BKA warnt vor neuer Welle hochtechnisierter Bankbetrugs-Maschen

Das Bundeskriminalamt meldet hohe Schäden durch KI-gestützte Betrugsangriffe, die Stimmen imitieren und Telefonnummern fälschen. Experten warnen vor neuen Trojanern und geben Sicherheitstipps.

Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Eine neue Generation von KI-gestützten Betrugsangriffen sorgt für hohe finanzielle Verluste. Allein in den letzten 24 Stunden erbeuteten Kriminelle in Mannheim und Pforzheim fünfstellige Summen. Das Bundeskriminalamt (BKA) mahnt zur äußersten Vorsicht.

KI-Stimmen und gefälschte Nummern täuschen Opfer

Die Betrugswelt hat sich grundlegend verändert. Künstliche Intelligenz ermöglicht es Tätern, Sprachbarrieren zu überwinden und Stimmen täuschend echt zu imitieren. Schon wenige Sekunden Audiomaterial aus sozialen Medien genügen für das sogenannte „Voice Cloning“.

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Besonders tückisch ist die Kombination mit „Call-ID-Spoofing“. Dabei erscheint auf dem Display des Opfers die echte Nummer der Hausbank oder sogar eine offizielle Notrufnummer. Diese Technik senkt die natürliche Hemmschwelle massiv. Experten zufolge sind diese KI-Maschen viereinhalbmal profitabler als herkömmliche Betrugsversuche.

So gehen die Betrüger heute vor

Aktuelle Fälle zeigen das perfide Vorgehen. In Mannheim kontaktierte ein angeblicher Bankmitarbeiter eine 59-jährige Frau. Er behauptete, eine unautorisierte Auszahlung von knapp 10.000 Euro stoppen zu müssen – und manipulierte sie dazu, mehrere Transaktionen freizugeben. Der Schaden: fast 60.000 Euro.

In Pforzheim fiel ein 58-jähriger Mann auf einen vermeintlichen Sperr-Notrufdienst herein. Der Anrufer überzeugte ihn, eine Fernwartungssoftware zu installieren. Über diesen Zugriff plünderten die Täter dann die Konten. Die Masche zielt nicht mehr auf die klassische PIN-Preisgabe, sondern auf aktive Mitwirkung der Opfer bei der angeblichen „Schadensabwehr“.

Trojaner „Perseus“ jagt ungeschützte Passwörter

Die Gefahr lauert nicht nur am Telefon. Sicherheitsexperten identifizierten kürzlich den Android-Trojaner „Perseus“. Er verbreitet sich über inoffizielle Streaming-Apps und sucht gezielt nach Notiz-Apps auf dem Smartphone.

Warum? Viele Nutzer speichern Passwörter, PINs oder Krypto-Wiederherstellungsphrasen unverschlüsselt in digitalen Notizen. „Perseus“ liest diese Daten aus und übermittelt sie. Zudem kann die Schadsoftware Overlay-Angriffe durchführen und so Zugangsdaten direkt bei der Eingabe abgreifen. Selbst die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist nicht sicher: Die Malware liest SMS-Nachrichten mit oder manipuliert Push-Benachrichtigungen.

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So schützen Sie sich vor den neuen Betrugsmaschen

Bei unerwarteten Bank-Anrufen mit Dringlichkeitsbehauptung gilt: sofort auflegen. Echte Bankmitarbeiter fordern niemals zur Freigabe von Überweisungen oder zur Installation von Software auf. Im Zweifel die Bank über eine selbst gewählte, bekannte Nummer zurückrufen.

Für die Smartphone-Sicherheit empfehlen Experten klare Regeln:
* Apps nur aus offiziellen Stores wie Google Play laden.
* Sensible Zugangsdaten nie unverschlüsselt in Notiz-Apps speichern – stattdessen Passwort-Manager nutzen.
* Biometrische Authentifizierung wie Fingerabdruck-Scans bevorzugen.
* Betriebssysteme und Banking-Apps stets aktuell halten.

Rechtlich wird es für Betroffene oft schwierig. Haben sie eine Transaktion selbst per TAN freigegeben, werfen die Banken häufig grobe Fahrlässigkeit vor. Neue EU-Regeln für Echtzeitüberweisungen sollen künftig helfen: Der Abgleich von Empfängername und IBAN könnte viele Betrugsversuche schon im Ansatz stoppen.

Ein Wettrennen zwischen KI-Angriffen und Verteidigung

Die kommenden Monate werden ein technologisches Wettrüsten bringen. Während Kriminelle ihre Angriffe mit automatisierten Dialogsystemen skalieren, setzen Banken auf Verhaltensbiometrie. Diese Systeme analysieren im Hintergrund, ob Tippverhalten und Smartphone-Nutzung zum rechtmäßigen Besitzer passen.

Doch die größte Schwachstelle bleibt der Mensch. Die psychologische Kriegsführung am Telefon, die gezielt Stress ausnutzt, kann Technik allein nicht stoppen. Nur wachsame Nutzer, schärfere Regulierungen und internationale Polizeiarbeit können den Schaden langfristig begrenzen.