Brasilien plant Bitcoin-Staatsfonds und Stablecoin-Steuer

Brasilien verfolgt eine Zwei-Säulen-Strategie für digitale Vermögenswerte mit einem geplanten staatlichen Bitcoin-Fonds und einer neuen Abgabe auf Stablecoin-Transaktionen.

Brasilien treibt seine Digital-Asset-Strategie mit zwei bahnbrechenden Vorhaben voran: einem Staatsfonds für Bitcoin und einer neuen Steuer auf Stablecoins. Das Land positioniert sich damit als Vorreiter in der lateinamerikanischen Kryptoregulierung.

Strategische Bitcoin-Reserve im Parlament

Der brasilianische Kongress debattiert erneut über einen der ambitioniertesten Staatspläne für Kryptowährungen weltweit. Der Gesetzentwurf PL 4501/2024 sieht die schrittweise Bildung einer staatlichen Bitcoin-Reserve von mindestens einer Million BTC innerhalb von fünf Jahren vor. Das sogenannte RESBit-Projekt würde Brasilien zu einem der größten staatlichen Bitcoin-Halter machen.

Die Abgeordneten Luiz Gastão und Eros Biondini treiben den Plan voran. Finanziert werden soll der Aufkauf unter anderem aus bis zu fünf Prozent der internationalen Währungsreserven des Landes. Zusätzlich könnten Steuern und Gebühren künftig in Bitcoin gezahlt werden – ein direkter Zufluss für den Staatsfonds.

Befürworter argumentieren, Bitcoin biete einen Schutz vor Währungsinstabilität und diversifiziere die nationalen Reserven. Doch der Plan ist umstritten: Die brasilianische Zentralbank äußerte bereits 2025 Bedenken wegen der hohen Volatilität der Digitalwährung.

Finanzbehörde will Stablecoins mit 3,5 Prozent besteuern

Parallel zum Bitcoin-Fonds plant die Steuerbehörde Receita Federal eine neue Abgabe auf Stablecoin-Transaktionen. Der Vorschlag sieht eine 3,5-Prozent-Steuer nach dem Muster der Finanztransaktionssteuer (IOF) vor. Stablecoins würden damit wie Devisengeschäfte behandelt.

Hintergrund ist der massive Anstieg von Stablecoin-Transaktionen in Brasilien. Die digitalen Dollar-Äquivalente machen inzwischen den Großteil des brasilianischen Kryptohandelsvolumens aus. Sie werden häufig für grenzüberschreitende Zahlungen und als Schutz vor dem schwankenden Real genutzt.

Eine Bagatellgrenze von 10.000 Real (etwa 1.700 Euro) monatlich soll Privatpersonen entlasten – für Unternehmen gilt diese Ausnahme nicht. Der Entwurf soll demnächst in die öffentliche Konsultation gehen.

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Zwei Säulen der Digitalstrategie

Die parallelen Initiativen zeigen eine durchdachte Zwei-Säulen-Strategie. Während der Bitcoin-Fonds eine langfristige strategische Reserve nach Gold-Vorbild aufbauen soll, zielt die Stablecoin-Steuer auf die Regulierung des Alltagsgebrauchs ab.

„Hier zeigt sich ein klassischer Interessenkonflikt“, analysiert ein Beobachter der lateinamerikanischen Finanzmärkte. „Das Parlament denkt in langfristigen strategischen Kategorien, während die Zentralbank die regulatorischen Risiken im Blick hat.“

Diese Entwicklung baut auf früheren Reformen auf. Bereits 2022 legalisierte Brasilien Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Seit Februar 2026 gelten zudem verschärfte Lizenzierungs- und Aufsichtsregeln für Kryptobörsen und Verwahrer.

Widerstand und Ausblick

Beide Vorhaben stehen vor Herausforderungen. Der RESBit-Entwurf muss mehrere parlamentarische Ausschüsse passieren und dürfte auf intensive Debatten stoßen. Die Stablecoin-Steuer wiederum könnte während der öffentlichen Anhörung auf Widerstand der Kryptobranche treffen.

Branchenvertreter befürchten, die Steuer könnte Nutzer zu unregulierten dezentralen Plattformen treiben. Doch die Richtung ist klar: Brasilien will als erste große G20-Volkswirtschaft sowohl staatliche Digital-Asset-Reserven aufbauen als auch den Alltagsgebrauch regulieren und besteuern.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Land diesen Spagat schafft – und zum Vorbild für andere Schwellenländer wird.