Die flächendeckende Versorgung mit preiswerten Basismedikamenten für chronische Leiden wie Diabetes, Asthma und Bluthochdruck steht international unter erheblichem Druck. Aktuelle Daten und Marktberichte aus verschiedenen europäischen Ländern verdeutlichen, dass insbesondere Präparate im unteren Preissegment zunehmend aus den Apothekenregalen verschwinden oder nur noch eingeschränkt verfügbar sind.
Systemische Herausforderungen im Niedrigpreissegment
In Frankreich illustrieren Zahlen der Organisationen MedFrance und GERS eine besorgniserregende Entwicklung. Die Anzahl der zurückgezogenen, erstattungsfähigen Medikamente stieg von 56 im Jahr 2022 auf 297 im Jahr 2025. Besonders kritisch wird bewertet, dass 218 dieser Präparate als essenziell eingestuft sind und für weniger als 10 Euro pro Packung gehandelt wurden.
Im Jahr 2025 waren insgesamt 4.386 Stadtmedikamente – was einem Anteil von 36 Prozent entspricht – für mindestens eine Woche von Lieferengpässen betroffen.
Auffällig ist hierbei der ökonomische Aspekt: Rund 91 Prozent der Rückzugsvolumina entfielen auf Medikamente mit einem Herstellerpreis von unter 10 Euro. Angesichts dieser Lage wird eine Steuerbefreiung für solche preiswerten Arzneimittel gefordert, während gleichzeitig eine Schutzklausel in Höhe von 1,6 Milliarden Euro besteht.
Versorgungslage und finanzielle Belastung in Deutschland
Für Deutschland weist die Datenlage mit Stand Januar 2026 eine breite Palette an Mangelwaren aus. Betroffen sind nicht nur Antibiotika – hier insbesondere Säfte für Kinder – und Fieberpräparate, sondern auch lebensnotwendige Blutdrucksenker, Krebsmedikamente, Psychopharmaka sowie Asthma-Sprays und Infusionslösungen. Zu den konkreten Wirkstoffen mit Lieferengpässen gehören unter anderem ASS, Salbutamol pulmonal, Atomoxetin und GLP-1-Agonisten.
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Diese Engpässe treffen auf eine hohe Nachfrage bei Standardverordnungen wie Ibuprofen 400 mg, Pantoprazol über 20 mg oder Levothyroxin in den Dosierungen 50 und 100 µg.
Gleichzeitig gelten für das Jahr 2026 spezifische finanzielle Rahmenbedingungen für die Versicherten. Die Belastungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, für schwerwiegend chronisch Kranke bei 1 Prozent.
Die Zuzahlung für Arzneimittel beträgt weiterhin 10 Prozent des Preises, wobei mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro pro Packung fällig werden. Für Bezieher von Bürgergeld oder Sozialhilfe ist die jährliche Belastung auf 135,12 Euro festgesetzt, bei anerkanntem Chronikerstatus auf 67,56 Euro.
Internationale Krisenherde und punktuelle Entspannung
In Großbritannien melden das Gesundheitsministerium (DHSC) und die Aufsichtsbehörde MHRA eine mittlere Arzneimittelknappheit bei Ramipril-Kapseln in sämtlichen Dosierungen von 1,25 mg bis 10 mg. Die Engpässe werden voraussichtlich bis Ende Oktober 2026 andauern.
Da im letzten Finanzjahr über 36 Millionen Rezepte für Ramipril ausgestellt wurden, sind Apotheker nun befugt, die Abgabe auf eine Einmonatsmenge zu begrenzen. Experten warnen in diesem Zusammenhang vor möglichen Kettenreaktionen bei einem großflächigen Wechsel auf Alternativpräparate.
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Die Ukraine sieht sich derweil mit logistischen Hürden konfrontiert. Viktor Serdyuk, Präsident des Ukrainischen Rates zum Schutz der Rechte und Sicherheit von Patienten, erklärte, dass zwar kein landesweiter Mangel bestehe, jedoch zerstörte Lagerkapazitäten und eine mangelhafte Logistik die Verteilung erschweren.
Der Markt besteht dort zu 70 bis 80 Prozent aus Generika. Angesichts gestiegener Kosten bitten Hersteller das Ministerium um Preisanpassungen zwischen 20 und 30 Prozent für einzelne Produkte.
In Österreich konnte Mitte September 2026 eine punktuelle Entspannung bei Notfallmedikamenten verzeichnet werden. Rund 20.000 Adrenalin-Pens (Epi-Pen) wurden an den Großhandel und die Apotheken verteilt. Dies ist von besonderer Bedeutung für die rund 300.000 Personen in Österreich, die schwer allergisch auf Bienen- oder Wespengift reagieren, nachdem die Versorgungslage infolge einer starken Flugsaison angespannt war.

