Bitcoin versucht sich bei 68.000 US-Dollar zu stabilisieren, während Chinas Regulierungsbehörden den Druck auf den gesamten Kryptomarkt massiv erhöhen. Die jüngsten Verbote treffen nun auch Stablecoins und tokenisierte Assets – eine klare Absage an private digitale Währungen neben dem staatlichen E-Yuan.
Fragile Erholung trifft auf „extreme Angst“
Der Markt zeigt ein gespaltenes Bild. Zwar notierte Bitcoin am Sonntag bei etwa 68.014 US-Dollar und hat damit seit dem 19. Februar über vier Prozent zugelegt. Doch der populäre Fear & Greed Index ist auf nur noch 9 Punkte abgestürzt – ein Wert, der „extreme Angst“ unter Privatanlegern signalisiert. Gleichzeitig verzeichneten die börsengehandelten Bitcoin-ETFs am 20. Februar wieder Nettozuflüsse in Höhe von 88 Millionen US-Dollar. Diese Diskrepanz deutet auf eine wachsende Kluft hin: Während Kleinanleger in Panik verkaufen, nutzen institutionelle Investoren offenbar die niedrigen Kurse zum Einstieg.
Die 70.000-Dollar-Marke gilt als entscheidende Hürde für eine nachhaltige Trendwende. Ein deutlicher Ausbruch nach oben könnte die bullische Stimmung zurückbringen. Scheitert Bitcoin hingegen an diesem Widerstand, droht ein Rückfall. Einige Analysten sehen dann sogar Kurse von 56.000 oder gar unter 40.000 US-Dollar als möglich an. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein persönliches Bekenntnis von Wall-Street-Größe David Solomon: Der Goldman-Sachs-CEO gab kürzlich eigene, wenn auch kleine, Bitcoin-Bestände zu erkennen.
China verbietet Stablecoins und tokenisierte Assets
Während der Markt um die Kursrichtung ringt, verschärft China seine ohnehin schon strikte Haltung radikal. Anfang Februar erließ die Chinesische Zentralbank (PBoC) gemeinsam mit anderen Aufsichtsbehörden eine neue gemeinsame Richtlinie. Sie verbietet nun ausdrücklich die Ausgabe von Stablecoins, insbesondere solcher, die an den Yuan gekoppelt sind, durch inländische Firmen oder deren ausländische Tochtergesellschaften – es sei denn, es liegt eine staatliche Genehmigung vor.
Ebenso im Fadenkreuz: die Tokenisierung realer Vermögenswerte (Real-World Assets, RWA). Solche Aktivitäten werden nun als illegale Finanzangebote eingestuft. Experten deuten diesen Schritt als Versuch, jegliche Konkurrenz für den digitalen Zentralbank-Yuan (E-CNY) auszuschalten und die Kapitalkontrollen zu verschärfen. Besonders brisant: Das Verbot umfasst jetzt auch die Werbung für nicht genehmigte Krypto-Aktivitäten. Plattformen dürfen keine Werbedienstleistungen oder Internet-Traffic mehr für Krypto-bezogene Inhalte bereitstellen – eine massive Zensurmaßnahme.
Netzwerk-Stärke signalisiert fundamentale Robustheit
Trotz der negativen Nachrichten zeigt das Bitcoin-Netzwerk selbst bemerkenswerte Stärke. Am 19. Februar verzeichnete die Mining-Schwierigkeit den größten absoluten Anstieg ihrer Geschichte um satte 14,73 Prozent. Diese Rekordanpassung folgte auf einen temporären Rückgang der Netzwerkaktivität, verursacht durch strenge Winterstürme in den USA, die große Mining-Betriebe lahmlegten.
Die schnelle Erholung auf beinahe Rekord-Level beim Hashrate unterstreicht die zunehmende Industrialisierung und Widerstandsfähigkeit der globalen Mining-Branche. Für die Miner hat die Entwicklung jedoch eine finanzielle Schattenseite: Bei einem aktuellen Bitcoin-Preis von rund 68.000 US-Dollar liegt dieser deutlich unter den geschätzten durchschnittlichen Produktionskosten von 87.000 US-Dollar nach der Anpassung. Historisch gingen Phasen, in denen der Bitcoin-Preis unter die Produktionskosten fiel, oft einer Rallye voraus – aber erst nach einer Phase der „Miner-Kapitulation“.
Regulierung vs. Verbot: Der globale Graben vertieft sich
Die aktuelle Lage offenbart einen globalen Graben im regulatorischen Ansatz. Während China auf ein Totalverbot setzt, gehen andere Länder differenzierter vor. So hat Google seine Werberichtlinien im Februar 2026 aktualisiert und ermöglicht nun lizenzierten Kryptobörsen und Wallet-Anbietern in Indonesien Werbung – sofern sie eine lokale Zertifizierung vorweisen können. Dieser Ansatz der Regulierung steht in scharfem Kontrast zum chinesischen Verbot.
Der Markt wird zunehmend von diesem Wechselspiel geprägt: institutionelle Integration in einigen Jurisdiktionen und offene Feindseligkeit in anderen. Als Reaktion auf Keyword-Sperren auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) passen Werbetreibende ihre Strategien bereits an. Sie setzen vermehrt auf Begriffe wie „digitale Zahlungen“ oder „Finanztechnologie“ anstelle expliziter Krypto-Terminologie.
Die unmittelbare Zukunft wird sich an der 70.000-Dollar-Marke entscheiden. Anhaltende Zuflüsse in die Bitcoin-ETFs wären ein starkes Signal für institutionelles Vertrauen. Die Frage ist: Setzen sich die regulatorischen Bremsklötze und die Angst der Kleinanleger durch? Oder gewinnen die robusten Netzwerk-Fundamentaldaten und die wachsende institutionelle Infrastruktur die Oberhand? Die Antwort wird die Richtung des Marktes in den kommenden Monaten vorgeben.





