Auf dem Parteitag der Labour-Partei in Liverpool hat der britische KI-Minister Kanishka Narayan bekräftigt, dass die internationale Rolle des Vereinigten Königreichs bei der Überprüfung künstlicher Intelligenz durch den Kurs der US-Regierung keineswegs geschmälert worden sei.
Zuvor war bekannt geworden, dass das Weiße Haus führende US-Technologieunternehmen angewiesen hatte, Vorabversionen neuer KI-Modelle vorerst nicht an britische Prüfstellen weiterzugeben.
Streit um Vorabzugang zu neuen Modellen
Nach Angaben aus Washington wurden die KI-Entwickler OpenAI und Anthropic angewiesen, ihre Systeme nicht an das britische AI Security Institute (AISI) zu übergeben, solange US-Spezialisten ihre Tests nicht abgeschlossen haben. Narayan entgegnete in Liverpool, es sei unerheblich, ob die USA den Erstzugriff bei den Modellprüfungen innehätten, solange das AISI einen Zugang vor der allgemeinen Bereitstellung erhalte.
Das britische Institut sei die einzige Instanz außerhalb der Entwicklungslabore, die über einen solchen Vorabzugang verfüge. Das Institut teste die Systeme für die britische Sicherheit und teile gewonnene Erkenntnisse anschließend mit den US-Behörden.
Der Vorfall verdeutlicht wachsende Differenzen im Umgang mit der Zukunftstechnologie. Während US-Präsident Donald Trump in der Vorwoche vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine globale KI-Regulierung ablehnte und eine Verlangsamung der Entwicklung als Vorteil für China bezeichnete, setzt die britische Regierung auf internationale Vereinbarungen.
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Premierminister Andy Burnham kündigte vor der UN-Generalversammlung an, die britische G20-Präsidentschaft im Jahr 2027 nutzen zu wollen, um weltweite KI-Standards durchzusetzen und ein internationales Abkommen zu vermitteln.
Außenminister Ed Miliband betonte ebenfalls, Technologiekonzerne könnten die Sicherheitsrisiken nicht allein bewältigen. Auch Microsoft-Mitgründer Bill Gates erklärte in der Sendung NBC Meet the Press, eine reine Selbstregulierung der Branche reiche nicht aus.
Wachsende Risiken und Forderungen nach Infrastruktur
Narayan erklärte gegenüber dem Magazin Fortune, dass reine Modelltests mittlerweile nicht mehr ausreichten. Staaten müssten ihre Verteidigung gegen Risiken härten, wobei der Fokus auf akuten Bedrohungen wie Cybersicherheit und biochemischen Gefahren liege.
Hintergrund dieser Warnung waren unter anderem Äußerungen von Jacob Coxon, der diesen Monat bei Anthropic kündigte, sowie des Anthropic-Wissenschaftlers Evan Hubinger, der das Risiko gravierender Fehlentwicklungen auf über 10 Prozent bezifferte.
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Am Rande des Parteitags forderte Narayan zudem ein höheres Tempo beim Bau von Datenzentren, um ein souveränes Niveau bei Rechenleistung und Infrastruktur zu erreichen. Gleichzeitig müsse die Akzeptanz vor Ort durch Mitbestimmung und Investitionen in saubere Energie gesichert werden.
Die britische Technologiebranche drängt auf eine noch stärkere staatliche Unterstützung. In einem offenen Brief an Premier Burnham und Minister Narayan forderten Vertreter führender Unternehmen, darunter BT, Hewlett Packard Enterprise, Leonardo und Sopra Steria, mehr als 20 Milliarden Pfund für souveräne KI-Infrastruktur sowie ein Fünf-Jahres-Programm für Rechenkapazitäten und Energie.
Bislang hat die britische Regierung 500 Millionen Pfund für eine Sovereign-AI-Einheit, 750 Millionen Pfund für den nationalen KI-Supercomputer sowie 100 Millionen Pfund für Beschaffungen im Bereich Forschung und Entwicklung bereitgestellt.

