoden. Microsoft berichtete über eine technique namens ASCII-Smuggling, bei der Angreifer unsichtbare Unicode-Zeichen nutzen, um E-Mail-Filter zu umgehen.

In den vergangenen Monaten wurden Spitzenwerte von bis zu 2,37 Millionen solcher Nachrichten pro Tag verzeichnet. Parallel dazu verursachte eine Störung bei Exchange Online Verzögerungen beim E-Mail-Versand an externe Domains.

Auch bei dem Anbieter Freenet kam es in den vergangenen Tagen zu verstärkten Störungsmeldungen, die vor allem Logins und den E-Mail-Verkehr in Regionen wie Frankfurt, Hamburg und Hannover betrafen. Ein offizieller Totalausfall wurde hier jedoch nicht bestätigt.

Die Verschärfung der Cybersicherheitslage führt laut Marktbeobachtern zu einer beschleunigten Umsetzung der NIS2-Richtlinien. Dies löse verstärkte Investitionen in Sicherheitsinfrastrukturen aus, wovon insbesondere spezialisierte Anbieter wie Crowdstrike und Palo Alto profitieren dürften.

Das BSI empfiehlt Nutzern und Unternehmen dringend, Passwörter zu ändern, die Multi-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren und grundsätzlich misstrauisch gegenüber unaufgeforderten Kommunikationsversuchen zu sein.