Immer mehr Dienste setzen auf künstliche Intelligenz, um die wachsende Flut an Betrugsanrufen einzudämmen. Der Markt splittet sich dabei in kostenlose Basisangebote und teure Premiumdienste – doch die Sicherheitslücken bleiben groß.
Vom Gratis-Tool zum Abo-Modell
Die Branche der Rückwärtssuche ist stark fragmentiert. Marktführer Truecaller kommt auf über 400 Millionen Nutzer und lockt mit einer kostenlosen Basisversion. Wer mehr will, zahlt umgerechnet knapp drei Euro im Monat. Deutlich teurer sind Dienste wie Spokeo oder BeenVerified: Hier liegen die monatlichen Abos bei umgerechnet 14 bis 18 Euro.
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Für Nutzer in den USA bieten Plattformen wie Searqle, TruthFinder und Intelius oft Schnupperangebote. Für umgerechnet weniger als einen Euro gibt es Testzugänge für fünf Tage – danach steigen die Kosten auf bis zu 37 Euro monatlich. Im Geschäftskundenbereich dominieren spezialisierte Anbieter wie Apollo.io, ZoomInfo und Cognism.
Ein neuer Trend: Dienste wie „Whose Number Is This“ setzen auf Echtzeit-Identitätsprüfung. Die Idee dahinter: Wer einen unbekannten Anruf erhält, soll sofort wissen, wer wirklich dran ist.
KI als scharfe Waffe gegen Spam
Gleich zwei große Entwicklungen zeigen, wohin die Reise geht. Das indische Unternehmen Equal AI sicherte sich kürzlich 30 Millionen Dollar (rund 28 Millionen Euro) in einer Series-B-Finanzierungsrunde. Investoren sind Prosus Ventures und Tomales Bay Capital. Insgesamt hat die Firma damit über 42 Millionen Dollar eingesammelt.
Das Versprechen: Ein KI-gestützter Anrufbeantworter filtert angeblich 94 Prozent aller Spam-Anrufe heraus und fasst wichtige Nachrichten zusammen. Rund eine Million Nutzer pro Monat testen den Dienst bereits.
Auch Google zieht nach. Der Suchmaschinenriese hat neue Funktionen für seine „Phone by Google“-App vorgestellt. Die Software erkennt Anrufe, die mit KI-generierten Stimmen und manipulierten Rufnummern arbeiten. Vorinstalliert ist die Funktion auf Android 12 und neueren Geräten. Sie nutzt verschlüsselte Signale zwischen Nutzern, um die Echtheit eines Anrufers zu prüfen.
Der Bedarf ist enorm. Das FBI beziffert die Verluste der Amerikaner durch KI-bezogenen Betrug im Jahr 2025 auf umgerechnet über 830 Millionen Euro. In Großbritannien stieg die Zahl der Cybercrime-Opfer zwischen 2024 und 2025 um 31 Prozent auf rund 4,6 Millionen Menschen.
Die Schattenseite: Stalking-Apps und SIM-Swap
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Doch die neuen Schutzmechanismen sind nur die eine Seite der Medaille. Sicherheitsforscher von ESET entdeckten kürzlich die Schadsoftware „CallPhantom“. Diese Apps versprachen Zugriff auf WhatsApp-Nachrichten und Anruflisten – in Wahrheit handelte es sich um Spionage-Programme. Rund 7,3 Millionen Android-Nutzer vor allem in Indien und Asien waren betroffen.
Der Mobilfunkanbieter O2 warnte zudem vor einer neuen Phishing-Welle. Betrüger verschicken Nachrichten, in denen sie behaupten, SIM-Karten würden wegen fehlender Unterschriften deaktiviert. Der Anbieter hat eigenen Angaben zufolge bereits über eine Milliarde betrügerische Nachrichten blockiert.
Experten raten zu einem Dreiklang an Schutzmaßnahmen: Mobilfunkkonten mit einer zweiten PIN sichern, spezielle Authentifizierungs-Apps statt SMS-Codes nutzen und bei Verdacht auf Identitätsdiebstahl die Kreditauskunfteien informieren. Denn SIM-Swap-Betrug – bei dem Angreifer die Handynummer auf ihre Karte übertragen – bleibt eine der gefährlichsten Bedrohungen.

