Der Suchmaschinenbetreiber senkt die Einstiegshürde: Nutzer von Google und Apple können sich nun direkt bei Bing anmelden – ohne extra Microsoft-Konto.
Bislang war ein Microsoft-Konto (MSA) Pflicht, um personalisierte Suchfunktionen bei Bing zu nutzen. Diese zehn Jahre alte Hürde ist nun gefallen. Seit Anfang der Woche akzeptiert die Suchmaschine auch Logins über bestehende Google- oder Apple-IDs. Wer sich darüber anmeldet, erhält Zugriff auf Funktionen wie Microsoft Rewards und personalisierte Suchergebnisse – ohne ein separates Konto anlegen zu müssen.
Strategiewechsel nach Jahren der Abschottung
Der Schritt folgt einem Muster: Bereits im Frühjahr hatte Microsoft den Edge-Browser für Drittanbieter-Logins geöffnet. Beobachter sehen darin den Versuch, Nutzer zurückzugewinnen, die Bing wegen der verpflichtenden Microsoft-Anmeldung gemieden haben.
Die Zahlen geben dem Konzern recht: Nachdem Bing Anfang 2023 die Marke von 100 Millionen täglichen Nutzern geknackt hatte, liegt die monatliche Nutzerzahl inzwischen bei über einer Milliarde. Mit der Integration von Google- und Apple-Konten will Microsoft nun an diese Ökosysteme andocken und die Nutzerbindung weiter erhöhen.
Russland geht den Gegenweg
Während Microsoft seine Plattformen für fremde Authentifizierungsdienste öffnet, schreitet in anderen Regionen die Abschottung voran. Ende Juni verabschiedete Russland ein Gesetz, das inländischen Websites die Nutzung ausländischer Login-Systeme wie Apple ID oder Google ID verbietet.
Seit kurzem können Sie sich bei Bing auch mit Ihrem Google- oder Apple-Konto anmelden – ganz ohne Microsoft-Konto. So erhalten Sie Zugriff auf Microsoft Rewards und personalisierte Suchergebnisse. Unser Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie es geht. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Stattdessen müssen russische Nutzer auf heimische Alternativen zurückgreifen – etwa die nationale Telefonnummer oder das staatliche Gosuslugi-Portal. Bei Verstößen drohen Unternehmen Bußgelder. Die Folge: eine zunehmend fragmentierte digitale Landschaft, in der globale Plattformen einerseits auf Offenheit setzen, während nationale Regulierungen genau das Gegenteil erzwingen.
Technische Neuerungen im Hintergrund
Die Login-Erweiterung fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen bei Microsofts KI-Infrastruktur. Am 7. Juli 2026 begann der Konzern damit, in bestimmten Anwendungen OpenAI- und Anthropic-Modelle durch eigene „MAI“-Modelle zu ersetzen – darunter MAI-Transcribe-1 und MAI-Image-2. Ziel ist eine bessere Datenhaltung und geringere Betriebskosten, auch wenn der Hauptverkehr bei Copilot weiterhin über externe Partner läuft.
Parallel dazu hat Microsoft eine Vorschau auf die sogenannten Microsoft Execution Containers (MXC) veröffentlicht. Diese isolieren KI-Agenten unter Windows und dem Windows Subsystem for Linux (WSL) – ein Sicherheitsfeature, das Prozess- und Sitzungsisolierung für autonome Agenten ermöglicht.
Sie nutzen lieber Ihren Google- oder Apple-Login? Bing akzeptiert diese jetzt direkt. Doch welche Datenschutzeinstellungen sollten Sie nach der Anmeldung prüfen? Unser Leitfaden enthält eine Checkliste, damit Sie sicher surfen. Leitfaden mit Datenschutz-Checkliste sichern
Google dreht parallel an der Datenschraube
Fast zeitgleich führte Google eine neue Einstellung namens „Search Services History“ ein. Sie erlaubt dem Konzern, Medien-Uploads aus Diensten wie Google Lens oder Google Translate für das KI-Training zu nutzen. Die Funktion ist standardmäßig aktiviert – ein Widerspruch ist zwar möglich, aber nicht vorgesehen. Datenschutzbewusste Nutzer sollten die Einstellung daher überprüfen.

