Boring Company startet Bau von Untergrund-Transit in Nashville

Elon Musks Infrastrukturfirma darf das Music City Loop bauen. Staatliche Genehmigungen ermöglichen den Start der Tunnelarbeiten und umgehen lokale Regulierungen.

Elon Musks Boring Company darf in Nashville ein unterirdisches Transitsystem bauen. Die Genehmigungen von Bundes- und Landesbehörden ebnen den Weg für das umstrittene Projekt.

Nashville – Nach monatelangen Debatten hat Elon Musks Infrastrukturfirma The Boring Company endgültig grünes Licht erhalten. Staatliche und bundesstaatliche Behörden erteilten am Mittwoch, 25. Februar 2026, die entscheidenden Genehmigungen. Sie ermöglichen den sofortigen Beginn der Tunnelarbeiten für das Music City Loop. Das Projekt soll das Stadtzentrum Nashvilles mit dem internationalen Flughafen verbinden – und dabei lokale Regulierungen umgehen.

Genehmigungen umgehen lokale Mitsprache

Der Weg für die sofortige Ausschachtung wurde frei, als das Verkehrsministerium Tennessees und die Bundesfernstraßenverwaltung eine entscheidende Nutzungsvereinbarung und eine Genehmigung erteilten. Laut der Gouverneurskanzlei erlauben diese Genehmigungen dem Unternehmen, den lokalen Stadtrat zu umgehen. Grund: Die geplanten Zwillingsröhren verlaufen größtenteils unter staatlichen Autobahnen.

Diese Freigabe kommt nur Tage, nachdem Vertreter von The Boring Company erstmals öffentlich den Bauzeitplan mit Stadtvertretern besprachen. Die erste Phase des Music City Loop wird parallele, jeweils einspurige Tunnel umfassen. Sie sollen etwa 16 bis 21 Kilometer lang und rund 9 Meter tief liegen. Durch die Lage unter staatlicher Infrastruktur umgeht das Projekt die üblichen kommunalen Genehmigungshürden. Vorbereitungen sind bereits nahe dem Kapitol des Bundesstaates sichtbar, wo Bagger die Startstellen für spezielle Tunnelbohrmaschinen vorbereiten.

Neues Gesetz soll staatliche Kontrolle zementieren

Um die staatliche Kontrolle über das Projekt zu festigen, brachten Gesetzgeber in Tennessee diese Woche eine neuartige Maßnahme auf den Weg. Am 24. Februar stimmte der Senatsausschuss für Handel einem Vorschlag der republikanischen Mehrheitsfraktion zu. Dieser sieht die Gründung einer „Behörde für die Koordination unterirdischer Verkehrsinfrastruktur“ vor.

Sollte das Gesetz vollständig verabschiedet werden, würde dieses elfgremige Aufsichtsorgan mit einem 20-köpfigen Stab und einem Budget von fünf Millionen Euro arbeiten. Seine Aufgabe: Genehmigungen erteilen und alle unterirdischen Verkehrsprojekte im Bundesstaat überwachen. Derzeit wäre das Music City Loop das einzige Projekt unter seiner Aufsicht. Befürworter argumentieren, eine spezialisierte Landesbehörde sei nötig, um einen einheitlichen Rechtsrahmen zu schaffen – besonders, da die Strecke mehrere Verwaltungsgrenzen überschreitet. Lokale Vertreter kritisieren den Schritt jedoch scharf. Sie sehen darin einen Entzug der Befugnis der Stadt Nashville, den Bau des Millionenprojekts zu regulieren oder zu blockieren.

Flughafen schließt langfristigen Finanzdeal

Den finalen Schub für den Bau lieferte eine große Finanzvereinbarung, die Mitte Februar besiegelt wurde. Am 19. Februar billigte die Flughafenbehörde Nashvilles einstimmig einen 40-Jahre-Lizenzvertrag mit The Boring Company. Das Abkommen ist mit Lizenzgebühren in Höhe von 34 Millionen Euro bewertet und erfordert keine Anfangsinvestitionen vom Flughafen oder lokalen Steuerzahlern.

