Betrüger nutzen Notruf 110 für Schockanrufe

Betrüger täuschen mit manipulierter Notrufnummer 110 Polizeianrufe vor, um Geld zu erpressen. Besonders Nordrhein-Westfalen und Bayern sind von der neuen Angriffswelle betroffen.

Betrüger rufen aktuell massenhaft unter der manipulierten Notrufnummer 110 an. Sie geben sich als Polizei aus und erpressen Geld. Besonders Nordrhein-Westfalen und Bayern sind von der neuen Welle betroffen.

Die Täter nutzen eine Technik namens Call-ID-Spoofing. Dabei wählen sie über Internettelefonie aus dem Ausland und manipulieren die Anzeige. Auf dem Display der Opfer erscheint dann die echte Notrufnummer 110 oder eine lokale Polizeistelle. Die echte Polizei telefoniert jedoch nie unter 110 nach außen – die Nummer dient nur dem Empfang von Notrufen.

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So läuft der perfide Betrug ab

Am Telefon geben sich die Anrufer als Beamte, Staatsanwälte oder Kommissare aus. Sie erfinden dramatische Geschichten: von Einbrüchen in der Nachbarschaft oder gefundenen persönlichen Daten bei festgenommenen Tätern. Das Ziel ist immer dasselbe. Sie wollen Informationen über Bargeld und Wertsachen im Haus erfahren. Anschließend fordern sie die Opfer auf, diese Sachen einem angeblichen Boten zur „Sicherstellung“ zu übergeben.

Die Täter setzen auf psychologischen Druck. Sie halten ihre Opfer oft stundenlang in der Leitung, um Rückfragen zu verhindern. Hintergrundgeräusche wie Tastaturgeklapper sollen eine echte Polizeidienststelle simulieren.

Wo die Anrufe jetzt besonders häufig sind

Am vergangenen Wochenende traf es besonders den Raum Ostwestfalen-Lippe. Die Polizei Bielefeld meldete eine Serie von Betrugsversuchen im gesamten Stadtgebiet. Zwar legten die meisten Bürger rechtzeitig auf, doch die Masse der Anrufe deutet auf eine koordinierte Kampagne hin.

Auch aus Bayern werden ähnliche Vorfälle gemeldet. In Donauwörth versuchten Betrüger, einer Seniorin 20.000 Euro abzunehmen. Sie täuschten einen schweren Verkehrsunfall eines Angehörigen vor. In Karlsruhe gelang den Tätern im März ein Betrug über 18.000 Euro.

Warum Technik allein das Problem nicht löst

Eigentlich sind Telefonanbieter seit Ende 2022 verpflichtet, Anrufe mit manipulierten Nummern aus dem Ausland zu blockieren. Doch die Täter finden immer wieder Lücken. Sie nutzen etwa deutsche Mobilfunknummern oder verschleiern den Ursprung über Cloud-Telefonanlagen. Viele Anrufe nehmen komplexe Routen durch verschiedene Länder, bevor sie in Deutschland ankommen.

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Hinzu kommt: Die Kriminellen professionalisieren sich. Sie setzen automatisierte Systeme ein, die massenhaft Nummern anwählen. Erst wenn jemand abhebt, schaltet sich ein menschlicher Betrüger dazu. Diese Effizienz führt dazu, dass die Angriffsversuche im Vergleich zum Vorjahr spürbar angestiegen sind.

So können Sie sich schützen

Die wichtigste Regel lautet: Seien Sie misstrauisch. Die Polizei gibt klare Verhaltensregeln vor. Beenden Sie das Gespräch sofort, wenn nach Geld oder Wertsachen gefragt wird. Echte Polizeibeamte fordern niemals Bargeld oder Gold zur „Verwahrung“ an.

Bei Unsicherheit wählen Sie selbst die 110 – aber nie über die Rückruffunktion! Tippen Sie die Nummer immer manuert ein, sonst landen Sie womöglich wieder bei den Betrügern.

Verbraucherschützer raten außerdem, den eigenen Telefonbucheintrag zu prüfen. Täter suchen gezielt nach vornamen, die auf ältere Menschen hindeuten. Ein Löschen des Eintrags kann schützen. Nutzen Sie auch die Spam-Warnungen und Blockierfunktionen Ihres Smartphones.

Ein Trend, der das Vertrauen in die Polizei angreift

Die Betrugswelle ist Teil eines größeren Trends. Während klassische Einbrüche zurückgehen, verlagern Banden ihre Aktivitäten in den digitalen Raum. Der Schaden für die Opfer ist oft immens – finanziell und psychisch.

Noch bedenklicher: Das Vertrauen in die Notrufnummer 110 wird systematisch untergraben. Die Täter reagieren flexibel auf Warnungen. Sobald die Polizei in einer Region alarmiert, ziehen die Callcenter einfach weiter.

Was kommt als Nächstes? Die Bundesnetzagentur plant schärfere Regeln, etwa Zertifizierungen für Anrufe. Bis solche Systeme international funktionieren, wird es aber dauern. Bis dahin bleibt Aufklärung der wichtigste Schutz. Die Polizei setzt daher auf Kampagnen in sozialen Medien, um vor allem ältere Menschen zu warnen.