Betrug mit KI: Senioren verlieren 7,75 Milliarden Euro

Finanzaufsichten und Polizei warnen vor massiv zunehmenden, KI-gestützten Betrugsmaschen mit Deepfakes und gefälschten Behördenkontakten.

Koordiniert warnen Finanzaufsichten und Polizeibehörden vor einer dramatischen Zunahme hochprofessioneller Betrugsmaschen. Die Täter setzen dabei auf Künstliche Intelligenz, Deepfakes und die gezielte Nachahmung von Regierungsstellen.

Wenn Beamte plötzlich per Videoanruf kommen

In den Vereinigten Arabischen Emiraten schlug die Einwanderungsbehörde ICP am 12. Juni Alarm: Kriminelle geben sich auf Google Meet als Beamte aus und fordern Zahlungen für Ausweisdienste. Die Behörde stellte klar: Sie nutzt weder private E-Mails noch Videoplattformen für offizielle Angelegenheiten.

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Ähnliche Fälle meldet das indische Konsulat in Toronto. Betrüger geben sich dort als Konsulatsmitarbeiter aus und verlangen Geld für Visa- oder Aufenthaltsanträge. Das Konsulat betont, es habe keinerlei Zuständigkeit für kanadische Einwanderungsfragen – und kommuniziere ausschließlich über offizielle E-Mail-Adressen.

In den USA warnen die Behörden in Madison, Wisconsin, vor einer besonders dreisten Masche: Angeblich im Namen von Sozialversicherung, Einlagensicherung oder Drogenbekämpfungsbehörde fordern Kriminelle ihre Opfer auf, Vermögenswerte in Gold umzuwandeln – zur Abholung durch einen Kurier.

Deepfakes knacken Bankkonten

Das indische Cybercrime-Koordinationszentrum I4C veröffentlichte am 11. Juni einen alarmierenden Bericht: Betrüger sammeln Gesichtsdaten von Opfern während gefälschter Vorstellungsgespräche oder Videoanrufe. Aus diesen Daten erstellen sie KI-generierte Kopien, um Video-Ident-Verfahren zu umgehen und Bankkonten zu übernehmen.

Google zog ebenfalls vor Gericht. Der Konzern verklagte ein Netzwerk namens „Outsider Enterprise“, das über Telegram Phishing-Kits verteilt haben soll. Die Gruppe betrieb angeblich rund 9.000 betrügerische Websites und verschickte innerhalb von zwei Wochen über 2,5 Millionen Spam-Nachrichten. Ermittelt wird mit FBI und US-Telekommunikationskonzernen.

Senioren verlieren Milliarden

Besonders hart trifft die Betrugswelle ältere Menschen. Die US-Steuerbehörde IRS meldet: Senioren verloren 2025 rund 7,75 Milliarden Euro durch Betrug – ein Anstieg von 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die häufigsten Fallen: Liebesbetrug, Kryptowährungs-Maschen und Amtsanmaßung.

Laut FBI entfielen allein auf KI-gestützte Betrugsfälle gegen über 60-Jährige 352 Millionen Euro. Eine besonders perfide Variante: der sogenannte Enkeltrick per KI-Stimmenklon. Hier verloren Opfer 2025 mehr als fünf Millionen Euro.

In Großbritannien warnte die Polizei von Lancashire am 12. Juni vor einer weiteren Masche: Ein Opfer verlor umgerechnet rund 5.300 Euro, nachdem es eine gefälschte SMS erhalten hatte. In einem dreistündigen Telefonat wurde der Betroffene überredet, Geld auf ein angebliches „Sicherheitskonto“ zu überweisen. Die Polizei stellt klar: Banken fordern Kunden nie auf, Geld auf solche Konten zu verschieben.

Wenn das Meldeportal selbst zur Waffe wird

Kriminelle nutzen inzwischen sogar staatliche Infrastruktur für ihre Zwecke. Am 11. Juni wurde bekannt, dass Angreifer das Datenschutz-Meldeportal des US-Bundesstaats Maine missbrauchten. Sie reichten gefälschte Meldungen über angebliche Datenlecks bei den Plattformen VRChat und Discord ein – beide Unternehmen dementierten umgehend.

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Im Einzelhandel warnte die britische Kette Argos vor einer Welle von Kontodiebstählen. Seit Jahresbeginn gingen über 1.100 Betrugsbeschwerden ein, allein im Mai 652 Fälle. Die Täter nutzen gestohlene Zugangsdaten aus früheren Datenlecks, um über den „Click & Collect“-Service Waren zu bestellen.

BaFin warnt vor „Quishing“ und „Vishing“

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin aktualisierte am 11. Juni ihre Verbraucherwarnungen. Die Behörde listet eine ganze Reihe aktueller Gefahren auf: Quishing (Phishing über QR-Codes), Vishing (Betrug per Sprachanruf) und klassisches Skimming. Die Botschaft der Aufseher ist eindeutig: Banken werden niemals per Telefon oder E-Mail nach PIN oder TAN fragen.