Black Hat 2026: Passkeys stoßen an Grenzen – Biometrie wird Pflicht

Auf der Black Hat USA 2026 fordern Experten biometrische Zugangskontrollen als Ergänzung zu Passkeys. Forscher demonstrieren zudem neue Angriffsmethoden auf synchronisierte Passkey-Systeme.

Auf der Sicherheitskonferenz Black Hat USA 2026 zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Passkeys allein gelten zunehmend als unzureichend, wenn es um den Schutz vor Deepfakes und KI-gesteuerten Angriffen geht. Die Branche setzt stattdessen auf biometrische „harte Zugangskontrollen“, die physische Präsenz erzwingen.

Der Siegeszug der biometrischen Zugangskontrolle

Kevin Surace, CEO des Unternehmens Token, sorgte mit seiner Keynote für Aufsehen. Seine Botschaft: Passkeys stoßen bei Hochrisiko-Transaktionen an ihre Grenzen. Surace plädiert für biometrische Identitätsprüfungen, die einen physischen Fingerabdruck und die räumliche Nähe zum Gerät verlangen, bevor privilegierte Zugriffe oder Finanztransaktionen freigegeben werden. Nur so lasse sich eine wirksame Barriere gegen Deepfakes und unbefugte KI-Interaktionen aufbauen.

Die Umstellung verspricht jedoch nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch handfeste Produktivitätsgewinne. Interne Erhebungen zeigen: Biometrische Authentifizierung spart rund 28 Sekunden pro Login – hochgerechnet 34 Stunden pro Mitarbeiter und Jahr. Der wirtschaftliche Nutzen: etwa 2.050 Euro pro Beschäftigtem jährlich.

Forscher knacken Passkey-Sicherheit

Ausgerechnet die Technologie, die das Passwort ablösen soll, gerät unter Druck. Die Sicherheitsforscher von Palo Alto Networks‘ Unit 42 präsentierten auf der Konferenz gleich drei neue Angriffsmethoden – „Pass-ta-key“, „Silver Pass-ta-key“ und „Golden Pass-ta-key“ genannt –, die sich gegen synchronisierte Passkey-Systeme richten.

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Die Angriffe zielen auf Schwachstellen in den Workflows für Gerätevertrauen und Kontowiederherstellung. Besonders brisant: Schadsoftware könnte demnach ohne Nutzerinteraktion authentifizieren oder die biometrische Verifizierung komplett umgehen, indem sie die Synchronisationsprotokolle cloudbasierter Authentifizierungsdienste missbraucht. Betroffen sind bestimmte Browser-Umgebungen auf Windows-Systemen mit Trusted Platform Modules (TPM). Das erschüttert die Grundannahme, dass synchronisierte Passkeys grundsätzlich resistent gegen den Diebstahl von Zugangsdaten sind.

Regierungen setzen weiter auf Passkeys

Die Forschungsresultate bremsen die politische Unterstützung für die Passwort-Ablösung jedoch nicht. Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) erklärte auf der CYBERUK-Konferenz in Glasgow am 2. August 2026 das Zeitalter der Passwörter offiziell für beendet. Die Behörde empfiehlt Passkeys als sicherere und nutzerfreundlichere Alternative – und verweist auf die eigene Vorreiterrolle: Über 50 Prozent der aktiven Nutzer großer Plattformen im Vereinigten Königreich haben sich bereits für Passkeys registriert.

Auch die Analysten von Gartner sehen die Zukunft der Identitätssicherung in der Konvergenz von Verifizierung und Authentifizierung. In ihrem Magic Quadrant für Identity Verification vom 28. Juli 2026 kürten sie das Unternehmen 1Kosmos zum Leader. Besonders für den Einsatz in Unternehmen erhielt die Plattform mit 4,28 von 5 Punkten eine Spitzenbewertung. Der Trend ist eindeutig: Identitätsnachweis und passwortloser Zugang wachsen zusammen, um KI-gestützter Identitätstäuschung entgegenzuwirken.

Schutz für kritische Infrastruktur

Die Zero-Trust-Bewegung macht auch vor der physischen Welt nicht halt. Anbieter wie Boon Edam Australia übertragen die Prinzipien inzwischen auf den Zutritt zu Gebäuden: Gesichts- und Irisscans sollen unbefugten Zutritt und das Durchschleusen („Tailgating“) in Rechenzentren und Regierungsgebäuden verhindern.

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Auf der Black Hat USA 2026 präsentierte zudem das Unternehmen Dispel eine neue Lösung für den Fernzugriff auf operationelle Technologie (OT). Das System kombiniert die Verifizierung mit staatlich ausgestellten Ausweisen und biometrischem Abgleich, um kritische Infrastruktur abzusichern. Parallel erweitern Cisco und BeyondTrust ihr Portfolio um Lösungen für nicht-menschliche Identitäten (NHI). Cisco zufolge übersteigt die Zahl solcher Identitäten – etwa von KI-Agenten und automatisierten Workloads – die der menschlichen Nutzer in typischen Unternehmen um das 25- bis 50-Fache. Neue Schutzmechanismen ist hier dringend nötig.

Der wachsende Fokus auf Identitätssicherung hat auch den Arbeitsmarkt erreicht: Arbeitgeber setzen zunehmend auf biometrische Scans und Historie-Checks, um ihre Einstellungsprozesse „KI-sicher“ zu machen. Der Hintergrund ist ernüchternd: Laut einem Verizon-Bericht aus dem Jahr 2026 gehen 35 Prozent der Sicherheitsvorfälle auf menschliche Faktoren zurück. Und Gartner prognostiziert, dass bis 2028 jede vierte Bewerbung betrügerisch sein könnte – ein Szenario, das die Nachfrage nach robuster biometrischer Verifizierung weiter anheizen dürfte.