Eine neue Studie von Gallup und der Stop Scams Alliance zeigt ein erschreckendes Ausmaß: Betrügereien haben Amerikaner im Jahr 2025 rund 68 Milliarden Euro gekostet – umgerechnet über 186 Millionen Euro täglich. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine immer größere Rolle. Doch die finanziellen Verluste sind nur die eine Seite: Fast drei Viertel der Opfer leiden unter psychischen Folgen.
KI treibt die Betrugswelle an
Die im Frühjahr 2026 veröffentlichte Untersuchung kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Rund sechs Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung – etwa 15 Millionen Menschen – wurden 2025 persönlich Opfer von Betrug. Weitere vier Prozent waren indirekt durch betroffene Haushaltsmitglieder betroffen.
Der durchschnittliche Verlust pro Opfer lag bei umgerechnet rund 5.100 Euro. Doch die Verteilung ist ungleich: Mehr als die Hälfte der Betroffenen verlor umgerechnet weniger als 460 Euro. Ganze 21 Prozent der betroffenen Haushalte gerieten jedoch in ernste finanzielle Schwierigkeiten.
Die Methoden der Betrüger sind vielfältig. Gefälschte Websites machten 40 Prozent der Vorfälle aus, gefolgt von Vorschussbetrug (24 Prozent) und betrügerischen Investment-Angeboten (19 Prozent). Zum Vergleich: Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesamtverluste durch Betrug in den USA laut Verbraucherschutzbehörde FTC auf umgerechnet rund 183 Milliarden Euro.
Deepfakes und organisierte Kriminalität
Die Integration moderner Technologien verändert die Kriminalitätslandschaft grundlegend. Rund zwölf Prozent der gemeldeten Betrugsfälle beinhalteten den Einsatz von KI oder Deepfakes. Diese Technologien ermöglichen es den Tätern, ihre Aktionen zu skalieren und ihre Methoden überzeugender zu gestalten.
Eine gemeinsame Untersuchung von AP und FRONTLINE deckte auf, wie kriminelle Syndikate in Myanmar amerikanische KI-Modelle wie ChatGPT und Gemini nutzen, um ihre Kontaktaufnahmen zu automatisieren und zu verfeinern. In einem Fall hatte ein verschleppter Arbeiter in einer Betrugsfabrik innerhalb eines Monats 50.000 Menschen kontaktiert. Die Ermittler identifizierten zudem die Nutzung amerikanischer Infrastruktur – darunter Starlink-Satelliteninternet und verschiedene Cloud-Dienste – zur Aufrechterhaltung dieser Operationen. Trotz einer Razzia Ende 2025 sind in der Region mindestens 25 neue Betrugskomplexe entstanden.
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Die Better Business Bureau warnt vor einem besonders perfiden Trend: Deepfake-Videos mit Prominenten wie Bill Gates, Anderson Cooper und Bruce Willis bewerben ein angebliches Heilmittel gegen Alzheimer auf Honigbasis. Opfer berichten von unautorisierten wiederkehrenden Abbuchungen. Wissenschaftliche Belege für das Produkt existieren nicht, und die Vertreter der abgebildeten Persönlichkeiten haben jede Beteiligung dementiert.
Psychische Folgen und soziale Ungleichheit
Die Gallup-Studie betont, dass der Schaden weit über die finanziellen Verluste hinausgeht. Rund 73 Prozent der Opfer berichteten von negativen Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden, 28 Prozent beschrieben die Folgen als sehr negativ. Selbst bei indirekt Betroffenen – etwa durch betrogene Familienmitglieder – gaben 65 Prozent eine Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit an.
Die Daten zeigen zudem deutliche demografische Unterschiede. Erwachsene ohne Hochschulabschluss wurden häufiger Opfer als Akademiker (sieben gegenüber vier Prozent). Schwarze und hispanische Erwachsene waren mit acht beziehungsweise neun Prozent überdurchschnittlich betroffen. Diese Gruppen sowie Menschen mit niedrigem Einkommen leiden besonders stark unter den finanziellen und psychischen Folgen.
Weltweite Dimension
Der Anstieg des Online-Betrugs ist ein globales Phänomen. In Australien zeigte ein Bericht des Australian Institute of Criminology, dass 2025 jeder fünfte Bürger Opfer mehrerer Betrugsmaschen wurde – bei einem mittleren Verlust von umgerechnet rund 230 Euro. Auch kleine Unternehmen geraten zunehmend ins Visier: 25 Prozent meldeten Betrugsfälle.
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Besonders lukrativ ist für Kriminelle der Investmentbetrug. In einem Fall zwischen Ende 2025 und März 2026 verlor ein malaysischer Regierungsrentner umgerechnet rund 200.000 Euro. Er war auf eine Facebook-Werbung für ein KI-gestütztes Handelssystem hereingefallen und tätigte 88 Überweisungen auf Dutzende Konten, bevor er erkannte, dass die versprochenen Gewinne erfunden waren.
Die Strafverfolgungsbehörden haben ihre Bemühungen verstärkt. Im Mai 2026 meldete eine US-Einsatzgruppe die Störung von rund 1,4 Millionen Konten, die mit betrügerischen Aktivitäten in Verbindung standen. Dennoch bleibt Cyberkriminalität massiv untererfasst: Australische Daten deuten darauf hin, dass nur eines von zehn Opfern die Tat offiziell bei den Behörden meldet.

