Eine Pionieranleihe mit Investment-Grade-Rating, besichert durch Bitcoin-Kredite, ist strukturell gescheitert. Das Ereignis entlarvt die systemischen Risiken der Schuldenblase im Krypto-Ökosystem und erschüttert das Narrativ der institutionellen Reife.
Der Auslöser für die jüngsten Marktängste war eine 188 Millionen Euro teure Asset-Backed Security (ABS), arrangiert von Jefferies Financial Group. Die als „Goldstandard“ gepriesene Anleihe „Ledn Issuer Trust 2026-1“ bündelte rund 5.400 Bitcoin-besicherte Kredite. Nach einem Kurssturz von 27 Prozent seit Mitte Januar fiel der Wert der Bitcoin-Sicherheiten so stark, dass automatische Verkäufe ausgelöst wurden. Der Mechanismus schützte zwar das Kapital der Anleger, zerstörte aber das Geschäftsmodell: eine renditestarke Portfoliostruktur aus verzinsten Krypto-Krediten zu sein.
Systemrisiko: Der Fluch der Hebelwirkung
Das Scheitern dieser Einzelanleihe wirft ein grelles Licht auf ein grundsätzliches Problem: Die Kryptobranche ist extrem verschuldet. Der Markt für kryptobesicherte Kredite war bis zum dritten Quartal 2025 auf Rekordniveau von 73,6 Milliarden Euro angewachsen. Diese einfache Kreditvergabe ermöglichte es Investoren, ihre Wetten mit Fremdkapital zu hebeln – und potenzierte damit sowohl Gewinne als auch Verluste.
Genau diese Kehrseite zeigte sich im Februar 2026. Als der Bitcoin-Kurs unter die Marke von 55.000 Euro fiel, löste dies eine Lawine von Zwangsliquidierungen gehebelter Positionen aus. Verkauf erzwang weiteren Verkauf – ein klassischer Teufelskreis, der die Preise immer weiter nach unten drückte. Die aktuelle Abwärtsbewegung wird maßgeblich von diesem schmerzhaften Deleveraging, dem Abbau von Schulden, getrieben.
Aufsicht und Unternehmen unter Druck
Die Aufsichtsbehörden schalten sich ein. Die US-Notenbank Fed integrierte erstmals ein Szenario einer „schweren Digital-Asset-Marktstörung“ in ihre jüngsten Stresstests für Großbanken. Sie identifizierte explizit kryptobesicherte Unternehmensanleihen als potenziellen systemischen Risikopunkt – eine Befürchtung, die durch die Probleme der Ledn-Anleihe nun greifbar wurde.
Auch die Unternehmensbilanzen leiden. Strategy, das börsennotierte Unternehmen mit dem größten Bitcoin-Bestand, meldete für das vierte Quartal 2025 papierne Verluste in Höhe von 11 Milliarden Euro. Der Markt beobachtet solche Firmen mit Sorge, die einerseits große Bitcoin-Bestände halten, andererseits aber auch erhebliche Schulden mit Fälligkeiten in den kommenden Jahren bedienen müssen.
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Ausblick: Schmerzhafte Ernüchterung
Das Scheitern einer bewerteten, von der Wall Street unterstützten Anleihe ist ein psychologischer Dämpfer für die Erzählung von der unaufhaltsamen institutionellen Etablierung von Krypto. Es zeigt: Die fundamentale Volatilität von Assets wie Bitcoin bleibt ein Haupthindernis für die Integration in traditionelle Finanzsysteme. Die hohe Korrelation mit anderen Risikoassets wie Tech-Aktien untergräbt zudem ihre Glaubwürdigkeit als Absicherung in Krisenzeiten.
Der Markt steht vor einer anhaltenden Phase der Entschuldung. Die Abwicklung von Hebelpositionen und der Druck auf hochverschuldete Unternehmen dürften die Kurse weiter belasten. Das Ereignis wird wohl Regulierer bestärken, die strengere Kapitalanforderungen für Krypto-Kredite und verwandte Wertpapiere fordern. Während langfristige Befürworter auf die grundlegende Wertthese von Bitcoin als Hedge gegen Staatsschulden verweisen, ist die unmittelbare Zukunft von den schmerzhaften Folgen eines Marktes geprägt, der seine schuldenfinanzierten Exzesse bereinigen muss.





