Betrugsmasche eskaliert: 7 Millionen Phishing-Angriffe in vier Wochen

Phishing-Attacken und Kontoübernahmen nehmen zu. Sicherheitsbehörden warnen vor nächtlichen Fernzugriffen und hohen Schäden durch neue Betrugsmaschen.

Sicherheitsforscher und Strafverfolgungsbehörden beobachten derzeit eine besorgniserregende Entwicklung im Bereich der Internetkriminalität. Kriminelle nutzen verstärkt Methoden, um Smartphones während der nächtlichen Ruhephase der Besitzer fernzusteuern. Ziel dieser Angriffe ist die Durchführung unautorisierter Banktransfers hoher Summen, während die betroffenen Nutzer ihre Geräte nicht im Blick haben.

Identitätsdiebstahl und unberechtigte Kontenabbuchungen

Das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein und der Weiße Ring warnen in diesem Zusammenhang vor den zunehmenden Gefahren durch Identitätsdiebstahl im Netz. Den Erkenntnissen zufolge nutzen Täter persönliche Daten aus vorangegangenen Datenlecks, um unberechtigte Kontenabbuchungen vorzunehmen. Das LKA weist darauf hin, dass unbekannte Abbuchungen vom Konto jederzeit möglich sind, wenn sensible Zugangsdaten in die Hände Unbefugter gelangen.

Parallel dazu berichten Verbraucherschützer von einer aktuellen Phishing-Welle, die sich speziell gegen Kunden der Sparkassen in Deutschland richtet. Auch bei dem Bezahldienst PayPal ist eine neue Betrugsmasche im Umlauf. Hierbei versenden Täter E-Mails über die tatsächliche Plattform, in denen eine angebliche Belastung von fast 1.000 US-Dollar behauptet wird, um Nutzer zur Preisgabe von Informationen zu bewegen.

Hohe Schäden durch WhatsApp-Übernahmen und Taschendiebstahl

Neben rein digitalen Angriffswegen rücken auch Kommunikationsdienste in den Fokus. In Rostock wurde ein Fall bekannt, bei dem Betrüger ein WhatsApp-Konto mittels QR-Codes übernahmen. Der dabei entstandene finanzielle Schaden belief sich auf 3.000 Euro.

Die Polizei Bielefeld warnt zudem vor einer physischen Komponente des Datendiebstahls. Kriminelle nutzen die Unachtsamkeit von Passanten aus, um Smartphones in Sekunden aus Gesäßtaschen zu entwenden. Nach einem solchen Diebstahl versenden die Täter oft Phishing-Nachrichten mit vermeintlichen Standort-Links, um an die Zugangsdaten der Geräte zu gelangen. Experten raten dazu, Smartphones ausschließlich in verschlossenen Innentaschen oder vorderen Taschen mit Reißverschluss zu führen und im Falle eines Verlusts niemals Zugangsdaten auf externen Links einzugeben, sondern nur offizielle Apps zu nutzen.

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Eskalation der globalen Bedrohungslage

Analysen von Cisco Talos unterstreichen die Relevanz dieser Bedrohungen: Im zweiten Quartal 2026 machten Phishing-Versuche mehr als 50 Prozent aller registrierten Sicherheitsvorfälle aus. Besonders das sogenannte Device-Code-Phishing nimmt zu; hier wurden innerhalb von vier Wochen 7 Millionen Angriffe verzeichnet, die sich zu 99 Prozent gegen Microsoft-Dienste richteten. Beim sogenannten Vishing (Sprachbetrug) gelingt es Angreifern demnach oft in weniger als 17 Stunden, Ransomware in Systeme einzuschleusen. In 65 Prozent der untersuchten Vorfälle von Incident-Response-Teams wurde der Missbrauch von Authentifizierungsdaten festgestellt.

Der Gen Threat Report für das erste Halbjahr 2026 belegt eine deutliche Zunahme schädlicher Software. Die Verbreitung von Trojanern stieg um 145 Prozent, während Dropper ein Plus von 160 Prozent und Fake-Shops einen Zuwachs von 134 Prozent verzeichneten. Deutschland belegt laut dem Bericht mit 2,3 Millionen registrierten Angriffen weltweit den dritten Platz bei Betrugsversuchen im Bereich des technischen Supports.

Neue Sicherheitslösungen und technische Schwachstellen

Angesichts weltweiter Verluste durch mobilen Betrug, die auf jährlich über 1 Billion US-Dollar geschätzt werden, bringen Unternehmen wie Digimune und AnyTech365 neue Schutzsoftware auf den Markt. Ein entsprechendes Angebot mit dem Namen AntiScam Mobile wurde Ende Juli beziehungsweise Anfang August für Android veröffentlicht, eine Version für iOS befindet sich in Vorbereitung. Das Freemium-Modell soll vor Phishing, Sprachbetrug, Identitätsdiebstahl und SIM-Swap-Angriffen schützen. Laut Herstellerangaben sehen sich 50 Prozent der Nutzer täglich mit Betrugsversuchen konfrontiert, während 15 Prozent bereits finanzielle Verluste erlitten haben.

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Technisch bleiben kritische Sicherheitslücken ein Einfallstor. Sicherheitsforscher warnen vor einer Schwachstelle in Outlook Web Access (CVE-2026-42897), die seit dem 22. Juli aktiv ausgenutzt wird. Ein spezieller Schädling namens OWAReaper soll dabei sogar Passwort-Resets überstehen können. Eine weitere Lücke wurde in Ruby-on-Rails (CVE-2026-66066) identifiziert und mit einem hohen Schweregrad von 9,5 bewertet.

Inmitten dieser Risiken kündigte Microsoft für den Browser Edge (Version 151.0.4129.59) die Einführung einer Passkey-Synchronisierung an, um die Sicherheit bei der Authentifizierung zu erhöhen. Gleichzeitig warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor der Nutzung von Krypto-Plattformen, die ohne die erforderliche Erlaubnis agieren.