Bill Gates warnt: KI könnte 40% der Jobs überflüssig machen

Bill Gates sieht Risiken durch KI für Arbeit, Sicherheit und Kinder und schlägt reservierte Berufe sowie eine Abgabe auf Automatisierung vor.

Bill Gates hat einen umfangreichen Essay von rund 5.800 bis 6.000 Wörtern veröffentlicht, in dem er davor warnt, dass die Welt auf die Umwälzungen durch künstliche Intelligenz nicht vorbereitet sei.

Der Microsoft-Mitgründer sieht erhebliche gesellschaftliche Verwerfungen auf die Gesellschaft zukommen und benennt drei Hauptrisikofelder: Jobverluste, die besonders junge Menschen sowie Beschäftigte in klassischen Büro- und Handwerksberufen träfen, Sicherheitsbedrohungen durch Cyberangriffe, Deepfakes, staatlichen Missbrauch und Biowaffen sowie Gefahren für die Entwicklung von Kindern.

Vorschlag: „Human Reserved Jobs“ und KI-Steuer

Als Gegenmaßnahme schlägt Gates vor, bestimmte Berufsfelder gezielt für Menschen zu reservieren – darunter Pflege, Bildung, Gesundheitswesen, Kinderbetreuung und Jurydienste. Nach seiner Einschätzung könnten bis zu 40 Prozent der Jobs für einen solchen Schutzstatus infrage kommen.

Zusätzlich plädiert er für eine Steuer auf KI und Roboter, um die wirtschaftlichen Folgen der Automatisierung abzufedern. In späteren Interviews sprach er auch von einer „Token-Steuer“, ohne diese näher zu definieren.

Zugespitzt formulierte Gates, künstliche Intelligenz werde entweder der größte Gleichmacher, der je erfunden wurde, oder die schlimmste Quelle von Ungerechtigkeit. Tech-Führungskräfte kritisierte er dafür, mit voller Geschwindigkeit voranzupreschen in der Hoffnung, dass das Gute das Schlechte überwiege. In einem weiteren Zitat äußerte er, dass das Gute etwas langsam komme, während abgesehen von Robotern das Schlechte unmittelbar bevorstehe.

Interviewrunde und Reaktionen aus der Industrie

Nach Veröffentlichung des Essays gab Gates mehrere Interviews, unter anderem bei der New York Times, Axios, CNN, Semafor und GeekWire. Gegenüber Axios räumte er dabei auch Fehler im Umgang mit dem Fall Epstein ein, beharrte jedoch auf der Substanz seiner KI-Warnungen.

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Im Gespräch mit der New York Times erklärte er, KI-Entwickler seien sehr besorgt, während Unternehmen die Gefahren aus wirtschaftlichem Interesse verharmlosten. Neben Cyberangriffen nannte er dort auch autonome Waffen, biologische Waffen, Desinformation und den möglichen Kontrollverlust über KI-Systeme als Risiken.

Widerspruch kam von Nvidia-Chef Jensen Huang, der Gates‘ Vorschlag einer KI- und Roboter-Steuer zurückwies. Huang argumentierte, künstliche Intelligenz werde unterm Strich mehr Arbeitsplätze schaffen, etwa durch die steigende Nachfrage nach Fachkräften für Rechenzentren.

Einordnung durch Umfragen und Marktdaten

Der Essay trifft auf eine Öffentlichkeit, die KI zunehmend skeptisch gegenübersteht: Laut einer Pew-Umfrage unter 3.488 US-Erwachsenen, durchgeführt vom 22. bis 28. August, glauben 71 Prozent, dass künstliche Intelligenz die Zahl der US-Jobs in 20 Jahren reduzieren werde – ein Anstieg von 7 Prozentpunkten gegenüber 2024. Kanadische Arbeitsmarktdaten zeigten zudem einen Rückgang von Einstiegsjobs bei gleichzeitiger Zunahme von Stellen für erfahrene Kräfte im Vergleich des ersten Quartals 2025 zum ersten Quartal 2026. JPMorgan schätzt zudem, dass humanoide Roboter mit weniger als 10 US-Dollar pro Stunde deutlich günstiger sein könnten als US-Lagerarbeiter, die mit rund 30 US-Dollar pro Stunde kalkuliert werden.

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Auch auf makroökonomischer Ebene rückte das Thema in den Fokus: Fed-Chef Kevin Warsh bezeichnete KI beim Jackson-Hole-Symposium als „Wendepunkt der Geschichte“ und „neuen Produktionsfaktor“.

Der Jahresumsatz der zwei führenden KI-Labore übersteige mittlerweile 100 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 500 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während geschäftliche Investitionen so schnell wie seit 2021 nicht mehr wüchsen – über die Hälfte davon getrieben durch KI.

Ein Kommentar auf pjmedia.com wertete Gates‘ Vorstoß hingegen als Versuch der Reputationsrettung und verwies auf eine Gallup-Umfrage, wonach 71 Prozent der Amerikaner lokale Rechenzentren ablehnten, sowie auf ein geplantes Treffen von Gates mit Chinas Präsident Xi Jinping.