Der Roboter-Pionier Boston Dynamics steht vor einem Führungswechsel auf der Zielgeraden zur Serienproduktion. CEO Robert Playter verlässt das Unternehmen Ende Februar, genau wenn sein Prestigeprojekt, der humanoide Atlas-Roboter, in die Fabriken des Mutterkonzerns Hyundai einziehen soll.
Eine Ära endet mit dem Serienstart
Robert Playters Rücktritt markiert das Ende einer Transformationsphase. Sechs Jahre lang steuerte der CEO den Wandel des einstigen Forschungslabors zum kommerziellen Roboterhersteller. Unter seiner Führung brachte Boston Dynamics die Roboterhunde Spot und den Lagerroboter Stretch auf den Markt. Jetzt, nur Wochen nach der spektakulären Präsentation des neuen Elektro-Atlas auf der CES 2026, übergibt er das Steuer.
Laut Branchenberichten wurde Playters für den 27. Februar datierter Abgang bereits intern bekanntgegeben. Einen Nachfolger hat der zu Hyundai gehörende Konzern noch nicht benannt. Die Frage ist: Wer übernimmt in dieser heißen Phase? Schließlich stehen die ersten Atlas-Einheiten bereits in den Startlöchern für ihren Einsatz in Hyundais Werken.
Der „außerirdische“ Kollege für die Fabrikhalle
Der neue Atlas ist kein Upgrade, sondern eine Revolution. Das voll-elektrische Modell wurde von Grund auf für die Massenproduktion und den harten Fabrikalltag neu entwickelt. Optisch erinnert es mit seiner funktionalen, glatten Form eher an Science-Fiction als an einen Menschen – die Ingenieure sprechen von einem „außerirdischen“ Design.
Dahinter steckt pure Effizienz: Mit 56 Freiheitsgraden und Gelenken, die sich unbegrenzt drehen können, bewegt sich Atlas auf völlig neue Art. Er kann seinen Oberkörper um 180 Grad drehen, ohne die Füße zu bewegen. Spektakuläre Videos zeigen sogar Rückwärtssaltos mit Radschlag. Doch wichtiger als die Showeinlagen sind die unsichtbaren Verbesserungen: Alle Kabel und Steuerungen sind nun im Gehäuse verborgen, was die Zuverlässigkeit in rauen Industrieumgebungen massiv erhöht.
Der große Plan: 30.000 Roboter pro Jahr
Das ehrgeizige Ziel hinter dem neuen Design ist klar: Skalierung. Hyundai und Boston Dynamics arbeiten am „Robot Metaplant Application Center“ (RMAC), einer Trainingshalle, in der Atlas komplexe Montageaufgaben lernen soll. Langfristig peilt der Konzern eine Jahresproduktion von bis zu 30.000 Atlas-Einheiten an.
Um diese Menge zu bewältigen, setzt Boston Dynamics auf Künstliche Intelligenz. Die Partnerschaft mit Google DeepMind wurde intensiviert. Statt jede Bewegung vorprogrammieren zu müssen, soll Atlas durch KI-Modelle lernen, Aufgaben eigenständig zu durchdenken und sich an neue Umgebungen anzupassen. Diese Fähigkeit, aus Demonstrationen zu lernen, ist der Schlüssel zum Einsatz in verschiedenen Fabriken weltweit.
Die Serienproduktion und der Einsatz autonomer Roboter wie Atlas erfordern nicht nur Technik, sondern auch rechtliche Klarheit. Die EU-KI-Verordnung legt Anforderungen an Risikoklassifizierung, Kennzeichnung und Dokumentation fest — Pflichten, die Hersteller und Betreiber kennen müssen, um Strafen zu vermeiden. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Pflichten jetzt gelten und wie Sie Ihr KI-System korrekt klassifizieren und dokumentieren. Kostenlosen KI-Verordnung-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Die Herausforderung für den neuen CEO
Der Wechsel an der Spitze kommt zur denkbar heikelsten Zeit. Der neue CEO muss den hochambitionierten Serienfahrplan umsetzen, während Wettbewerber im Humanoiden-Sektor ebenfalls aufholen. Kann Boston Dynamics seine technologische Vorreiterrolle behaupten, während es Tausende Roboter ausliefert?
Die ersten kommerziellen Atlas-Modelle sollen in den kommenden Monaten an Hyundai und Google DeepMind gehen. Ob der Roboter vom Engineering-Wunder zum Alltagshelfer in der Fertigung wird, entscheidet sich in den nächsten zwölf Monaten. Die Weichen dafür stellt nun ein neuer Kapitän.





