Boon Agent: KI-Schätzer erledigt 3-Wochen-Aufgaben in 7 Minuten

Graphisoft, Nemetschek und Arup präsentieren KI-Lösungen, die Planungszeiten drastisch verkürzen und Materialkosten senken.

Branche im Umbruch: Architekten und Ingenieure setzen zunehmend auf KI-gestützte Planungstools.

Die Bau- und Immobilienbranche erlebt einen Technologieschub. Gleich mehrere führende Softwareanbieter haben in dieser Woche neue KI-Funktionen für die Gebäudeplanung vorgestellt. Ziel ist es, Planungsprozesse drastisch zu beschleunigen und Materialkosten zu senken.

Graphisoft und Arup: KI-Assistenten für die Tragwerksplanung

Am heutigen Freitag startete Graphisoft die Beta-Phase seines KI-Assistenten. Das Tool ist direkt in die BIM-Software Archicad integriert und soll Arbeitsabläufe für Architekten und Ingenieure optimieren. Der Launch folgt auf eine Reihe von Schulungsprogrammen, darunter ein BIM-Manager-Kurs von März bis Mai sowie ein Webinar im Juni.

Noch einen Schritt weiter geht eine Kooperation in Hongkong: Arup und YJK brachten am Mittwoch ihre KI-Design-Plattform auf den Markt. Die erste Phase konzentriert sich auf die Optimierung von Stahlbeton-, Stahl- und Pfahlgründungen. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die KI reduzierte die Planungszeit von 2,5 Tagen auf rund einen halben Tag – eine Verbesserung um 82 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl überlasteter Bauteile um 88 Prozent, der Materialeinsatz verringerte sich um 10 bis 20 Prozent.

Nemetschek: Expansion in den Nahen Osten und Daten-Investition

Der Münchner Softwarekonzern Nemetschek treibt seine KI-Strategie ebenfalls voran. Am Mittwoch kündigte Nemetschek Arabia die regionale Verfügbarkeit von Bluebeam Max im Nahen Osten an. Das Premium-Abonnement enthält KI-gestützte Prüfwerkzeuge und Automatisierungsfunktionen. Über 2.000 Beta-Tester melden bereits Produktivitätssteigerungen.

Einen Tag später gab Nemetschek eine Beteiligung an der Pariser Datenaustausch-Plattform Dawex bekannt. Die auf der VivaTech vorgestellte Investition zielt auf standardisierte Datenaustauschprotokolle für die Bauindustrie ab – eine Grundvoraussetzung für den breiten KI-Einsatz.

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Visualisierung und Kostenschätzung: Neue Tools am Start

Auch bei der visuellen Kommunikation tut sich etwas. Maxon veröffentlichte am Donnerstag Redshift für Revit – eine Echtzeit-Visualisierungssoftware mit KI-gestützter Bibliothekssuche. Eine Beta-Version für Archicad ist bereits in Entwicklung. Parallel dazu brachte Chaos am Mittwoch Update 4 für V-Ray 7 heraus, das KI-Ideengenerierung und Echtzeit-Raytracing bietet.

Bei der Kostenschätzung sorgt Boon AI für Aufsehen. Das Unternehmen gewährte am Mittwoch den Early Access zu seinem Boon Agent. Der KI-Schätzer automatisiert Aufgaben wie Angebotssichtung, Spezifikationsprüfung und Massenermittlung. In Tests erledigte das Tool Arbeiten, die sonst drei Wochen dauern, in rund sieben Minuten.

Markt im Wandel: Vom Assistenten zum autonomen Agenten

Die Entwicklungen sind Teil eines grundlegenden Wandels. Die globale Bauindustrie, ein 13-Billionen-Dollar-Markt, sucht händeringend nach Modernisierung. Revit von Autodesk hält derzeit einen Marktanteil von rund 95 Prozent im BIM-Sektor. Doch die Konkurrenz wächst: Neue Anbieter setzen auf direkte BIM-Alternativen, produktivitätssteigernde Werkzeuge oder KI-native Automatisierung für die Haustechnik – ein Segment, das auf 150 Milliarden Dollar geschätzt wird.

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Besonders bemerkenswert: Die Entwicklung hin zu autonomen Systemen. Das Unternehmen Trunk Tools stellte am Mittwoch seinen Wandel vom Chat-Assistenten zum „System of Action“ vor – KI-Agenten, die Aufgaben komplett eigenständig erledigen. Berichten zufolge überschreiben die KI-Systeme inzwischen bei rund 15 Prozent der Fälle die Vorgaben menschlicher Spezifikationsautoren. Ein Zeichen dafür, dass die digitalen Helfer zunehmend Verantwortung übernehmen.