ByteDance fusioniert Feishu mit KI-Sparte: 90% der Neukunden nutzen KI

ByteDance, Alibaba und Tencent integrieren generative KI in ihre Kollaborationsplattformen und erhöhen damit den Druck auf westliche Anbieter wie Microsoft und Google.

Chinas führende Technologiekonzerne stellen ihre Büro-Suiten radikal auf künstliche Intelligenz um. Der Wandel weg von klassischen Software-Modellen hin zu KI-gesteuerten Plattformen könnte auch den globalen Markt verändern.

Die Zeichen stehen auf Sturm in Chinas digitaler Wirtschaft: ByteDance, Alibaba und Tencent bauen ihre Kollaborationsplattformen grundlegend um. Im Zentrum steht die Integration generativer KI direkt in die Kernprodukte – ein Schritt, der die Konkurrenzfähigkeit gegenüber westlichen Anbietern wie Microsoft oder Google stärken dürfte.

ByteDance verschmilzt Feishu mit KI-Sparte Doubao

Der Konzern hinter TikTok hat am 30. Juli 2026 eine weitreichende Umstrukturierung bekannt gegeben. Das Produktteam von Feishu – international als Lark bekannt – wird in die Doubao-Abteilung eingegliedert. Feishu-Chef Xie Xin berichtet künftig an Zhao Qi, den Leiter der KI-Sparte. Parallel dazu wird das Vertriebsteam von Feishu mit der Cloud-Plattform Volcano Engine zusammengelegt.

Die Marke Feishu bleibt zwar bestehen, doch die Entwicklung orientiert sich nun deutlich stärker an der Strategie für große Sprachmodelle. Die Zahlen geben dem Konzern recht: Mehr als 90 Prozent der Neukunden von Feishu kauften im zweiten Quartal 2026 KI-bezogene Produkte. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) der Plattform überstieg 2025 die Marke von drei Milliarden Yuan und wuchs zuletzt um über 100 Prozent im Jahresvergleich. Das gesamte KI-Geschäft von ByteDance kommt auf einen ARR von vier Milliarden Dollar – das Modell Doubao verarbeitet täglich mehr als 180 Billionen Tokens.

Alibaba bündelt KI-Agenten unter einer Marke

Auch Alibaba zentralisiert seine Aktivitäten: Drei verschiedene KI-Agenten-Produkte – QoderWork, das auf DingTalk basierende Wukong sowie MuleRun von Alibaba Cloud – werden zur neuen Einheit Qianwen Office zusammengeführt. Geleitet wird das Projekt von DingTalk-CEO Chen Yusen. Seit dem 27. Juli 2026 läuft ein erster Testbetrieb der neuen Suite.

Die Integration vereint Desktop-, Cloud- und Organisationsfunktionen. QoderWork galt zuvor als das KI-Tool mit den meisten täglichen Nutzern und dem höchsten Token-Verbrauch innerhalb der Gruppe.

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Tencent setzt auf eigenständiges WorkBuddy-Ökosystem

Tencent hat seinen persönlichen KI-Assistenten QClaw der WorkBuddy-Systemumgebung unterstellt. Bemerkenswert: WorkBuddy agiert unabhängig von der Unternehmensversion von WeChat. Bereits am 5. Juni 2026 hatte Tencent ein Effizienz-Toolkit vorgestellt, das mehr als 20 vertikale Anwendungsszenarien abdeckt.

Der Markt bleibt dabei hochkonzentriert: Die drei führenden Plattformen – Feishu, DingTalk und Tencents Suite – kommen gemeinsam auf eine Marktabdeckung von 92 Prozent. Bei der Nutzeraktivität führt WorkBuddy mit 20,97 Millionen monatlichen Besuchen im zweiten Quartal, gefolgt von ByteDances Trae mit 12,79 Millionen.

Industrie profitiert von KI-Kollaboration

Die Umstellung zeigt bereits praktische Wirkung. Im Suzhou Industrial Park nutzen mehr als 2.000 Unternehmen aus zwölf Industrieclustern die digitalen Plattformen. Die Firmen berichten von 40 Prozent höherer Besprechungseffizienz und 35 Prozent kürzeren Projektlaufzeiten.

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Auch andere Branchen ziehen nach: Der Immobilienkonzern E-house brachte einen KI-Analysten und eine spezielle „All-in-One-Maschine“ für 16 Immobilienszenarien auf den Markt. Die Hotelkette Jinjiang Hotels automatisiert seit Ende 2025 mit der Jinkun-Plattform ihre interne Verwaltung und Filialabläufe. Und Kingsoft Office arbeitet mit Partnern wie Matrix Origin an KI-basierten Datenverwaltungssystemen für digitale Fabriken.

Der Wettlauf um die KI-gesteuerte Büroarbeit hat damit eine neue Dimension erreicht – und die europäischen Anbieter sollten die Entwicklungen in Fernost genau im Blick behalten.