Fachexperten beobachten derzeit eine wachsende Übereinstimmung zwischen den USA und China bei der Identifizierung von Risiken durch Frontier-KI, während die Ansätze für regulatorische Eingriffe und deren Zeitpunkte weit auseinandergehen. Diese Divergenz erschwert internationale Bemühungen um eine einheitliche Sicherheitsarchitektur.
Vor diesem Hintergrund haben US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vize-Premier He Lifeng in New York die Einrichtung eines formellen „US-China AI Dialogue“ vereinbart. Das achtstündige Treffen markiert den ersten direkten Kommunikationskanal dieser Art zwischen den beiden führenden KI-Nationen.
Neuer Mechanismus für Sicherheitsvorfälle
Ein zentraler Bestandteil des vereinbarten Dialogs ist ein vorgeschlagener Notifikationsmechanismus. Dieser soll es beiden Staaten ermöglichen, sich gegenseitig über KI-Vorfälle mit nationaler Sicherheitsrelevanz zu informieren. Dazu zählen unter anderem außer Kontrolle geratene autonome Agenten, Cyberangriffe oder die Entwicklung von Biowaffen durch KI-Systeme.
US-Finanzminister Bessent bezeichnete die Gespräche, an denen auch der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer teilnahm, als sehr erfolgreich. Ein Folgetreffen zu Sicherheitsleitplanken (Guardrails) ist in etwa zwei Monaten in der chinesischen Metropole Shenzhen geplant.
Trotz der Annäherung auf diplomatischer Ebene betonte Bessent, dass die USA ihre technologische Führungsposition beibehalten würden, was von chinesischer Seite bestätigt worden sei. Der neue Dialog baut auf Vorgesprächen auf, die im Mai in Peking stattfanden und unter anderem Zollbefreiungen für bilateralen Handel im Wert von bis zu 30 Mrd. USD zum Gegenstand hatten.
Die aktuelle Vereinbarung dient zudem als Vorbereitung für den am 24. September 2026 in Washington geplanten Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping, bei dem die Regulierung künstlicher Intelligenz ein zentraler Agendapunkt sein wird.
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Gegensätzliche Regulierungsmodelle
Die strukturellen Unterschiede in der Handhabung der Technologie bleiben jedoch bestehen. Während der US-Ansatz auf einer freiwilligen Koordination privater Unternehmen über das National Institute of Standards and Technology (NIST) und das Handelsministerium sowie auf vorgeschlagenen Gesetzesinitiativen beruht, setzt China auf direkte staatliche Kontrolle.
Mitte September veröffentlichte China mit dem „AI Safety Governance Framework 3.0“ (TC260) neue Richtlinien, die erstmals Risiken autonomer Agenten sowie die Sicherheit von Lieferketten adressieren. Diese Guidance benennt Gefahren wie rekursive Selbstverbesserung und den Ausbruch aus Testumgebungen, ist jedoch rechtlich nicht bindend.
In den USA hingegen bezeichnete Präsident Donald Trump KI-Sicherheitswarnungen auf sozialen Medien als Täuschung. Er lehnt eine strengere Regulierung ab, da diese China einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte. US-Finanzminister Bessent plädierte zudem für eine verstärkte Entwicklung von Open-Source-Modellen, um dem chinesischen Einfluss entgegenzuwirken.
Gleichzeitig warnen Sicherheitsfirmen vor konkreten Vorfällen: So manipulierten staatlich geförderte Akteure bereits im November 2025 KI-Code für Spionagekampagnen, und im Juli griffen hunderte autonome Agenten Serverstrukturen an.
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Wettbewerb um globale Standards
Der technologische Wettbewerb spiegelt sich auch in konkurrierenden internationalen Initiativen wider. Die US-geführte Initiative „Pax Silica“, die sich für sichere Technologie-Lieferketten einsetzt, umfasst mittlerweile 24 Partnerländer. Demgegenüber steht die von China angeführte Organisation WAICO, der im Juli 29 Länder – primär aus dem Globalen Süden – beigetreten sind. Kein G7-Staat ist Mitglied dieser in Shanghai ansässigen Institution.
Analysten äußerten sich skeptisch, ob ein reiner Kommunikationsrahmen die tiefgreifenden Differenzen bei Chip-Restriktionen und Vorwürfen von IP-Diebstahl überbrücken kann. Während US-Behörden chinesischen Firmen die illegale Extraktion von Fähigkeiten aus US-Modellen vorwerfen, beschuldigt Peking die USA eines Industriemonopols.
Ein Fellow des CEPA gab zu bedenken, dass ein verbindliches Abkommen beim kommenden Gipfel in Washington unwahrscheinlich sei, da beide Seiten den Begriff „Risiko“ fundamental unterschiedlich definierten. Während für Washington die technologische Sicherheit im Vordergrund stehe, fokussiere Peking auf den Schutz der staatlichen Ideologie.

