CADA-Gesetz seit Juni: Europa baut Cloud-Infrastruktur gegen US-Dominanz

Der EU Cloud and AI Development Act treibt die digitale Souveränität Europas voran. Deutsche Bundesländer setzen auf Open-Source-Alternativen.

Der „EU Cloud and AI Development Act“ (CADA) soll Europas Abhängigkeit von US-Cloud-Diensten beenden. Deutsche Bundesländer gehen bereits voran.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes am 3. Juni 2026 beschleunigen europäische Regierungen und Technologieanbieter ihre Bemühungen, die Dominanz nicht-europäischer Cloud-Dienste zu brechen. CADA führt ein vierstufiges Souveränitätsmodell für die öffentliche Beschaffung ein – von einfacher Datenlokalisierung bis zur vollständigen Abschottung von nicht-europäischer Rechts- und Betriebskontrolle.

Der Vorstoß kommt nicht zu früh: Der Marktanteil europäischer Cloud-Anbieter schrumpfte von 29 Prozent im Jahr 2017 auf rund 15 Prozent im Jahr 2022. Drei nicht-europäische Hyperscaler kontrollieren inzwischen über 70 Prozent des Marktes. CADA soll die Rechenzentrumskapazität in den nächsten fünf bis sieben Jahren verdreifachen. Analysten halten eine vollständige Autonomie innerhalb von fünf Jahren jedoch für unrealistisch.

Deutsche Bundesländer setzen auf Open Source

Mecklenburg-Vorpommern treibt die digitale Wende besonders entschlossen voran. Rund 50.000 öffentliche Angestellte werden auf eine kollaborative Umgebung aus Nextcloud, OpenProject und der openDesk-Suite umgestellt. Bereits im Frühsommer hatten rund 5.000 Mitarbeiter den Wechsel vollzogen.

Die Migration unter Federführung der landeseigenen IT-Agentur DVZ-MV ist Teil einer Kooperationsvereinbarung mit Schleswig-Holstein aus dem Herbst 2025. Es gehe um digitale Souveränität und Betriebsresilienz, nicht um Kosteneinsparungen, so die Landesregierung. Auch Bayern hat einen Großauftrag mit Microsoft gestoppt und prüft nun souveräne Alternativen – mithilfe eines „Souveränitäts-Checks“, den die Stadt München gemeinsam mit der Technischen Universität München entwickelt hat.

Neue Konkurrenz für Microsoft & Co.

Der Markt für digitale Arbeitsplätze wird vielfältiger. Am 4. März 2026 startete in Den Haag „Office.eu“ – eine souveräne Alternative zu US-Anbietern, die vollständig auf europäischer Infrastruktur läuft.

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Auf dem Nextcloud Summit in München (9. Juni 2026) kündigte das Unternehmen ein ISV-Partnerprogramm an, um sein App-Ökosystem von 600 auf geschätzte 6.000 Anwendungen auszubauen. Gleichzeitig präsentierte Nextcloud „Euro-Office“, eine souveräne Office-Suite, die in Nextcloud Hub 26 integriert ist.

Weitere europäische Anbieter haben ihre Produkte aufgerüstet: Collabora Online veröffentlichte 2025 Version 26.04 mit integrierten KI-Funktionen, gefolgt von einer Desktop-Office-Anwendung Ende letzten Jahres. In den Niederlanden sucht ein Startup Partner für einen EU-gehosteten digitalen Arbeitsplatz auf Basis der französischen „La Suite“-Technologie – erste Pilotprojekte laufen im Gesundheits- und Bildungssektor.

KI-Souveränität: Europa investiert in eigene Infrastruktur

T-Systems hat die KI-Kapazität Deutschlands um 50 Prozent erhöht – durch die „AI Factory“ in München mit 10.000 NVIDIA Blackwell GPUs. Die T-Cloud-Plattform betreibt 24 Rechenzentren für 4.000 Kunden und erreicht laut Unternehmensangaben rund 80 Prozent Funktionsparität mit führenden US-Cloud-Anbietern.

Der französische Anbieter Scaleway wurde für das EU-Cloud-III-Programm ausgewählt – ein Auftrag über 180 Millionen Euro mit einer Laufzeit von bis zu sechs Jahren. Auf der VivaTech 2026 betonte Scaleways CEO, dass Europa bei KI-Inferenz etwa ein Jahr hinterherhinke. Man müsse eigene Hardware- und Softwareketten aufbauen. Scaleway kooperiert mit dem französischen Chip-Designer VSORA und hat namhafte Kunden wie LVMH und ChapsVision gewonnen.

Regierungs- und Forschungs-Clouds entstehen

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Bereits 50.000 Angestellte in Mecklenburg-Vorpommern arbeiten souverän – Ihr Bundesland könnte der nächste sein. Der Report zeigt, wie Sie mit Open-Source-Suiten wie Nextcloud und Collabora die Abhängigkeit von US-Hyperscalern beenden. Souveränitäts-Report jetzt sichern

Die Niederlande entwickeln eine souveräne Regierungs-Cloud auf staatseigenen Rechenzentren. Mehrere Anwendungen sollen bis Ende 2026 betriebsbereit sein. Das Design wird veröffentlicht, damit private Unternehmen und Forschungseinrichtungen beitragen können.

Auf der GÉANT TNC26-Konferenz in Helsinki (12. Juni 2026) diskutierten Teilnehmer den Aufbau einer europaweiten souveränen Objektspeicher-Infrastruktur für die Forschung. Parallel dazu integriert das OCRE 2024-Framework europäische Plattformen neben globalen Anbietern – maßgeschneidert für die Datenresidenz- und Sicherheitsanforderungen der Wissenschaft.