Die Täter nutzten Künstliche Intelligenz und Deepfakes, um Opfer im russischsprachigen Raum und in der EU zu täuschen. Der Gesamtschaden geht in die Millionen.
Deepfakes statt Telefonnummern
In Odessa zerschlug die Polizei ein Netzwerk, das gezielt Bürger in Kasachstan betrog. Die Täter gaben sich mithilfe von KI-generierten Bildern und Deepfakes als kasachische Sicherheitskräfte aus. Das Callcenter war arbeitsteilig organisiert: Eigene Abteilungen kümmerten sich um IT, Personal und Telefonate.
Bei den Razzien identifizierten die Beamten 13 Verdächtige und nahmen neun Personen fest. Sie beschlagnahmten Computer, fast 50 Mobiltelefone und Fahrzeuge. Der bisher dokumentierte Schaden liegt bei umgerechnet rund 2,5 Millionen Griwna.
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Falsche Investmentfirmen in Charkiw
Parallel dazu deckten die ukrainische Polizei und Eurojust in Charkiw ein weiteres Callcenter auf. Es tarnte sich als Investmentfirma und köderte mindestens 50 EU-Bürger. Besonders betroffen: Opfer in Lettland, die mehr als 100.000 Euro verloren.
Die Masche war simpel, aber effektiv. Die Täter täuschten fiktive Gewinne beim Pseudotrading vor oder versprachen, bereits verlorene Investitionen gegen Vorabzahlungen zurückzuholen.
SIM-Boxen verschleiern die Herkunft
Ein zentrales Problem für Ermittler: die Verschleierung der Anruferidentität. In der russischen Stadt Wladimir fassten Sicherheitskräfte Ende Mai einen 24-Jährigen. Er soll als technischer Dienstleister für Betrugs-Callcenter gearbeitet haben.
Der Mann reiste mit einer sogenannten SIM-Box durchs Land. Das Gerät leitete Anrufe über zahlreiche lokale SIM-Karten weiter – die wahre Herkunft blieb unsichtbar. Bei der Festnahme stellten die Beamten die SIM-Box, über 50 SIM-Karten und einen Laptop sicher. Dem Beschuldigten drohen bis zu sechs Jahre Haft.
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Feiertage als Einfallstor
Betrüger passen ihre Maschen regelmäßig an aktuelle Ereignisse an. Anfang Mai warnten Cyberexperten vor einer Welle von Anrufen bei Rentnern und Veteranen. Die Täter gaben vor, Sonderzahlungen zum Tag des Sieges am 9. Mai auszuzahlen. Ihr Ziel: SMS-Codes für den Zugriff auf Online-Banking-Konten.
Die staatlichen Stellen betonten: Reguläre Leistungen werden automatisch ausgezahlt und niemals durch die Abfrage von Sicherheitscodes.
Deutschland im Visier
Auch hierzulande bleibt die Bedrohungslage hoch. In Thüringen registrierten die Behörden bis Ende Mai über 1.000 KI-gestützte Anrufe. Die Täter imitierten mit Deepfakes die Stimmen von Angehörigen.
In Bayern traf es eine Seniorin besonders hart: Eine Münchnerin übergab einem falschen Polizeibeamten Gold und Bargeld im Wert von rund einer halben Million Euro.
Steuerliche Abzugsfähigkeit fraglich
Für Betrugsopfer bleibt die finanzielle Entlastung schwierig. Das Finanzgericht Münster wies die Klage eines Geschädigten ab. Er wollte Verluste aus einer Barübergabe als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen.
Die Begründung: Solche Aufwendungen fielen nicht zwangsläufig an, und es hätten zumutbare Handlungsalternativen bestanden. Allerdings ließen die Richter die Revision zum Bundesfinanzhof zu – die Frage ist grundsätzlich klärungsbedürftig.

