Ihr im Mai 2026 veröffentlichter Vorstoß zielt auf gezielte Einschränkungen bestimmter Funktionen auf Plattformen wie Messengern, Gaming-Apps und KI-Chatbots ab. Es geht nicht um pauschale Verbote einzelner Dienste, sondern um präzise Maßnahmen gegen jene Designmerkmale, die Kriminelle systematisch ausnutzen.
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Feature-basierte Sicherheitsmaßnahmen
Die Polizeibehörden identifizieren mehrere Hochrisiko-Funktionen, die Kindesmissbrauch und -ausbeutung begünstigen. Dazu gehören die Massen-Auffindbarkeit von Kindern, die es Fremden erleichtert, gezielt nach potenziellen Opfern zu suchen, sowie der ungehinderte Kontakt durch unbekannte Erwachsene. Besonders kritisch sehen die Ermittler private oder verschlüsselte Nachrichten, die Täter nutzen, um Gespräche in unbeobachtbare Kanäle zu verlagern.
Auch algorithmische Empfehlungen, die schädliche Inhalte oder Kontakte vorschlagen, stehen im Fokus. Hinzu kommen Funktionen zum Teilen von Nacktbildern und livestreams, die Erpressung und Missbrauch ermöglichen. Schwache Altersverifikationssysteme – die es Kindern erlauben, in Erwachsenenbereiche zu gelangen – untergraben laut Polizei alle anderen Schutzmaßnahmen.
Der Vorteil dieses funktionsbasierten Ansatzes: Er gibt Technologiekonzernen klare Vorgaben, welche Änderungen nötig sind. Die Unternehmen müssten gefährliche Features entweder abschalten oder grundlegend umgestalten.
WhatsApps Alterspolitik und die Kritik der Aktivisten
Besonders hitzig diskutiert wird die Altersgrenze bei WhatsApp. Meta senkte im April 2024 das Mindestalter in Großbritannien und der EU von 16 auf 13 Jahre – ein Schritt, der heftige Kritik von Kinderschutzorganisationen auslöste. Gruppen wie „Smartphone Free Childhood“ warfen dem Konzern vor, sich gegen den wachsenden gesellschaftlichen Druck für mehr Kinderschutz zu stellen.
WhatsApp verweist zwar auf seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Sicherheitsmerkmal. Doch genau diese Verschlüsselung erschwert den Behörden die Überwachung verdächtiger Aktivitäten. Im Juni 2024 rief die Polizei von Gloucestershire Eltern dazu auf, die Standard-Gruppeneinstellungen von WhatsApp zu ändern. Der Grund: 11-Jährige waren automatisch in Gruppen hinzugefügt worden, in denen sie sexuell gewalttätige und rassistische Inhalte sahen.
Der Online Safety Act als rechtlicher Rahmen
Die Polizeiforderungen fallen in eine Zeit verschärfter Regulierung. Der Online Safety Act, der im August 2025 in Kraft trat, verpflichtet Plattformen zu robusten Altersverifikationsmethoden – etwa Gesichtsscans, Ausweiskontrollen oder Kreditkartenprüfungen. Ziel ist es, Minderjährige von Pornografie sowie Inhalten zu Selbstverletzung, Suizid oder Essstörungen fernzuhalten.
Technologieminister Peter Kyle bezeichnete das Gesetz als den bedeutendsten Fortschritt für den Kinderschutz seit der Erfindung des Internets. Die Regulierungsbehörde Ofcom überwacht die Einhaltung und kann bei Verstößen empfindliche Strafen verhängen.
Parallel dazu startete die britische Regierung im März 2026 ein Pilotprogramm mit 300 Teenagern. Sechs Wochen lang untersuchen Forscher, wie sich Social-Media-Einschränkungen auf Wohlbefinden, Schlaf, Schulleistungen und Familienleben auswirken. Die Ergebnisse sollen bis Ende Mai vorliegen.
Neue Bedrohungen durch Künstliche Intelligenz
Die Bedrohungslage entwickelt sich rasant weiter. Erst im Mai 2026 warnten die National Crime Agency und Kinderschutzexperten vor einer neuen Gefahr: Kriminelle nutzen KI, um Fotos von Kindern zu manipulieren und die Betroffenen damit zu erpressen. Die Arbeitsgruppe „Early Warning Working Group“ – bestehend aus Organisationen wie der NSPCC und der Internet Watch Foundation – empfiehlt Schulen dringend, erkennbare Kinderfotos von Websites und Social-Media-Kanälen zu entfernen.
Experten raten zu regelmäßigen Bild-Audits, erneuerten Einwilligungserklärungen und sofortiger Kontaktaufnahme mit der Polizei bei Vorfällen.
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Ausblick: Was kommt auf die Tech-Konzerne zu?
Die gebündelten Forderungen von Polizei, Regierung und Kinderschutzorganisationen signalisieren einen grundlegenden Wandel. Zwar steht ein komplettes Verbot von WhatsApp für Unter-16-Jährige nicht unmittelbar bevor. Doch die geforderten funktionsbasierten Einschränkungen und strengen Alterskontrollen zwingen die Plattformen zum Umdenken.
Die laufende Regierungskonsultation und die Durchsetzungsmacht des Online Safety Act deuten darauf hin: Die Ära der unregulierten Kinder-Angebote im Netz neigt sich dem Ende zu. Die Herausforderung wird sein, eine Balance zu finden – zwischen digitaler Teilhabe und dem Schutz vor den Gefahren, die das Internet für junge Menschen bereithält.

