Grund ist ein neues KI-System, das Gefahren in Echtzeit erkennt. Das zeigt der aktuelle Sicherheitsbericht für 2025.
Sicherheitsradar erkennt Gefahren in Echtzeit
Kern der neuen Strategie ist das „Sicherheitsradar“. Es überwacht 13 U-Bahnhöfe – darunter der viel frequentierte Kottbusser Tor – nicht mehr nur passiv, sondern aktiv. Die KI erkennt spezifische Gefahrensituationen, wie etwa Personen im Gleisbereich, und alarmiert sofort die Sicherheitsleitstelle. Die Reaktionszeiten auf akute Bedrohungen sollen sich so spürbar verkürzen. Bereits kurz vor dem Abschluss steht die Ausrüstung von sieben weiteren Stationen, sodass bald 20 Knotenpunkte unter der intelligenten Beobachtung stehen.
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Der Erfolg gibt dem Projekt recht: Die Straftaten im BVG-Netz gingen im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 Prozent zurück. Noch deutlicher ist der Effekt auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste. Innerhalb von nur zwölf Monaten stieg der Anteil der Fahrgäste, die sich sicher fühlen, von 36 auf 58 Prozent. Ein Pilotprojekt auf der U8-Linie, das KI-Überwachung mit verstärkten Reinigungs- und Sicherheitsstreifen kombinierte, erzielte in der dreimonatigen Testphase sogar einen Rückgang der Vorfälle um 75 Prozent.
Neue Gesetze ermöglichen präventive Überwachung
Die technische Aufrüstung wurde durch eine umfassende Gesetzesreform möglich. Seit Januar 2026 gilt die novellierte Fassung des Berliner Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG). Die 700-seitige Änderung erweitert die Befugnisse von Polizei und Verkehrsbetrieben für den Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung im öffentlichen Raum massiv.
Erlaubt sind nun sogenannte Verhaltensscanner an kriminalitätsbelasteten Orten. Diese Systeme sollen zwischen harmlosen Gesten und einer tatsächlichen Schlägerei unterscheiden können. Das Gesetz schafft auch den rechtlichen Rahmen für automatische Kennzeichenerkennung und prädiktive Analysen, die potenzielle Bedrohungen vorhersagen sollen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verteidigt den Schritt als notwendig, um mit der Entwicklung der Kriminalität Schritt zu halten. Die Polizei müsse mindestens so moderne Werkzeuge haben wie die Täter.
Datenschützer warnen vor Überwachungswahn
Der schnelle Ausbau der KI-Überwachung stößt auf scharfe Kritik. Die Berliner Datenschutzbeauftragte, Meike Kamp, warnt vor einem Überwachungsdschungel und mangelnder Transparenz. Die flächendeckende Erfassung von Bewegungsprofilen könne einen „chilling effect“ auslösen – Bürger könnten ihr Verhalten aus Angst vor der automatisierten Bewertung ändern.
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Kamp hinterfragt insbesondere die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen an Orten wie dem Kottbusser Tor. Die permanente Analyse des öffentlichen Lebens greife tief in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ein. Ein weiteres Risiko sieht sie in verzerrten KI-Algorithmen, die bestimmte Bevölkerungsgruppen diskriminieren könnten, wenn die Trainingsdaten fehlerhaft sind. Die Datenschutzbeauftragte fordert strengere Pseudonymisierungsvorgaben und klare Folgenabschätzungen, bevor solche Hochrisiko-Systeme zum Alltag werden.
Blaupause für andere Metropolen?
Trotz der Kontroverse setzt die BVG ihren Kurs fort. Die Strategie lautet „Stabilität vor Wachstum“ – mit Investitionen in Personal und Technik. Sicherheits- und Reinigungsteams werden dauerhaft auf den Linien U5, U7, U8 und U9 eingesetzt. Branchenexperten erwarten, dass proaktive, intelligente Sicherheitssysteme den Markt bis zum Ende des Jahrzehnts prägen werden.
Der nächste Schritt der Modernisierung geht über die reine Überwachung hinaus: In Berlin-Nordwest soll in der ersten Jahreshälfte 2026 ein autonomer Shuttle-Pilotbetrieb mit Fahrgästen starten. Die Fahrzeuge der Stufe 4 sind mit 13 Kameras sowie Lidar- und Radarsensoren ausgestattet, die von einer zentralen KI gesteuert werden. Der Erfolg dieser kombinierten Sicherheits- und Automationsinitiativen könnte zur Blaupause für andere Großstadt-Verkehrsbetriebe werden, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Die Debatte um die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit ist in Berlin jedoch längst nicht beendet.





