Die Polizei schlägt Alarm: Immer mehr professionell organisierte Betrüger erbeuten mit KI-generierten Videos, falschen Support-Anrufen und klassischen Schockanrufen Millionenbeträge. Die Täter werden technisch immer versierter.
Falsche Fernsehstars locken mit Kryptoinvestments
Ein aktueller Fall aus Lichtenberg in Sachsen zeigt die neue Dimension des Betrugs. Eine Frau verlor über eine Million Euro – ausgelöst durch ein KI-generiertes Video, das eine bekannte TV-Talkshow täuschend echt imitierte.
Die Geschädigte investierte monatelang in Gold, Öl und Kryptowährungen auf der Plattform „Investhub 3.0“. Erst als der Kontakt zu den angeblichen Finanzexperten abriss, flog der Schwindel auf. Die Polizei Chemnitz ermittelt.
Schockanrufe: Seniorin übergibt 30.000 Euro
Die klassische Masche bleibt gefährlich. In Leinefelde (Thüringen) gab eine 75-Jährige 30.000 Euro an Unbekannte. Die Täter gaben sich am Telefon als Mediziner aus und behaupteten, eine Angehörige liege nach einem Notfall im Krankenhaus. Unter Zeitdruck übergab die Seniorin ihre Ersparnisse.
Ähnliche Fälle gab es Anfang Juli in Bergheim und Mering. Dort gaben sich Betrüger als Polizisten aus und erbeuteten Wertsachen im mittleren fünfstelligen Bereich. Die Opfer deponierten Bargeld und Schmuck vor der eigenen Haustür.
„Wespentrick“: Falscher Microsoft-Support räumt Konto leer
In Heringsdorf fiel ein 74-Jähriger auf eine perfide Masche herein. Sein Bildschirm wurde schwarz, dann erschien eine Telefonnummer eines angeblichen Microsoft-Mitarbeiters. Der Mann gewährte Fernzugriff – die Täter überwiesen 25.000 Euro.
Die Polizei warnt: Niemals Unbekannten Zugriff auf den Rechner geben oder auf Links in Bank-E-Mails klicken. Im Heidekreis kombinieren Betrüger derzeit Phishing-Mails mit Anrufen von gefälschten Banknummern, um an Banking-Apps zu gelangen.
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Festnahme nach Millionenbetrug in Speyer
Trotz der komplexen Methoden gibt es Erfolge. Im März 2026 betrogen falsche Bankmitarbeiter eine Seniorin in Speyer um 4.000 Euro. Am 2. Juli konnten die Ermittler einen 26-jährigen Tatverdächtigen aus Pfungstadt festnehmen. Ihm wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen.
Frankreich plant Sicherheitsplan gegen Krypto-Kriminalität
Auch international steigt der Druck. In Frankreich kündigte der Innenminister Ende Juni einen neuen Sicherheitsplan an. Grund: Die Zahl kryptobezogener Entführungs- und Erpressungsfälle ist 2026 auf 77 gestiegen. Der Plan sieht engere Koordination und besseren Informationsaustausch vor.
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Prävention: So schützen Sie sich
Kriminalhauptkommissar Ulrich Kaiser warnte beim Digitaltag in Gießen: Die Erfolgsquote von SMS-Betrug liege zwar nur bei 0,5 Prozent – aber die schiere Masse mache ihn gefährlich. Weltweit gehen täglich 392,5 Milliarden E-Mails raus, die Hälfte ist Spam, rund 70 Prozent Phishing.
Die Polizei empfiehlt:
- Sofort auflegen bei Geldforderungen
- Rückruf unter bekannter Nummer bei der jeweiligen Institution
- Keine Wertsachen übergeben – auch nicht an angebliche Amtspersonen
- Codewörter in der Familie vereinbaren
- Bei Verdacht sofort 110 wählen