Nach den Vertragsbedingungen trägt The Boring Company alle Bau-, Betriebs- und Wartungskosten. Diese werden auf 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt. Im Gegenzug darf das Unternehmen sein elektrisches Transitsystem auf dem Flughafengelände betreiben und zahlt eine jährliche Lizenzgebühr, die um drei Prozent steigt. Zusätzlich erwartet der Flughafen eine Gebühr von fünf Euro pro Passagier für Abholung und Bringservice. Flughafenvertreter rechnen damit, dass diese Vereinbarung über die Vertragslaufzeit mehr als 300 Millionen Euro Betriebseinnahmen generieren könnte. Eine lukrative Lösung, um den rasant wachsenden Passagierverkehr zu bewältigen.

So soll das Music City Loop funktionieren

Als emissionsfreie Hochgeschwindigkeits-Alternative konzipiert, wird das Music City Loop von Menschen gesteuerte Tesla Model X und Model Y Fahrzeuge nutzen. Anders als traditionelle U-Bahnen mit vielen Stopps funktioniert der Service eher wie ein unterirdischer Rideshare. Passagiere steigen am Startpunkt in ein Fahrzeug und fahren ohne Zwischenstopp direkt zum Ziel.

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass das System die Reisezeit zwischen Flughafen und Innenstadt von typischen 20 bis 30 Minuten im normalen Verkehr auf etwa 8 bis 10 Minuten reduziert. The Boring Company gibt an, die Tunnel würden fortschrittliche Sicherheitsfunktionen wie Gas- und Rauchmeldesysteme enthalten und alle Standards des nationalen Brandschutzverbandes erfüllen. Zunächst wird das System auf menschliche Fahrer setzen. Die langfristige Vision der Technologie zielt jedoch auf vollständig autonomen, robotergesteuerten Transport ab – ein Trend, der die gesamte Branche prägt.

Kritik und Marktanalyse

Der Start des Nashville-Projekts markiert eine kritische Expansion für The Boring Company, die derzeit ein ähnliches, aber kürzeres System in Las Vegas betreibt. Branchenanalysten sehen darin einen wichtigen Praxistest. Die erfolgreiche Umsetzung eines 16-Kilometer-Netzes unter einem großen urbanen Zentrum könnte als machtvoller Machbarkeitsbeweis für Untergrund-Transittechnologien dienen.

Doch der rasante Fortschritt des Music City Loop hat erhebliche Reibungen zwischen Landesbehörden und lokaler Verwaltung erzeugt. Stadträte und Gemeindevertreter äußern Frust über mangelnde Transparenz und die Umgehung lokaler Planungsprozesse. Kritiker argumentieren, das System bediene in erster Linie Touristen und wohlhabende Reisende. Die alltäglichen Verkehrsbedürfnisse der Einwohner blieben dagegen unberücksichtigt. Skeptiker verweisen zudem auf die Unternehmensbilanz: Frühere Vorhaben in Städten wie Chicago und Los Angeles scheiterten. Das Las-Vegas-Projekt steht wegen Fragen zur Arbeitssicherheit und Umweltverträglichkeit in der Kritik.

Ausblick: Betrieb ab 2027 geplant

Mit gesicherten Genehmigungen und vor Ort positionierter Ausrüstung peilt The Boring Company an, das erste Teilstück des Music City Loop bis Anfang 2027 in Betrieb zu nehmen. In den kommenden Monaten wird der Bau weitere Startstellen für Tunnelbohrmaschinen entlang der Route einrichten.

Unterdessen bleibt die politische Landschaft um das Projekt aktiv. Der Stadtrat von Nashville plant für den 3. März 2026 eine weitgehend symbolische Abstimmung über eine Resolution gegen die Tunnel. Parallel wird die Landesgesetzgebung weiter über die Finanzierung und Einrichtung der neuen Untergrund-Aufsichtsbehörde debattieren. Sollte das Nashville-Projekt seinen ambitionierten Zeitplan einhalten und die Leistungsziele erreichen, könnte es eine neue Welle unterirdischer, automatisierter Transitinfrastruktur in anderen verstopften US-Metropolen auslösen.