Die Boston Public Library ruft Bürger auf, ihre nächste Generation limitierter Bibliotheksausweise zu gestalten.
Ab dem heutigen 15. Mai 2026 können Einwohner von Massachusetts ihre Kunstwerke einreichen. Der Wettbewerb läuft bis zum 15. Juni und bereitet den nationalen „Library Card Sign-Up Month“ im September vor. Dann sollen die Siegerentwürfe offiziell ausgegeben werden.
Drei Altersgruppen, drei Gewinner
Die Bibliothek hat den Wettbewerb in drei Kategorien aufgeteilt: Jugend (0–12 Jahre), Teenager (13–17) und Erwachsene (ab 18). Aus jeder Gruppe wird ein Gewinner gekürt. Die drei limitierten Editionen sind dann in der Saison 2026/2027 erhältlich.
Teilnehmen darf nur, wer bereits einen gültigen BPL-Ausweis besitzt. Wer noch keinen hat: Jeder Einwohner von Massachusetts sowie Pendler, Studenten oder Grundstückseigentümer im Bundesstaat kann sich kostenlos registrieren – online für eine eCard oder vor Ort in einer der Filialen.
Die technischen Vorgaben sind streng. Die Kunstwerke müssen exakt 8,6 mal 5,4 Zentimeter groß sein – das entspricht dem Format einer Plastikkarte. Digitale Einsendungen brauchen mindestens 300 dpi. Wer mit Stift oder Pinsel arbeitet, muss hochwertige Scans einreichen. KI-generierte Inhalte sind strikt verboten. Jedes Werk muss von einer einzelnen Person stammen.
„Free to All“ als Leitmotiv
Eine Jury aus Bibliotheksmitarbeitern bewertet die Einsendungen nach künstlerischem Wert, Kreativität und Aussagekraft. Im Mittelpunkt steht das historische Motto der Bibliothek: „Free to All“ – eingemeißelt in die Fassade des McKim Building am Copley Square. Die Teilnehmer sollen interpretieren, was dieser Satz heute bedeutet.
Die BPL wurde 1848 als erste große, kostenlose Stadtbibliothek der USA gegründet und war die erste, die Bücher zur Ausleihe nach Hause gab. Der Wettbewerb unterstreicht diesen demokratischen Anspruch.
Neben den drei Hauptgewinnern wird es mehrere Anerkennungen geben. Diese Designs erscheinen zwar nicht auf Karten, aber auf der Website und in den sozialen Medien.
Design im Fokus der Bibliothek
Der Wettbewerb fällt in eine Zeit, in der die BPL für ihr Design ausgezeichnet wurde. Im April 2025 verlieh ihr das American Institute of Architects den Collaborative Achievement Award – für barrierefreie, menschenzentrierte Architektur, die historische Bauten mit modernen Räumen in Stadtteilen wie Roxbury, Chinatown und Uphams Corner verbindet.
Bereits im August 2025 hatte die Bibliothek mit Grammy-Preisträgerin Laufey eine Sonderedition herausgebracht – inspiriert von den steinernen Löwen der Haupttreppe. Diese Zusammenarbeit war die erste gemeinsame Markenkarte der BPL und ein Vorgeschmack auf den jetzigen offenen Wettbewerb.
Mehr als nur ein Ausweis
Der Design-Wettbewerb ist Teil eines größeren Kulturprogramms. Anfang 2026 startete die Bibliothek die Reihe „Revolutionary Ideas: Boston250″ zum 250. Jahrestag der Amerikanischen Revolution – mit Ausstellungen und Vorträgen über Bostons Rolle als Zentrum des Aktivismus.
Die Karten selbst gibt es in verschiedenen Varianten: die Standardkarte für Bücher, Museumsausweise und DVDs, die eCard für digitale Angebote wie Libby und Palace, sowie Forschungskarten für Kurzzeitbesucher der Zentralbibliothek.
Ausblick auf September 2026
Nach Einsendeschluss am 15. Juni beginnt die Auswahl. Die Gewinner werden direkt kontaktiert und können bei der Werbekampagne für die neuen Karten mitwirken.
Die offizielle Einführung ist für September 2026 geplant – pünktlich zum Schulstart und zur nationalen Registrierungskampagne. Die limitierten Ausweise werden dann in allen 26 Zweigstellen der BPL erhältlich sein, von East Boston bis Hyde Park. Die Bibliothek erwartet einen Ansturm neuer Anmeldungen.
Der Wettbewerb 2026 markiert einen Wandel hin zu mehr direkter Bürgerbeteiligung am visuellen Erscheinungsbild der Institution. Indem sie die Nutzer das Design bestimmen lässt, unterstreicht die Boston Public Library ihr Gründungsprinzip: eine Einrichtung, die der Öffentlichkeit gehört – und von ihr gestaltet wird.

