Hacker attackieren vermehrt Firmen-Kommunikationsplattformen – deutsche Behörden reagieren mit Razzien und neuen Sicherheitsvorgaben.
Die US-Sicherheitsbehörde CISA hat gemeinsam mit internationalen Partnern die Maßnahmen gegen Angriffe auf Unternehmensplattformen verschärft. Im Fokus stehen schwerwiegende Sicherheitslücken in Microsoft SharePoint, Exchange und anderen Kollaborationstools. Staatlich gesteuerte Gruppen und kriminelle Organisationen nutzen zunehmend sogenannte Zero-Click-Angriffe – Angriffe, die ohne Zutun des Opfers ausgelöst werden.
Neue Sicherheitslücken in Microsoft SharePoint
Mitte Juli 2026 erweiterte die CISA ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen um mehrere kritische Fehler in Microsoft SharePoint Server. Besonders brisant: die Sicherheitslücke CVE-2026-58644. Diese Deserialisierungs-Schwachstelle erreicht einen CVSS-Wert von 9,8 – die höchste Risikostufe. Angreifer können damit aus der Ferne Schadcode ausführen. Microsoft veröffentlichte zwar am 14. Juli einen Patch, doch die Angriffe begannen bereits vor dem Update.
Noch gravierender ist CVE-2026-50522. Hierbei stehlen Hacker IIS-Maschinenschlüssel, ebenfalls mit einer Risikobewertung von 9,8. US-Behörden ordneten eine sofortige Behebung bis zum 25. Juli an. Sicherheitsexperten warnen: Ein reines Einspielen der Patches reicht nicht. Unternehmen sollten Maschinenschlüssel austauschen, die Antimalware-Schnittstelle aktivieren und nach bestehenden Webshells suchen.
Russische Hackergruppe attackiert Zimbra-Server
Eine gemeinsame Warnung von FBI, NSA und 16 weiteren Staaten enthüllt eine seit Juli 2025 laufende Spionagekampagne. Die russische Gruppe „Laundry Bear“ – auch als TA488 oder Void Blizzard bekannt – nutzt eine Zero-Click-Lücke in der Zimbra Collaboration Suite. Der Trick: Opfer müssen nur eine manipulierte E-Mail im Classic Web Client öffnen. Schon haben Angreifer Zugriff auf 90 Tage E-Mail-Verlauf, globale Adressbücher und Zwei-Faktor-Authentifizierungscodes.
Die Gruppe setzt KI-gestützten Code ein, um Daten auf kurzlebige virtuelle Privatserver zu übertragen. Obwohl der Patch seit November 2025 verfügbar ist, bleiben viele Server ungeschützt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellte fest: Rund 40 Prozent von 1.500 überprüften Zimbra-Servern in Deutschland sind weiterhin verwundbar.
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BKA zerschlägt Phishing-Plattform „Kratos“
Die deutschen Behörden gehen direkt gegen die Angriffs-Infrastruktur vor. Am 20. Juli 2026 zerschlug das Bundeskriminalamt (BKA) die Plattform „Kratos“ – einen Dienst, der Phishing als Service anbot. Rund 15.000 Kampagnen pro Monat liefen über dieses System. Mehr als 1.800 Abonnenten nutzten die Plattform, spezialisiert auf den Diebstahl von Microsoft-365-Zugangsdaten. Bei der Aktion nahm die Polizei Entwickler in Indonesien fest und beschlagnahmte über 200 Server.
Das BSI schlägt zudem Alarm bei Microsoft Exchange: 25.000 Systeme in Deutschland sind derzeit angreifbar. Mindestens sechs Bundesbehörden sind betroffen, vier davon nachweislich kompromittiert. Trotz verfügbarer Updates bleiben die Systeme ungepatcht – ein gefundenes Fressen für Erpresser.
Bedrohungslage eskaliert im zweiten Quartal
Die aktuellen Zahlen von Microsoft zeichnen ein düsteres Bild. Zwischen April und Juni 2026 registrierte der Konzern 7,6 Milliarden Phishing-Angriffe per E-Mail. Der Diebstahl von Zugangsdaten dominiert: 94 bis 96 Prozent aller Angriffe zielen auf Passwörter ab.
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Einige Taktiken gehen zurück: QR-Code-Phishing fiel von 18,7 Millionen Fällen im März auf 8,3 Millionen im Juni. Dafür steigt eine andere Gefahr rasant: Telefon-Phishing über Microsoft Teams verzehnfachte sich. Die Zerschlagung der Plattform Tycoon2FA zeigte hingegen Wirkung – deren Aktivität brach um 92 Prozent ein. Ein Beleg dafür, dass gezielte Schläge gegen die Infrastruktur den Kampf gegen Cyberkriminalität entscheidend voranbringen können.

