Bitcoin stürzt unter 65.000 US-Dollar – Angst beherrscht den Kryptomarkt

Bitcoin verliert durch US-Zollpläne und massive institutionelle Abflüsse massiv an Wert. Eine Liquidierungswelle im Derivatemarkt verschärft die Krise, während langfristige Halter standhaft bleiben.

Der Kryptomarkt steckt in einer Schockstarre. Der Kurs von Bitcoin ist am Wochenende unter die kritische Marke von 65.000 US-Dollar gerutscht und hat damit einen massiven Ausverkauf ausgelöst. Innerhalb weniger Stunden wurden fast 100 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet. Auslöser sind makroökonomische Ängste und massive Abflüsse aus institutionellen Fonds.

Makro-Schock durch US-Zölle treibt Verkaufswelle

Hauptgrund für den heftigen Absturz ist eine neue Unsicherheit in der Handelspolitik. Die Ankündigung der USA, ihre globalen Zollsätze von 10 auf 15 Prozent anzuheben, hat die fragile Stimmung an den Märkten erschüttert. Die Angst vor neuen Inflationsschüben und einer globalen Konjunkturabkühlung treibt Anleger aus risikoreichen Anlageklassen – dazu zählen nun auch Kryptowährungen.

Die Auswirkungen sind auch an den traditionellen Börsen spürbar. Die Terminkontrakte für den S&P 500 und den Nasdaq 100 gaben am Montag nach. Die enge Korrelation zeigt: Bitcoin ist fest im globalen Finanzsystem verankert und reagiert sensibel auf makroökonomische Signale.

Liquidierungswelle und institutioneller Abzug verschärfen die Krise

Der rapide Kursverlust löste eine Kettenreaktion im Derivatemarkt aus. Innerhalb von 24 Stunden wurden über 450 Millionen Dollar an gehebelten Positionen glattgestellt, überwiegend Wetten auf steigende Kurse. Eine einzelne Position im Wert von rund 61,5 Millionen Dollar auf der HTX-Börse wurde liquidiert. Dieser Zwangsverkauf verstärkte den Abwärtsdruck erheblich.

Hinzu kommen anhaltende Abflüsse aus institutionellen Anlageprodukten. Die in den USA gelisteten Bitcoin-ETFs verzeichnen seit fünf Wochen in Folge Netto-Abflüsse von insgesamt schätzungsweise 3,8 Milliarden Dollar. Allein in der vergangenen Woche zogen Anleger etwa 360 Millionen Dollar ab. Dies signalisiert eine extreme Risikoaversion institutioneller Investoren.

Langfristige Halter zeigen sich standhaft

Trotz des panischen Kursbildes liefert die On-Chain-Analyse ein differenzierteres Bild. Langfristige Halter, oft als „diamantene Hände“ bezeichnet, zeigen kaum Anzeichen von Kapitulation. Sie scheinen den Verkauf nicht voranzutreiben. Einige Daten deuten sogar darauf hin, dass sie bei den niedrigeren Kursen leise nachkaufen und diese als Einstiegszone betrachten.

Das Verhalten der größten Wallet-Besitzer, der sogenannten „Wale“, ist gemischt. Während die aller größten ansammeln, verkauft die darunter liegende Größenordnung. Diese Kluft zwischen kurzfristiger Panik und langfristiger Überzeugung beobachten Analysten genau.

Ausblick: Alles hängt an der 60.000-Dollar-Marke

Die unmittelbare Zukunft für Bitcoin bleibt fragil. Der Kurs notiert derzeit rund 2,85 Prozent im Minus. Die weitere Richtung wird von drei Faktoren abhängen: der Entwicklung der makroökonomischen Lage, einer Stabilisierung der ETF-Flüsse und dem Durchhaltevermögen der Langzeitanleger.

Analysten warnen vor weiterem Abschwung, sollte die nächste wichtige Unterstützungszone um 60.000 US-Dollar brechen. Für eine nachhaltige Erholung müsste der Kurs zunächst die jüngsten Hochs zurückerobern und halten. Bis ein klares Umkehrsignal kommt, wird die Stimmung im Kryptomarkt von extremer Vorsicht geprägt bleiben.